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IS-Anführer fordert Kämpfer zur Verteidigung Mossuls auf

Es passiert nicht häufig, dass sich IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi zu Wort meldet: Nach dem Beginn der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul drängt er seine Gefolgsleute erstmals, die Millionenstadt zu verteidigen. Die irakischen Truppen rücken trotzdem weiter vor.

Abu Bakr al-Bagdadi
Abu Bakr al-Bagdadi.
Foto: Islamic State Video / Handout – dpa

Mossul (dpa). IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi hat nach Angaben der Terrormiliz Islamischer Staat seine Kämpfer zur Verteidigung der umkämpften irakischen Stadt Mossul aufgefordert.

Irakische Soldaten
Die Befreiung der Millionenstadt Mossul läuft.
Foto: Ahmed Jalil – dpa

Selbstmordattentäter sollten sich in der IS-Hochburg «dem Feind stellen und ihr Blut in Flüsse verwandeln», heißt es in einer seltenen Audiobotschaft, die in der Nacht zum Donnerstag auf einer IS-Website erschien und von Al-Bagdadi stammen soll.

Gesichter des Krieges
Gesichter des Krieges: In Bartila, östlich von Mossul, blickt ein Soldat der irakischen Armee aus einem gepanzerten Fahrzeug.
Foto: Amel Pain – dpa

Die Kämpfer sollten in der Stadt ausharren, auf die irakische Streitkräfte und ihre Verbündeten in einer großen Offensive aus mehreren Richtungen vorrücken. Die Echtheit der Audiobotschaft Al-Bagdadis konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Auch ist unbekannt, wo sich der Terrorführer aufhält und von wann die Aufnahme stammt. «Macht ihre Tage zu dunklen Nächten», forderte der selbst ernannte Kalif seine Kämpfer in der mehr als 31-minütigen, predigtartigen Botschaft auf. «Dieser Krieg ist euer Krieg.»

Auf dem Weg zur Front
Irakische Soldaten auf dem Weg zur Front nahe Bartila, einer Stadt vor den Toren von Mossul.
Foto: Amel Pain – dpa

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Botschaft drangen irakische Truppen vom Osten her weiter auf das Stadtgebiet von Mossul vor. Das Vorrücken der irakischen Truppen innerhalb Mossuls sei ein «Meilenstein», twitterte der US-Sonderbeauftragte für die IS-Bekämpfung, Brett McGurk. Die Truppen würden an allen Fronten vorrücken und seien schneller, als der Zeitplan es vorsehe.

Vormarsch auf Mossul
Peschmerga-Kämpfer beim Vormarsch auf die noch vom IS gehaltene Großstadt Mossul.
Foto: Andrea Dicenzo – dpa

Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw veröffentlichte Fotos von Männern im Vorort Gogdschali, die sich nach der Befreiung vom IS die unter der Dschihadisten-Herrschaft obligatorischen Bärte abrasieren.

Irakische Streitkräfte
Irakische Streitkräfte in der Nähe von Fallujah (Archivbild). 30 000 Kämpfer sollen sich für die Offensive im Umland von Mossul positioniert haben.
Foto: Nawras Aamer – dpa

Der IS verstärkte nach Armeeangaben seine Gegenwehr. Dabei setzten die Kämpfer vor allem mit Sprengstoff beladene Autos ein, in denen sich Selbstmordattentäter nahe der Feinde in die Luft sprengen sollen.

Irak
Kurdische Kämpfer an der Front im Irak.
Foto: Ahmed Jalil – dpa

In der Region um die strategisch wichtige Stadt Tell Afar, an der die Überlandstraße von Mossul in die IS-Gebiete Syriens liegt, seien Autobomben die einzige Waffe, auf die die Dschihadisten setzten, berichtete das Staatsfernsehen. In der Region etwa 80 Kilometer westlich von Mossul versuchen schiitische Milizen, Mossul vom Rest des IS-Herrschaftsgebietes zu isolieren.

IS-Extremisten beherrschen die nordirakische Stadt Mossul seit Anfang Juni 2014. Hier trat Al-Bagdadi erstmals als Anführer seines zuvor ausgerufenen «Kalifats» auf. Heute ist die ehemalige Millionenstadt nach Verlusten die letzte verbliebene IS-Hochburg im Land. Schätzungen zufolge halten sich zwischen 800 000 und mehr als einer Millionen Zivilisten in der Stadt auf. Sie sind Hilfsorganisationen zufolge wegen der Kämpfe und der schlechten Versorgungslage akut bedroht. Mitte Oktober begann ein Bündnis aus irakischer Armee, kurdischen Peschmerga und lokalen Milizen eine Offensive zur Befreiung von Mossul. Sie greifen die Stadt aus mehreren Richtungen an und konnten mittlerweile im Osten bis in die Außenbereiche Mossuls vordringen. Unterstützt werden sie von Luftangriffen einer US-geführten Militärkoalition.

In seiner Audiobotschaft sagte Al-Bagdadi zudem, dass die Luftangriffe des US-geführten Bündnisses sowie solche von Russland den Islamischen Staat nicht schwächen würden. Zudem richtete er sich gegen die Türkei, die im August zusammen mit verbündeten Rebellen in Syrien einmarschiert war und den IS aus einigen Gebieten an der Grenze vertrieben hatte. Dem streng konservativen Saudi-Arabien warf er vor, das Königreich in einen säkularen Staat zu verwandeln. Er rief dazu auf, das Land anzugreifen.

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