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    Frankfurt/Mainz

    17 Schwarz-Weiß-Bilder: Wie Pegida in Frankfurt scheitert und Fotograf trotzdem entsetzt ist

    Die Frankfurter Rundschau nannte es in ihrem Ticker den "Abend, an dem Pegida scheiterte". Ein Mainzer Fotograf war dabei, weil er für sich entschieden hat, "ich muss irgendwie mit Bildern gegen Hass und Hetze ankämpfen". Eindrucksvolle Bilder in Schwarz-Weiß, die aus verschiedenen Blickwinkeln viele Schattierungen zeigen und eine düstere Beschreibung liefern.

    Eine Fotoreportage von Stephan Dinges

    48 Demos für alle Montage des Jahres hat der Frankfurter Ableger von Pegida angemeldet. Der Mainzer Fotograf Stephan Franz Ferdinand Dinges war bei der ersten Auflage dabei, weil er unter dem Eindruck vergifteter Diskussionen "irgendwie mit Bildern gegen Hass und Hetze ankämpfen wollte". Was er erlebte, hat ihn erschreckt. Die Pegida-Demonstranten waren hoffnungslos in der Unterzahl, die Frankfurter Rundschau schrieb vom "Abend, an dem Pegida scheiterte". Dinges erlebte es als Scheitern in einem Klima, das ihm Angst machte, Hass auf beiden Seiten, Gegendemonstranten, deren Verhalten er auch mit seinen Werten nicht in Einklang bringen kann.

    Dinges hatte zuvor bei Pegida-Gegendemonstrationen in Mainz und in Wiesbaden fotografiert. Fast heitere Veranstaltungen. In Frankfurt war dann vieles anders als zuvor. "Keine lächelnden Demonstranten und keine entspannt blickenden Polizisten, die sich sogar Zeit für ein Gespräch nehmen können", schreibt er in seinem Blog. Er sollte erfahren, warum das so war.

    Die Friedens-Fahne halten hier Demonstranten hoch. Tausende sind gekommen, um friedlich Flagge zu zeigen. Dinges hat in Foren gegengehalten, wenn er menschenverachtende Kommentare gelesen hat. Ihm war das nicht genug.

    Doch in Frankfurt waren auch die, die hasserfüllt direkte Konfrontation mit Pegida-Demonstranten suchten oder denen, die sie dafür hielten: "In Frankfurt war ich mir teilweise nicht mehr sicher, gegen wen ich Demokratie und Freiheit verteidige.", kommentiert Dinges. Es war für ihn die erste derartige Demonstration.

    Eine Frau mit einem "Keine Gewalt..."-Schild wird plötzlich von Pegida-Gegner angegangen, weil sie Pegida-Anhängerin sein könnte. "Plötzlich konnte jeder ein Nazi sein. Die Stimmung auf dem Platz schien immer mehr zu kippen. Mir lief es kalt den Rücken runter."

    Die Polizisten sind selbst Zielscheibe - nicht nur von Farbe. 

    "Manches Verhalten von Gegendemonstranten konnte ich mit meinen Werten nicht in Einklang bringen. Ich möchte, dass dies alles aufhört. Es ergibt alles keinen Sinn. " 

    "Wohin bin ich hier geraten?" Ein älterer Mensch zwischen Polizisten, die nervös sind, die es eilig haben, um aufkommende Krawalle zu beenden. 

    Ein kleines Grüppchen meint, deutsche Fahnen schwenkend, es sei das Volk. Das ist Fragida, mit dem Rücken zur Kirche, inmitten von Gegendemonstranten, die sie komplett eingekesselt hatten. Dinges hatte sie förmlich suchen müssen. 

    "Gewaltbereite Linke Szene und die vielen Gegendemonstranten sorgten dafür, dass sie wie Opfer aussahen, die sich vor die Mauern einer Kirche gerettet haben, als letzte Zuflucht." In der Rolle gefallen sich die "patriotischen Europäer", so der Eindruck von Dinges - und lassen kaum eine Provokation aus. Auch ein hoher NPD-Funktionär ist unter den Fragida-Anhängern.

    Die nächste Aufnahme macht Dinges im zweiten Stock eines Kaufhauses. Als er dort ist, fliegen Gegenstände oder Eier aus dem linken Block in Richtung Pegida. "Es hatte etwas von Mittelalter." Und die Menschen beim Einkauf sind fassungslose Zuschauer. Auch dieses Bild ist ihm wichtig. 

    Dinges hört einen dem Anschein nach arabischstämmigen Mann die Aufforderung murmeln, doch aufzuhören. "Er schien sich fast um die Pegida-Anhänger zu sorgen. Und auch ich dachte, so kann Demokratie nicht funktionieren."

    Neben Eiern fliegen auch Flaschen und Böller, Rauchbomben. "Auch wenn Pegida hier in der Unterzahl war, war es für mich ein schwarzer Tag für die Demokratie. Wir müssen jetzt alle aufpassen, dass wir klaren Kopf bewahren."

    Frankfurt hat einen Migrantenanteil von über 30 Prozent. Internationalität ist Teil des Selbstverständnisses der Stadt.

     

    Was auch immer gerade los sei: "Demokratie und die Freiheit sind die einzigen Dinge, an denen ich mich zur Zeit orientiere. Dies versuche ich mit meinen Bildern zu bewahren. Und ich hoffe, ich bin auf dem richtigen Weg."  

    Stephan Franz Ferdinand Dinges ist freiberuflicher Fotokünstler aus Mainz. (law)

     

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