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Frankfurt/Main

Asche-Alarm legt Flugverkehr zeitweilig lahm

dpa

Aschewolken des isländischen Vulkans Grímsvötn haben den Flugverkehr in Deutschland massiv behindert. Flughäfen in Berlin, Hamburg und Bremen mussten am Mittwoch vorübergehend schließen. Anders als bei dem Flugchaos vor einem Jahr wurde das Flugverbot rasch wieder aufgehoben.

Vulkan Grimsvötn
Der isländische Vulkan Grimsvötn spuckt in der Nacht vom 21. Mai 2011 Asche in den Himmel, gleichzeitig entlädt sich ein Blitz.
Foto: DPA

Verkehrsschild
Gut ein Jahr nach dem großen Vulkanasche-Chaos müssen Flugpassagiere erneut Geduld aufbringen. Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn sorgt für zahlreiche Flugausfällen.
Foto: DPA

Insgesamt fielen rund 450 Flüge vor allem im Norden Deutschlands aus, zehntausende Passagiere mussten ihre Reisepläne umwerfen. Am Grímsvötn entschärfte sich die Situation. Der Feuerberg spuckte keine Asche mehr in große Höhen. In den kommenden Tagen werden keine erneuten Probleme für Europa erwartet. Piloten und Opposition kritisierten das Krisenmanagement.

Isländische Vulkanasche sorgt für Flugverbote
Abfluganzeige im Bremer Flughafen – die Flüge sind entweder verspätet oder gestrichen.
Foto: DPA

Vor etwa einem Jahr war der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausgebrochen und hatte Europas Flugverkehr lahmgelegt. Die aktuelle Aschewolke wird voraussichtlich kein neues Chaos anrichten. «Nach derzeitigem Kenntnisstand sind auch an den kommenden Tagen keine Beeinträchtigungen im deutschen Luftraum zu erwarten», teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Nachmittag in Langen bei Frankfurt mit.

Flughafen Hamburg
Menschenleerer Sicherheits-Check am Flughafen in Hamburg: Die Flüge wurden allesamt annuliert.
Foto: DPA

Obwohl der Betrieb auf den Flughäfen im Norden Deutschlands nur für einige Stunde ruhte, waren die Folgen gravierend: Reisende konnten gar nicht fliegen, mussten lange Verspätungen in Kauf nehmen oder auf Bahn und Auto umsteigen. In Hamburg, wo der Flughafen sechs Stunden dicht war, fielen mehr als 230 Flüge aus – 20 000 Passagiere waren betroffen. An den Berliner Flughäfen, die drei Stunden zu waren, hieß es bei rund 180 Flügen: «gestrichen». Wegen der Schließungen im Norden blieben zudem in ganz Deutschland zahlreiche Maschinen am Boden, darunter in Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf, Hannover, München und Nürnberg.

Isländische Vulkanasche sorgt für Flugverbote
Verkehrsflugzeuge verschiedener Fluglinien auf dem Rollfeld des Flughafen in Hamburg: Wie lange es noch zu Beeinträchtigungen kommen wird, ist derzeit nicht abzusehen.
Foto: DPA

Dem Vulkan im Südosten Islands ging mittlerweile die Puste aus. Der Grímsvötn schleudere keine Asche mehr sehr hoch in die Atmosphäre, sagte ein Sprecher des Meteorologischen Institutes in Reykjavik. Der Wind sollte die Wolke zudem in Richtung Polen wehen.

Flugverbot über Norddeutschland ab Mittwochmorgen
Wegen der Aschewolke aus Island gilt ab Mittwochfrüh über weiten Teilen Norddeutschlands ein Flugverbot.
Foto: DPA

Vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hieß es bereits am Vormittag, die Aschekonzentration in der Luft sei nicht mehr kritisch. Die Wolke ziehe langsam nach Nordosten in Richtung Polen und Ostsee ab. In Deutschland darf bei mehr als zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft nicht mehr geflogen werden – es sei denn, Triebwerk- und Flugzeughersteller geben grünes Licht.

