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    Tausende Heavy-Metal-Fans auf dem Weg nach Wacken

    Eines der Ortsschilder in Wacken ist aus Angst vor Souvenirjägern abmontiert, auf den Kuhwiesen sind bereits Tausende Zelte aufgebaut.

    Wacken
    Festival unter dem Bullenschädel - Wacken ruft.
    Foto: Carsten Rehder - DPA

    Offiziell startet das Heavy-Metal-Spektakel im schleswig-holsteinischen 1800-Seelen-Dorf Wacken zwar erst am Donnerstag. Doch schon zwei Tage vor dem Wacken Open Air (W:O:A), zu dem 75 000 Metalfans aus aller Welt erwartet werden, dominiert am Dienstag auf der kleinen Hauptstraße des Ortes die Farbe Schwarz.

    Vor der Bäckerei sitzt ein 50 Jahre alter Mann aus dem Sauerland, den seine Freunde «Mauerspringer» nennen. «Endlich zu Hause», sagt der 50-Jährige. Mit einer Ausnahme war er seit 1998 immer bei dem laut Veranstalterangaben größten Heavy-Metal-Festival der Welt dabei. «Seitdem muss ich immer wieder hin, das ist hier wie Karneval, man kann nicht mehr davon lassen.»

    Ähnlich geht es der Wackenerin Marianne Breiholz: «Ich freue mich schon das ganze Jahr darauf», sagt die 71-Jährige. Das Open Air sei für den kleinen Ort wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten zusammen. «Sonst ist Wacken ja immer nur im Dornröschenschlaf, aber in der Festivalzeit ist dann mal richtig Action.»

    Breiholz und viele andere Wackener haben sich mit den wilden Tagen Anfang August arrangiert. Viele von ihnen profitieren von dem Spektakel. Bei Breiholz übernachten allein sechs Metalfans. Einige von ihnen kennt sie bereits seit Jahren. Vor ihrem Haus an der Hauptstraße ist kaum noch Platz. Dort stehen ein Bierstand, ein Grill- und ein Toilettenwagen. «Ich bin eigentlich ausgebucht», sagt die Witwe. Verdienen wolle sie an dem Festival aber nicht. «Die zahlen mir nur Strom und Wasser.»

    Negative Erlebnisse während des Festivals hat Breiholz bislang nicht gemacht. Nur mit der Musik von Accept, Motörhead, Megadeath und Co., die dieses Jahr unter anderem in Wacken spielen, kann die Dorfbewohnerin «nicht allzuviel anfangen». Das Festival-Gelände selbst hat sie deshalb auch nur einmal kurz besucht: «Mir ist das einfach zu laut.» Rund 120 Bands spielen bis Samstagnacht auf sieben Bühnen gemäß dem Festival-Motto «Louder Then Hell».

    Zu den kleinen Nutznießern des Festivals gehört auch der 13-jährige Basti. An sein Tretauto hat er einen Hänger montiert, damit verkehrt er regelmäßig zwischen einem Supermarkt im Ortskern und dem 220 Hektar großen Festivalgelände. «Damit transportiere ich bis zu zwölf Paletten», sagt er stolz. Zehn Euro sei der durchschnittliche Tourenpreis. Andere Wackener haben es sich in Vorgärten gemütlich gemacht und verfolgen das rege Treiben vom Gartenstuhl aus.

    Gegenüber vom Tretauto-Stand an der Hauptstraße hat extra für das Festival auch der örtliche Supermarkt wieder offen. In den anderen 51 Wochen des Jahres wird nur noch in einem größeren Markt am Ortsrand verkauft. An den Kassen wird eine Palette Bier nach der nächsten gescannt. Auf die Frage, wie viel Bier am Tag umgesetzt werde, sagt Juniorchefin Inken Boll lediglich: «Viel.» Bei den Lebensmitteln seien vor allem Konserven wie Ravioli gefragt. Probleme bereite der tägliche Ansturm nicht. «Das ist alles ganz friedlich.»

    Kurz vor dem Start läuft die Maschinerie in Wacken bereits auf vollen Touren. 1990 hatte bei der Premiere hingegen alles noch eher stockend begonnen. Das aus einer Bierlaune von den beiden Wackenern Holger Hübner und Thomas Jensen gegründete Open Air hatten damals gerade einmal 800 Leute besucht. In den ersten Jahren machte das Duo mit dem Festival immer wieder Verluste. Für dieses Jahr waren alle Tickets bereits kurz nach Ende des Open Air 2013 weg.

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