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    Ercis/Istanbul

    459 Tote bei Erdbeben in der Türkei – Baby gerettet

    Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Türkei steigt die Zahl der Opfer immer weiter. Rettungskräfte zogen bis zum Dienstagabend 459 Leichen aus den Trümmern zerstörter Häuser.

    Trauer in Ercis
    Zwei Frauen trauern in Ercis um getötete Verwandte.
    Foto: Tolga Bozoglu - DPA

    Wie durch ein Wunder fanden Helfer 47 Stunden nach dem Erdbeben ein Neugeborenes lebend in den Trümmern, wie Ärzte sagten. Das Mädchen lag unter einem eingestürzten Haus in der am stärksten zerstörten Stadt Ercis. «Es ist gesund und es wird leben», sagte der Arzt Sinan Asar der Nachrichtenagentur dpa. Die kleine Azra sei unterkühlt und dehydriert gewesen. Sie wurde darum in einem Brutkasten behandelt. Wenig später wurden auch die Mutter und die Großmutter gerettet.

    Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei wurde das Ausmaß der Zerstörung am Dienstag immer deutlicher. Die Behörden korrigierten die Zahl der zerstörten Häuser von 970 auf 2262, berichtete der Fernsehsender CNN-Türk unter Berufung auf den Krisenstab der Regierung.

    Der türkische Rote Halbmond brachte am Dienstagabend mit Geleitschutz der Armee Zelte für Erdbebenopfer in die osttürkische Stadt Ercis. Der Konvoi sei von Tausenden Menschen erwartet worden, die sich in einer etwa einen Kilometer langen Schlange vor einer Wache der Gendarmerie aufgestellt hätten, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa.

    «Ich warte seit mehr als 13 Stunden auf ein Zelt. Meine Familie besteht aus zehn Personen», sagte der 19-jährige Cemal Alam, ein Einwohner der bei dem Erdbeben schwer zerstörten Stadt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hatten in den beiden Nächten zuvor viele Menschen im Freien übernachten müssen. Am Abend erschütterte ein heftiges Nachbeben der Stärke 5,4 die Region in der Provinz Van.

    Wegen des Nachbebens revoltierten Häftlinge in Gefängnis der Stadt gegen ihre Wärter. Die Gefangenen hätten ein Feuer gelegt und die Wachmannschaften mit Messern und Scheren angegriffen, berichteten türkische Medien. Die Häftlinge protestierten demnach dagegen, dass sie ihre Zellen trotz des Nachbebens nicht verlassen durften. Mehrere Schließer seien verletzt worden. Die Behörden brachten zusätzliche Sicherheitskräfte in das Gefängnis, aus dem bei dem schweren Beben am Sonntag etwa 200 Gefangene durch ein Loch in einer Mauer entkommen waren.

    Rettungshelfer setzten am Dienstag die Suche nach möglichen Überlebenden und Toten in den Trümmern fort. Kurz zuvor war ein junger Mann aus den Trümmern geholt worden. «Es war wie das Jüngste Gericht», beschrieb der 18-jährige Mesut Ozan Yilmaz das Beben. Er lag 32 Stunden eingeklemmt unter einem eingestürzten Teehaus. Er habe sich den für das Überleben nötigen Platz schaffen können, sagte er vor laufender Kamera. Ein Junge wurde noch lebend gefunden, starb dann aber auf dem Weg in ein Krankenhaus.

    Die Provinz Van liegt im Südosten des Landes und grenzt an den Iran. Sie wird mehrheitlich von Kurden bewohnt. Die Türkei wird immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht. Das Beben vom Sonntag hatte eine Stärke von 7,2.

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