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    Jakarta

    Heftige Proteste nach Hinrichtungen in Indonesien

    Die Hinrichtung von acht Drogenschmugglern in Indonesien hat international scharfe Kritik und auch diplomatische Verstimmungen ausgelöst. Australien wollte seinen Botschafter zu Konsultationen zurückrufen.

    Sarg
    Der Sarg des Brasilianersb Rodrigo Gularte nach der Überführung von der Hinrichtungsinsel nach Jakarta.
    Foto: Bagus Indahono - dpa

    Der australische Regierungschef Tony Abbott sprach von «grausamen und unnötigen Hinrichtungen». Zwei der Männer, die kurz nach Mitternacht vor ein Erschießungskommando gestellt wurden, kamen aus Australien. Die Bundesregierung, die EU, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Hinrichtung scharf.

    Mary Jane Veloso
    Mary Jane Veloso ist die einzige Todeskandidatin, deren Erschießung vorerst aufgeschoben wurde.
    Foto: Bimbo Satrio - dpa

    Amnesty International sprach von einem «sinnlosen, tragischen und verheerenden, vom Staat sanktionierten Mord». Indonesien beharrt darauf, dass die Geißel des Drogenkonsums nur mit abschreckenden Strafen bekämpft werden kann.

    Angehörige auf dem Weg zur Hinrichtungsinsel Nusa Kambangan
    Angehörige eines zum Tode verurteilten Australiers auf dem Weg zur Hinrichtungsinsel Nusa Kambangan.
    Foto: Adi Weda - dpa

    Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte am Mittwoch in Berlin: «Aus Sicht der Bundesregierung ist die Todesstrafe eine unmenschliche und grausame Art der Bestrafung, die wir unter allen Umständen ablehnen.» Er verwies auch auf einen Beschluss des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen, der die Todesstrafe wegen Drogendelikten für unzulässig erklärt habe. Zudem sei es nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen «sehr zweifelhaft», dass die Todesstrafe abschreckend wirke.

    Transport der Verurteilten
    In schwer gepanzerten Fahrzeugen werden Andrew Chan und Myuran Sukumaran auf die Gefängnisinsel Nusakambangan gebracht, wo sie erschossen werden sollen.
    Foto: Mast Irham/Archiv - dpa

    UN-Chef Ban und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini riefen die indonesische Regierung auf, alle Exekutionen in dem Land auszusetzen. Ban sagte, die Todesstrafe habe keinen Platz im 21. Jahrhundert.

    Richter Ujang Abdullah
    Richter Ujang Abdullah verkündet die Ablehnung eines Antrags der beiden australischen Todeskandidaten.
    Foto: Mast Irham - dpa

    Die französische Regierung versucht indes, die Hinrichtung eines Landsmanns zu verhindern, der ebenfalls wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt worden war. «Frankreich (...) erinnert an seine Ablehnung der Todesstrafe an allen Orten und unter allen Umständen», erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Paris.

    Fähre nach Nusakambangan
    Fähre nach Nusakambangan: Der aufwändige Transport der Todeskandidaten zu ihrer Hinrichtungsstätte wurde zum Medienspektakel.
    Foto: Mast Irham/Archiv - dpa

    Außer den zwei Australiern wurden ein Brasilianer, ein Indonesier und vier Nigerianer exekutiert. Die Hinrichtung einer 30-jährigen Philippinerin wurde in letzter Minute ausgesetzt. Stunden vorher hatte sich auf den Philippinen eine Frau der Polizei gestellt, die die 30-jährige Mutter von zwei Kindern ohne ihr Wissen als Drogenkurierin ausgenutzt haben soll.

    Gebet für die Verurteilten
    Gebet für die Verurteilten: Freiwillige der Mercy Campaign im balinesischen Denpasar.
    Foto: Johannes P. Christo/Archiv - dpa

    Canberra protestierte seit Wochen scharf gegen die Todesurteile. Die beiden Australier hätten Reue gezeigt und sich im Gefängnis völlig gewandelt. In Australien war die Empörung groß. In sozialen Netzwerken kursierten Aufrufe unter dem Hashtag #BoycottIndonesia oder #Boycottbali. Die Ferieninsel Bali ist fest in australischer Hand, vergleichbar mit dem Ferienziel Mallorca für die Deutschen.

    Fähre nach Nusakambangan
    Auf der Insel Nusakambangan vollstrecken indonesische Erschießungskommandos die Todesstrafe.
    Foto: Mast Irham - dpa

    Abbott warnte vor Boykott-Maßnahmen. Die Beziehungen zu Indonesien seien wichtig: «Wir müssen sicherstellen, dass unser Ärger eine schlimme Situation nicht noch schlimmer macht.»

    Todeskandidaten
    Todeskandidaten: Andrew Chan (r.) und Myuran Sukumaran hatten 8,3 Kilogramm Heroin von Bali nach Australien schmuggeln wollen.
    Foto: Made Nagi/Archiv - dpa

    Indonesien zeigte sich unbeeindruckt von möglichen Handelssanktionen. «Wir importieren mehr von Australien als umgekehrt. Wenn der Handel eingefroren wird, leiden die Australier stärker», meinte Vizepräsident Jusuf Kalla nach Angaben der Zeitung «Jakarta Post».

    Andrew Chan
    Andrew Chan wird von vermummten und schwerbewaffneten Polizisten ins Nusakambangan-Gefängnis gebracht, wo ein Erschießungskommando auf ihn wartet.
    Foto: Made Nagi/Archiv - dpa

    Facebook-Gruppe Freunde von Sukumaran

    Transport der Leichen
    Krankenwagen transportieren die Leichen der hingerichteten Australier aus dem Nusakambangan Gefängnis nach Jakarta.
    Foto: Mast Irham - dpa

    Facebook-Gruppe Freunde von Chan

    SBS-Dokumentation über Sukumaran und Chan

    Zeitungsbericht Hinrichtungsinsel

    Boykott-Aufruf laut Zeitung Herald Sun

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