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    Armutsrisiko in Deutschland steigt immer weiter

    Berlin/Wiesbaden (dpa) - Das Armutsrisiko in Deutschland steigt immer weiter. Rund 12,8 Millionen Menschen - das sind 15,8 Prozent der Einwohner - waren nach jüngsten Zahlen armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder.

    Armut
    Eine Person galt 2010 als armutsgefährdet, wenn sie nach Beanspruchung staatlicher Leistungen weniger als 11 426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zum Leben hatte.
    Foto: Malte Christians - DPA

    In dieser Gruppe war mehr als jeder Dritte armutsgefährdet (37,1 Prozent), teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Die Nationale Armutskonferenz beklagte eine Armutsspirale. «Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die Politik schaut weitgehend tatenlos zu», kritisierte ihr Sprecher Thomas Beyer.

    Als armutsgefährdet galt nach Angaben der Statistiker, die Zahlen aus dem Jahr 2010 präsentierten, wer nach Beanspruchung staatlicher Leistungen weniger als 11 426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zum Leben hatte. Die Daten werden seit 2005 erhoben. Damals lag die Quote der Armutsgefährdeten noch bei 12,2 Prozent. Seitdem stieg sie kontinuierlich. 2009 erreichte sie 15,6 Prozent.

    Frauen (16,8 Prozent) sind dabei häufiger von Armut betroffen als Männer (14,9 Prozent). Die Armutsquote von Minderjährigen lag 2010 mit 15,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Bei den älteren Menschen ab 65 Jahren lag der Wert mit 14,2 Prozent noch niedriger.

    Arbeitslose in Deutschland sind nach aktuellen Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zu zwei Dritteln - 67,8 Prozent (2011) - von Armut bedroht. Sie stehen damit schlechter da als Erwerbslose im Rest der Europäischen Union.

    «Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, wie es möglich ist, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten immer mehr Bürger arm werden», kritisierte der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler.

    Ein «Schattenbericht» der Nationalen Armutskonferenz verweist darauf, dass in Deutschland inzwischen fast jeder Vierte im Niedriglohnsektor arbeitet und 7,6 Millionen Menschen (9,3 Prozent der Bevölkerung) staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums beziehen. Die Armutskonferenz - ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften - verlangt deshalb unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramm gegen Wohnungsnot.

    Der am Mittwoch in Berlin erstmals herausgegebene «Schattenbericht» soll ein Gegenentwurf zum alle vier Jahre erscheinenden Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sein, der voraussichtlich Mitte November ins Kabinett kommen soll. Auch dieser war zum Ergebnis gekommen, dass sich der Graben zwischen Arm und Reich vertieft.

    «Dass in der reichen Bundesrepublik Deutschland so viele Menschen von Armut bedroht sind, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Armuts-Zeugnis für unser Land und unsere Regierung», erklärte die stellvertretende SPD-Vorsitzende und Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig. Solange die Bundesregierung nicht massiv gegen Erwerbsarmut vorgehe, leiste sie der Altersarmut Vorschub.

    Der Linke-Politiker Klaus Ernst machte vor allem seit Jahren sinkende Reallöhne für die Verschärfung der Armut verantwortlich. «Es ist höchste Zeit für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro. Andernfalls drohen große Teile der Bevölkerung schon bald in die Armutsfalle zu geraten», sagte der frühere Parteichef.

    Mitteilung Statistisches Bundesamt

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