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    Wiesbaden

    Armut im Osten höher als im Westen

    Im Osten Deutschlands gibt es gut zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch immer mehr Arme als im Westen.

    Euromünze
    Wie den letzten Groschen hält eine ältere Frau eine Euromünze in der Hand.
    Foto: Karl-Josef Hildenbrand - DPA

    Der Unterschied ist aber kleiner geworden, und im Westen ist das Armutsrisiko in den vergangenen acht Jahren sogar leicht gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, galt 2012 im Osten fast jeder Fünfte (19,7 Prozent) als relativ arm, in der alten Bundesrepublik war es etwa jeder Siebte (14,0 Prozent). Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2005 waren das im Osten 0,7 Prozentpunkte weniger und im Westen 0,8 Punkte mehr.

    Armut in Deutschland beginnt bei einem Monatseinkommen von 869 Euro netto für einen Single und bei 1826 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Die Statistiker sprechen von relativer Armut, Armutsgefährdung und Armutsrisiko, weil sich die Grenze am mittleren Einkommen orientiert. Absolute Armut messen sie nicht.

    Sozialverbände und Opposition forderten die Bundesregierung auf, Konsequenzen aus der Entwicklung zu ziehen. Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler verlangte eine ausgewogenere Steuer- und Sozialpolitik. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig betonte: «Zu viele Menschen sind arm trotz Arbeit. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn und die Regulierung von Leih- und Zeitarbeit.» Die SPD wolle befristete Arbeitsverhältnisse und den Missbrauch von Werkverträgen zurückdrängen.

    Am höchsten ist relative Armut seit 2010 in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, am niedrigsten ist sie seit 2005 durchgängig in Baden-Württemberg und Bayern. Den größten Anstieg machten die Statistiker im Vergleichszeitraum in Nordrhein-Westfalen und Berlin aus, das zu den neuen Ländern gezählt wird. Den stärksten Rückgang verzeichneten Thüringen und Sachsen-Anhalt. Das Abschneiden Bremens geht nach Ansicht von Sozialsenatorin Anja Stahmann (SPD) auf die Rolle Bremens als «Zwei-Städte-Staat zurück. «Armut ist ein Großstadtphänomen.»

    In Dortmund, Leipzig und Duisburg war mehr als jeder Vierte von Armut bedroht. Nur in Hamburg, Nürnberg und Dresden sank der Anteil armer Menschen von 2005 bis 2012, in den meisten anderen Großstädten ist er gestiegen, am stärksten in NRW mit Duisburg, Dortmund, Düsseldorf und Köln. Von den 15 größten Städten schneiden München und Stuttgart am besten ab, nur gut jeder Zehnte war 2012 in den beiden süddeutschen Landeshauptstädten von Armut bedroht.

    Grundlage der Berechnungen ist die Definition der Europäischen Union, nach der Menschen als relativ arm gelten, die in dem Jahr der Erhebung weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben. Die Zahlen stammen aus dem Mikrozensus, der jährlichen Haushaltsbefragung.

    Pressemitteilung

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