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    Berlin

    Falsch deklarierte Eier, verbannte «Köttbullar» – strengere Kontrollen

    Möglicherweise millionenfach falsch deklarierte Eier, Ikea stoppt den Verkauf seiner «Köttbullar», Pferdefleisch in Fertiggerichten: Viele Verbraucher sind verunsichert, der Handel kündigt schärfere Kontrollen an.

    Köttbullar von Ikea
    Die Möbelkette Ikea stoppt jetzt auch in Deutschland den Verkauf ihrer populären Hackfleischklöße «köttbullar».
    Foto: Stephanie Pilick – DPA

    Nach Auskunft der Oldenburger Staatsanwaltschaft gibt es Verdachtsfälle wegen falsch deklarierter Eier in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

    Ikea weitete am Dienstag den Verkaufsstopp für seine populären Hackfleischklöße «Köttbullar» auch auf Deutschland und weitere Länder aus. Er umfasst danach 24 Länder. In Europa nicht vom Stopp betroffen sind Norwegen, die Schweiz und Russland. Vorausgegangen war ein Bericht aus Tschechien über Spuren von Pferdefleisch in den Ikea-Klopsen.

    Die deutsche Ikea-Tochter versicherte, dass die Klöße hier nach «aktuellen Analysen» frei von Pferdefleisch seien. Das schwedische Unternehmen Dafgård in Lidköping als Ikea-Lieferant der «Köttbullar» erklärte, man habe bei eigenen Tests bisher kein Pferdefleisch entdeckt. Der Chef des für die meisten europäischen Länder zuständigen Lieferanten, Ulf Dafgård, erklärte: «Bei 320 in den letzten drei Wochen durchgeführten Tests hat es keine Spuren von Pferdefleisch gegeben.»

    Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihr Unternehmen wolle bis Donnerstag genauere Testergebnisse aus einem unabhängigen Labor zu der aus Tschechien beanstandeten Lieferung veröffentlichen. Die deutschen Ikea-Häuser hätten nichts aus dieser Lieferung erhalten, in der sich Pferdefleisch fand.

    Bei der Suche nach falsch deklarierten Eiern hat die Oldenburger Staatsanwaltschaft etwa 50 Fälle in andere Bundesländer abgegeben. In welchem Umfang dort ermittelt wurde oder werde, sei ihr aber nicht bekannt, sagte Oberstaatsanwältin Frauke Wilken am Dienstag. Die ersten Verdachtsfälle gehen auf den Herbst 2011 zurück. In Niedersachsen geht es um etwa 150 Fälle. «Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betrugs und Verstoßes gegen das Futtermittelgesetzbuch», sagte Wilken. Bei Öko- oder Biobetrieben kämen auch noch Verstöße gegen das ökologische Landbaugesetz hinzu.

    Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie von Bio-Betrieben vor allem aus Niedersachsen sollen unter Verstößen gegen Vorschriften zur Hühnerhaltung in den Handel gelangt sein. «Es geht ausschließlich um Überbelegung», betonte Wilken. Wenn zum Beispiel zu viele Hühner für Freilandeier auf einer Fläche gehalten werden, dürfen die Eier nicht mehr mit der entsprechenden Kennzeichnung verkauft werden, erklärte sie. «Es geht aber nicht um den Verdacht, dass umdeklariert worden wäre, dass beispielsweise ein Käfig-Ei als Bio-Ei verkauft wird.»

    Die mutmaßlichen Überbelegungen hätten offenbar mit einem differenzierten System der Verdeckung und Verschleierung stattgefunden, sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne): «Es geht um einen Legehennen-Skandal, keinen Bio-Eier-Skandal.» Niedersachsen will erste Konsequenzen auf Bundesebene ziehen. Die rot-grüne Regierung in Hannover kündigte eine Initiative im Bundesrat an, um das Vertrauen der Verbraucher besser zu schützen.

    Nach Pferdefleischfunden in Fertiggerichten wollen große Lebensmittelhändler wie Rewe, Edeka, Lidl, Real und Kaiser's Tengelmann mit strengeren Kontrollen das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. Das ergab eine Unternehmensumfrage der Nachrichtenagentur dpa.

    Rewe, zweitgrößter Lebensmittelhändler in Deutschland, bestätigte, dass bei den in der Diskussion stehenden Produktgruppen eine Kaufzurückhaltung zu erkennen sei. Einem Medienbericht zufolge muss der Handel mit starken Umsatzeinbußen in den betroffenen Warengruppen kämpfen. Verdächtige Produkte seien zwar aus den Regalen geräumt worden, doch reguläre Waren in den betroffenen Sortimenten seien fast unverkäuflich, hatte zuvor die «Lebensmittel Zeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet.

    «Wir werden unsere Kontrollen ausweiten», sagte ein Sprecher der Rewe. Weil aber Kontrollen allein das Problem nicht lösen würden, gehe die Genossenschaftsgruppe einen Schritt weiter und verschärfe die Vorgaben an Lieferanten. Für Produkte der Eigenmarken «Rewe», «Ja» und «Penny», die Rindfleisch enthalten, solle künftig nur noch deutsches Rindfleisch verwendet werden.

    Dass Verbraucher verunsichert sind, spürt durch Anfragen auch die Verbraucherzentrale Hamburg, wie ihr Handelsexperte Armin Valet sagte. «Der Handel muss seine Eigenkontrollen verstärken, er kann nicht nur in den Lieferverträgen Vorgaben machen», betonte Valet. Der Handel habe eine große Sorgfaltspflicht, gerade bei den Eigenmarken.

    In Frankreich wurde unterdessen in weiteren Fertiggerichten Pferdefleisch entdeckt. Das zur spanischen Ebro-Gruppe gehörende Unternehmen Panzani musste deswegen Ravioli vom Markt nehmen. Die Herstellerfirma William Saurin sei von einem Zulieferer betrogen worden, teilte Panzani mit.

    Mehrere Tonnen falsch deklariertes Fleisch wurden in Tschechien entdeckt. Das staatliche Veterinäramt in Prag wurde von Kollegen in Irland auf zwei verdächtige Lieferungen aufmerksam gemacht. «Es sollte sich um gekühltes Rindfleisch handeln, war aber in Wirklichkeit Pferdefleisch», sagte Behördensprecher Josef Duben der Nachrichtenagentur dpa. In Südafrika kamen ebenfalls falsche Etikettierungen ans Licht.

    Mitteilung von Ikea Deutschland

    Mitteilung Rewe

    Homepage Edeka

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