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90 Tote bei verheerendem Anschlag in Kabul

Dutzende Tote, mehr als 400 Verletzte, eine massiv beschädigte deutsche Botschaft – und eine Stadt in Angst: So schwer wurde Kabul selten von einem Anschlag getroffen. Der deutsche Innenminister findet aber weiter, Kabul sei sicher – und plant mehr Abschiebungen.

Autobombenanschlag in Kabul
Eine riesige Rauchwolke steht nach der Explosion nahe der deutschen Botschaft über Kabul.
Foto: Rafiullah Kaleem/Lehtikuva – dpa

Kabul/Berlin (dpa) – Bei einem verheerenden Bombenanschlag in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 90 Menschen getötet worden. Rund 460 Menschen wurden verletzt, teilte das Informationszentrum der Regierung in Kabul mit.

Krater
Die Autobombe hat einen Krater in die Erde gerissen.
Foto: Rahmat Gul – dpa

Zuvor war von 80 Toten und rund 350 Verletzten die Rede. Nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin wurde eine deutsche Diplomatin leicht und eine afghanische Mitarbeiterin der Botschaft schwer verletzt. Ein afghanischer Wächter wurde getötet.

Zerstörte Botschaft
Sicherheitskräfte untersuchen in Kabul nach einen Autobombenanschlag den Anschlagsort nahe der deutschen Botschaft.
Foto: Rahmat Gul – dpa

Das Hauptgebäude der Botschaft im Diplomaten- und Regierungsviertel wurde massiv beschädigt. Wie Fotos zeigen, sprengte die Explosion am Morgen unter anderem Dutzende Fensterscheiben heraus.

Anschlagsort
Sicherheitskräfte untersuchen in Kabul nach einen Autobombenanschlag den Anschlagsort.
Foto: Massoud Hossaini – dpa

Ob die deutsche Botschaft das Ziel des Anschlags war, blieb bis zum Nachmittag unklar. „Im Moment haben wir dazu noch kein vollständiges Lagebild“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. In dem Viertel liegen noch viele andere Botschaften, der Präsidentenpalast, das Nato-Hauptquartier und viele afghanische Ministerien.

In Kabul
Angestellte einer Mobile Firma verlassen in Kabul nach einen Autobombenanschlag den Anschlagsort.
Foto: Rahmat Gul – dpa

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag. Die radikalislamischen Taliban ließen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Zerstörte Autos
Völlig zerstörte Autos stehen in Kabul nach einer Explosion nahe der deutschen Botschaft auf der Straße.
Foto: Rafiullah Kaleem – dpa

Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet oder verletzt.

Sicherheitskräfte
Bei einem Autobombenanschlag nahe der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind zahlreiche Menschen getötet oder verletzt worden.
Foto: Massoud Hossaini – dpa

Die Bombe detonierte gegen 8.30 Uhr (Ortszeit) an einer vielbefahrenen, engen Straße, die an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt wird. Tausende Menschen waren zur der Zeit auf dem Weg zur Arbeit.

Autobombenanschlag in Kabul
Männer versorgen in Kabul nach einen Autobombenanschlag einen verletzten Mann.
Foto: Rahmat Gul – dpa

Der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, die Attentäter hätten vermutlich den Sprengstoff in einem Tanklastwagen versteckt. Die Wucht habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört.

Deutsche Botschaft in Kabul
Die Deutsche Botschaft in Kabul in Afghanistan.
Foto: Nicolas Armer – dpa

Bilder zeigten geschwärzte Autowracks, verbrannte Bäume, mit Geröll übersäten Asphalt und die deutsche Botschaft, deren Fassade mit den herausgesprengten Fensterrahmen so nackt wirkte wir das eines Rohbaus.Auf der noch unvollständigen Liste der Toten stehen bereits Regierungsmitarbeiter, ein religiöser Führer, Fahrer und Journalisten. Vor den Kliniken bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die Angehörige suchten.

Autobombenanschlag in Kabul
Das zerstörte Gebäude der deutschen Botschaft in Kabul.
Foto: Rahmat Gul – dpa

Mit den Sicherheitsvorkehrungen der deutschen Botschaft vertraute Quellen sagen, es sei geplant gewesen, Büros in andere Gebäude weiter im Inneren des Geländes zu verlegen. Man habe sich in diesem Haus an einer belebten Straßenecke exponiert gefühlt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich entsetzt. „In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen. Er zielt auf uns alle – ob in Manchester oder Berlin, Paris, Istanbul, Sankt Petersburg oder heute Kabul“, sagte sie.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Bombenanschlag als abscheulich. „Bei unseren Bemühungen gegen den Terror werden wir auch in Zukunft zusammenstehen“, schrieb Steinmeier in einem Telegramm an den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani.

Wegen des Anschlags verschob die Bundesregierung einen Abschiebe-Flug nach Afghanistan. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will aber weiter abgelehnte Asylbewerber zurückschicken. Er sagte, angesichts des Anschlags hätten die Mitarbeiter der Botschaft in Kabul derzeit Wichtigeres zu tun als sich mit Abschiebungen zu beschäftigen. „Deshalb habe ich entschieden, diesen Flug abzusagen. Er wird aber bald möglichst nachgeholt.“

An der generellen Linie der Regierung in dieser Frage ändere sich nichts. Die Abschiebungen sind wegen der Sicherheitslage umstritten. Menschenrechtsorganisationen, Verbände und Oppositionspolitiker fordern einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan. Bisher hat Deutschland in fünf Sammelflügen 106 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag ans unmenschlich und berief eine Sondersitzung ein. Der Spezialgesandte der Vereinen Nationen, Tadamichi Yamamoto, sagte, die absichtliche Zündung einer massiven Lastwagenbombe in einer Gegend voller Zivilisten sei vor allem im heiligen Fastenmonat Ramadan grauenvoll. Papst Franziskus verurteilte die „abscheuliche Attacke“ und drückte den Betroffenen sein „tief empfundenes Mitgefühl“ aus.

Stadt in Angst: Die Bombe von Kabul und ihre Konsequenzen

Kabul ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Afghanistans und gilt als eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Seit der militärischen Intervention der Sowjetunion (1979 bis 1989) hat sich die Bevölkerung Kabuls vor allem durch den Zustrom von Binnenflüchtlingen vervielfacht. Nach Angaben des Statistikamtes liegt die Zahl der Einwohner heute bei knapp vier Millionen, der größte Teil von ihnen lebt in Notunterkünften.

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