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Koblenz

Wiener Sängerknaben in Koblenz: Süßer die Stimmen nie klingen

Die berühmteste Ente der Welt, Disneys Donald Duck, soll ihnen ihren Matrosenanzug verdanken – und umgekehrt die Wiener Sängerknaben einer Disney-Anregung das österreichische Wappen auf ihren Anzügen.

Jimmy Chiang dirigiert die Wiener Sängerknaben als Kapppellmeister und spornt sie seit 2013 zu Höchstleistungen an.  Foto: Jimmy Chiang
Jimmy Chiang dirigiert die Wiener Sängerknaben als Kapppellmeister und spornt sie seit 2013 zu Höchstleistungen an.
Foto: Jimmy Chiang

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

Sei dem, wie ihm wolle: Auch am Sonntagnachmittag, beim Konzert in der Rhein-Mosel-Halle, tragen die 25 Knaben den Matrosenanzug, einst Inbegriff fein herausgeputzter bürgerlicher Kindheit und seit 1924 offizielle "Dienstuniform" des Chors, blaue Hose, weißes Hemd, blau umrandeter Kragen.

Straffes Programm

Und der Dienst als Sängerknabe ist nicht leicht. In Koblenz hat der Chor – eines von vieren den Namen von Haydn, Mozart, Schubert und Bruckner tragenden Ensembles, die aus den derzeit 100 aktiven Sängerknaben rekrutiert werden – bereits seinen 13. Auftritt bei seiner Ende November gestarteten Vorweihnachtstournee quer durch ganz Deutschland.

Ohne Disziplin geht das nicht; tatsächlich funktioniert das von Jimmy Chiang, seit 2013 Kapellmeister der Sängerknaben, mit sparsamen Gesten dirigierte Geschehen auf der Bühne perfekt. Jeder kennt seinen Platz, seinen Einsatz; Notenblätter oder -bücher braucht hier schon gar niemand.

Ruhm und Tradition verpflichten. Schließlich können die Wiener Sängerknaben ihre Wurzeln bis ins 15. Jahrhundert hinein, bis in die Zeiten der "Hofcapell-Singknaben" Kaiser Maximilians verfolgen; einer von ihnen war einst auch Franz Schubert.

Bei so viel Geschichtsträchtigkeit ist es mehr als konsequent, dass das Konzert mit Musik aus Renaissance und Barock beginnt. Den Einzug begleitet das gregorianisch inspirierte "Salve Regina" des Belgiers Henri Dumont, dann folgen etliche mehrstimmige Motetten, wie das "Pueri concinite", "Knaben, fangt zu singen an" des um 1550 im heutigen Slowenien geborenen Jacobus Gallus, ein dreistimmiges "Ave Maria" aus Claudio Monteverdis "Sacrae cantiunculae tribus vocibus" von 1582. Selbst kunst- und anspruchsvollste polyfone Geflechte werden hier in schönster Reinheit scheinbar mühelos und fein gezeichnet, Ergebnis konsequenter Probenarbeit, die zum täglichen, stramm durchorganisierten Stundenplan der zwischen 6 und 14 Jahre alten Sängerknaben gehört.

Hohe Qualität

Qualität, die auf der einzelnen, sorgfältig ausgebildeten Stimme gründet, wie eingestreute Soli demonstrieren, ob in Franz Schuberts ohne allen Zuckerguss kredenztem "Ave Maria", in einem Mozart'schen Offertorium oder in der "Barcarole" aus Jacques Offenbachs "Les Contes d'Hoffmann". In der zweiten Konzerthälfte wird es dann ganz weihnachtlich, mit Traditionellem wie Bachs "Ich steh' an deiner Krippen hier", Silchers "Alle Jahre wieder" oder Reidingers "Es wird scho glei dumpa", teils in speziell für die Sängerknaben von ihrem künstlerischen Leiter Gerald Wirth maßgeschneiderten Arrangements.

Kein Wunder, wenn da bei so viel Glockenhelligkeit – die kann beim französischen "Il est né le divin enfant" gar wörtlich genommen werden! -, gepaart mit ungebrochener Freude am Singen, nicht nur bei Johnny Marks rotnasigem Rentier Rudolph den Zuhörern das Herz aufgeht und minutenlang Zugaben erjubelt werden, Jose Felicianos "Feliz navidad" inklusive.

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