Vulkanasche
Vulkanasche hat sich über den Süden Islands gelegt.
Foto: DPA

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte einheitliche europäische Richtlinien zum Umgang mit Vulkanasche im Flugverkehr. Die gibt es bisher noch nicht. Wenn die Triebwerkshersteller die Flugsicherheit nur bis zu einer Asche-Konzentration von 2 Milligramm pro Kubikmeter Luft bescheinigen, dann sehe er sich nicht in der Lage, einen höheren Grenzwert auszugeben, sagte der Minister. Insgesamt zog er eine positive Bilanz: «Es hat gut funktioniert», sagte er am Mittwoch im thüringischen Saalfeld. «Wir sind in Deutschland hinreichend gerüstet für ein solches Ereignis.»

Grimsvötn-Eruption
Ein Satellitenfoto zeigt die rötliche Aschewolke des isländischen Vulkans Grimsvötn. Copyright: EUMETSAT 2011
Foto: DPA

Piloten und Opposition hatten das Krisenmanagement kritisiert. Ein Grenzwert sei nur belastbar, wenn er mit Tests untermauert werde, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. «Das ist derzeit noch nicht der Fall.» Die SPD-Fraktion im Bundestag bemängelte, dass die Arbeitsgruppe Flugzeugtechnik seit Herbst 2010 nicht mehr getagt habe, obwohl kein Ergebnis vorlag.

Vulkanasche
Vulkanasche verdunkelt den südisländischen Ort Kirkjubaejarklaustur.
Foto: DPA

Die Vulkanasche ist nach aktuellen Messungen weniger konzentriert als nach dem Ausbruch vom vergangenen Jahr. Das sagte der Physiker Cornelius Schiller vom Forschungszentrum Jülich.

Boeing 'Eyjafjallajökull'
Eine Boeing 737 der Fluggesellschaft SAS, die ausgerechnet auf den Namen des 2010 ausgebrochenen Vulkans Eyjafjallajökull getauft wurde, steht in Stockholm wegen der neuen Aschewolke am Boden.
Foto: DPA

Abgesehen von Deutschland lief der Flugbetrieb in Europa weitgehend normal. Am Dienstag waren wegen der Aschewolke 500 Flüge vor allem über Großbritannien annulliert worden. Dort entspannte sich die Lage am Mittwoch.

Satellitenfoto zum Vulkanausbruch auf Island
Der Vulkan schleuderte seine Asche teilweise mehr als 20 Kilometer hoch in die Luft. Er liegt unter dem größten Gletscher Islands, dem Vatnajökull.
Foto: DPA

Die Flugausfälle setzten kurzzeitig ein Fragezeichen hinter den Besuch des schwedischen Kronprinzenpaares in Berlin. Am Nachmittag war jedoch klar, dass Victoria und Prinz Daniel wie geplant von München nach Berlin fliegen konnten.

Der Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull hatte im Frühjahr 2010 wochenlang zum Ausfall tausender Flüge geführt. Damals fehlten Grenzwerte für die Aschekonzentration in der Luft. Inzwischen gelten drei Zonen – das Fliegen in Regionen mit geringer Konzentration ist erlaubt. In Deutschland legte Ramsauer die kritische Marke von zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft fest.

Doch es wurde Kritik laut. Ein Grenzwert sei nur belastbar, wenn er mit Tests untermauert werde, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. «Das ist derzeit noch nicht der Fall.» Zudem müssten die Werte europaweit gültig sein.

Die SPD-Fraktion im Bundestag bemängelte, dass die Arbeitsgruppe Flugzeugtechnik seit Herbst 2010 nicht mehr getagt habe, obwohl kein Ergebnis vorlag. Ramsauer sieht dagegen Versäumnisse bei den Triebwerksherstellern. Nach Angaben der Internationalen Luftfahrtvereinigung brachte «das Missmanagement von 2010» dem internationalen Luftverkehr einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro).

Der Grímsvötn war am Samstag ausgebrochen. Die Aschewolke erreichte zeitweise eine Höhe von 20 Kilometern. Unabhängig davon wurde am Mittwoch ein deutscher Wanderer in Island vermisst: Am Riesengletscher Vatnajökull suchten Retter nach dem Mann. In dem Gletscher liegt auch der Grímsvötn.

Flugplan Frankfurt

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