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Remagen

Es war sinnlos wegzulaufen

Der Amerikaner La Verne Keats war Wachsoldat im Lager in Remagen. In einem Brief vom 16. Dezember 1992 schrieb er an den damaligen Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten.

US-Soldat La Verne Keats im April 1945
US-Soldat La Verne Keats im April 1945
Foto: honorafrei

Remagen – Der Amerikaner La Verne Keats war Wachsoldat im Lager in Remagen. In einem Brief vom 16. Dezember 1992 schrieb er an den damaligen Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten:

Anfangs kamen stündlich Lastwagenkonvois mit 50 bis 75 Lkw an, jeweils mit 50 bis 150 Mann darauf. Dies ging Tag und Nacht so weiter. (...) Ich erinnere mich daran, dass ich in einer jener ersten Nächte innerhalb des Lagers auf dem Feldweg Wachdienst hatte. Es war unheimlich. Ich hatte ein ungeladenes Gewehr. Wir hatten keine Munition. (...) Sie können vielleicht mein Unbehagen verstehen, als ich jenen Feldweg zwölf Stunden lang auf und ab gehen musste, allein, etwa 15 000 deutsche Soldaten neben mir, die mich leicht hätten erreichen können. Da gab es keinen Zaun zwischen ihnen und mir. Zu jener Zeit stellten die Pioniere die einzige Sicherheit dar. (...) Sie installierten ein Maschinengewehr an jeder Lagerecke. (...) Die Gefangenen in ihrer Gesamtheit hätten unter nur sehr geringen Verlusten einfach weggehen können. (...)

Die Gefangenen waren ein bunt gemischter Haufen. Wir hatten Männer von Kampfdivisionen (Panzer und Infanterie). Wir hatten Truppen aus der Garnison, Luftwaffenpersonal. Es gab etwa 250 Frauen. Wir hatten etwa 14 000 Jungen von 14 bis 18 Jahren, die bei der Flak und an Flugplätzen gedient hatten. (...)

Die Gefangenen haben Löcher in den Boden gegraben, um sich vor dem Wind zu schützen. Fast jeder hatte sein eigenes Loch, aber es gab wenig Schutz in den ersten Wochen des Lagers, weil es die meiste Zeit regnete.

Es herrschten Krankheit und Tod im Lager. Unter diesen Bedingungen ist es bemerkenswert, dass die Todesrate nicht höher war (...) Unser erstes Krankenhaus wurde in der kleinen Fabrik am Weg nach Kripp eingerichtet. Zwei Feldkrankenhäuser waren dem Lager zugeordnet. Die Gefangenen wurden Seite an Seite auf Stroh gelegt, sodass die Zeltkapazität vervierfacht werden konnte. Ich habe gehört, dass wir mindestens 30 000 Fälle von Lungenentzündung und Durchfall hatten, ganz abgesehen von leichteren Krankheiten.

Viele Gefangene waren nur wenige Meilen von zu Hause entfernt. Ich erinnere mich an einen jungen Rothaarigen von etwa 18 Jahren, der sechs- oder siebenmal vom Südtor zurückgewiesen wurde. Nach der letzten Zurückweisung hörte ich Rufe, blickte zum Tor und sah ihn wie eine Antilope den Weg nach Kripp hinunterrennen. Er entkam den Versuchen von verschiedenen Wachen, die ihn anhalten wollten.

Schließlich musste ihn einer der Wachen erschießen, um ihn aufzuhalten. Es war eine Tragödie, die nur wenige von uns ansehen mochten. Aber die Wachen waren im direkten Blickfeld des Chefs der Militärpolizei und mussten schießen, oder sie wurden bestraft. jl

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