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    Koblenz

    Mit präzisen Impulsen durchs Auftaktkonzert

    Mit neun Dirigenten in zehn Anrechtskonzerten präsentiert sich die neue Anrechtssaison des Musik-Instituts-Koblenz besonders abwechslungsreich. Den erfolgreichen Auftakt lieferte der Brite Paul Goodwin am Pult der Rheinischen Philharmonie.

    Eröffnete die Gasentensaison erfolgreich: Paul Goodwin. Foto: Ealovega
    Eröffnete die Gasentensaison erfolgreich: Paul Goodwin.
    Foto: Ealovega

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Nach nur ein paar Takten beim Saisonauftakt des Koblenzer Musik-Instituts ist man hellwach. Da passiert Erstaunliches mit dem altbekannten Stück "Les Préludes" von Franz Liszt. Für manch betagten Hörer, der sich erinnert, und manch jüngeren, der Bescheid weiß, verbindet sich damit bis heute auch ein bitterer Beigeschmack. Denn die Nazis hatten das Triumphthema des Werkes von 1854 als Fanfare für ihre Siegesmeldungen missbraucht. An diesem Abend gibt die Rheinische Philharmonie dem Stück in der Rhein-Mosel-Halle einen ungewöhnlichen Schwerpunkt.

    Das Bombastische, Wuchtige tritt zurück; Leichtigkeit, Intimität, Poesie werden dominante Aspekte. Selbst das erste Aufschäumen des Triumphthemas bleibt mit Verhaltenheit zwischen Hoffen und Euphorie ein fast lyrischer Ausdruck von Herzensfreude. Es kommt einem vor, als wolle das Staatsorchester Liszts Werk vom Übel befreien, das ihm andere angetan. Danach kann im Finale das pompöse Thema in wiedergewonnener Unschuld seinen furiosen Glanz entfalten.

    Veranlasst wird dieses Herangehen von einem schlanken Mann, der freundlich lächelnd vors Publikum tritt, sich dann mit der aufrechten Haltung eines Gardeoffiziers dem Orchester zuwendet - um es mit strengem, sehr präzisem Impulsschlag durch das Konzert zu dirigieren. Der Brite Paul Goodwin ist der erste von etlichen Gastdirigenten, mit denen die Rheinische 2016/17 zu tun haben wird. Denn ihr neuer Chefdirigent, Garry Walker, wird erst in der nächsten Saison nach Koblenz kommen.

    Goodwins Akkuratesse mag auf den ersten Blick kühl wirken. Doch offenkundig haben wenige Probentage gereicht, das Orchester mit dem musikalisch-emotionalen Subtext vertraut zu machen, der im Dirigat des Briten in Form verhaltener, unverkünstelter Nuancen stets mitschwingt. Das ist Understatement mit großer Wirkung - wie auch im Schlussstück des Konzerts deutlich wird. Die "Enigma-Variationen" seines Landsmannes Edward Elgar liegen Goodwin sichtlich am Herzen.

    Dabei folgt er der Interpretationslinie, die schon bei "Les Preludes" überzeugte. "Enigma" op. 38, das sind 13 musikalische Charakter- und Situationsstudien, die mal von Elgars Zärtlichkeit für seine Frau zeugen, mal schnippisch Bekannte beschreiben, mal einen Hund im Wasser herumpatschen lassen, dann wieder mit einer Nachzeichnung Beethoven'schen Adagios tief berühren. Es ist sehr erfreulich, mit welcher Differenziertheit, Farbigkeit, Innigkeit, ja sogar britischen Humorigkeit die Rheinische da musiziert.

    Ähnliches gilt auf andere Art für Mozarts Hornkonzerte 3 und 4. Der verkleinerte Klangkörper hilft mit beschwingt und filigran gearbeiteter Mozarttönung, den Auftritt des Solisten Felix Klieser als primär musikalisches Ereignis wahrzunehmen. Natürlich ist man fasziniert vom armlosen Hornisten, der sein Instrument mit nacktem Fuß spielt. Aber der junge Mann selbst will von Beruf nicht Behinderter, sondern Hornist sein, als solcher mit Musik überzeugen und danach beurteilt werden.

    Er hat in Koblenz nicht seinen stärksten Abend, war anderweitig schon sauberer und intensiver zu hören. Doch scheint in der ruhigen Romance von Nr. 3, besonders aber im schnellen Schlusssatz von Nr. 4 jenes Können auf, das ihn als Musiker bekannt gemacht hat - und reichlich Applaus einbringt.

    Beim nächsten Konzert am 28. Oktober dirigiert Perry So "Die Moldau" von B. Smetana, Brahms' erstes Klavierquartett op. 25 in der Schönberg-Orchesterfassung sowie ein Marimbaphon-Konzert von Marcin Blazewicz. Informationen online unter www.musik-institut-koblenz.de

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