40.000
Aus unserem Archiv
Hamburg

Lena gegen den Rest der Welt

Lena gegen den Rest der Welt – oder zumindest gegen Internet- Stars, Schunkelsänger und Grand-Prix-Veteranen. Der 55. Eurovision Song Contest (ESC) Ende Mai in Oslo wird so bunt und schräg, wie ihn die Grand-Prix-Fans lieben.

Lena
Lena Meyer-Landrut fährt nach Oslo

Ob zarte Balladen oder rockige Gitarren – für fast jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Es gibt aber auch genügend Lieder, die ein Gefühl des Fremdschämens auslösen.

Mit Lena Meyer-Landrut (18) hat sich am Wochenende ein gutes halbes Dutzend weiterer Grand-Prix-Kandidaten qualifiziert. Das 39er-Teilnehmerfeld ist damit gut zwei Monate vor dem Wettbewerb (Halbfinals 25./27.5.; Finale 29.5.) so gut wie komplett.

Die Türken schicken nach dem erfolgreichen Ethno-Pop im Vorjahr nun die Gruppe Manga ins Rennen – ihr Rock-Pop-Song «We Could Be The Same» kommt aber eher konventionell daher. Orientalischer muten da schon die Griechen an: Giorgos Alkaios & Friends bewegen sich mit «OPA» irgendwo zwischen Sirtaki, Kreta-Strandparty und Balkan-Disco – das geht zumindest ins Bein.

Die Iren wollen mit ihrer 1993er Eurovision-Gewinnerin Niamh Kavanagh endlich wieder einmal punkten. Ihre Ballade «It's For You» klingt aber wie schon mal gehört, nämlich bei Céline Dions «Titanic»- Welthit «My Heart Will Go On», jedoch ohne dessen Klasse: eben Maschinenraum statt Captain's Dinner. Die Gefahr ist groß, dass Siebenfach-Sieger Irland damit erneut untergeht – und mit der grünen Insel auch Titelverteidiger Norwegen, das mit «My Heart Is Yours» von Didrik Solli-Tangen im gleichen Fahrwasser dümpelt.

Klicks für Russland und für Lena

Viel Schmalz und Herzblut für Mütterchen Russland vergießt Peter Nalitch mit seiner folkloristisch angehauchten Ballade «Lost And Forgotten» – im Internet ist er bereits ein Star: Sein ironischer Song «Guitar» ist bei YouTube bereits fast drei Millionen Mal angeklickt worden; sein Wettbewerbssong ist bisher noch nicht so weit.

Doch auch «Unser Star für Oslo» kann im Internet mit Präsenz protzen: In der Hitparade der Musikdownloads steht «Satellite» schon jetzt ganz oben, das Marktforschungsunternehmen Media Control spricht von «erdrutschartigen Verkäufen», Lenas Fanseite beim Online-Netzwerk Facebook geht auf die 30 000er-Marke zu, und die Videos ihrer Auftritte in der Castingshow-Reihe kommen auf jeweils mehrere hunderttausend Klicks. Für den Auftritt auf internationalem Parkett kann die Enkelin des deutschen Ex-Diplomaten Andreas Meyer-Landrut sicher auf Tipps vom Opa bauen.

Niederländischer Karneval und slowenischer Rock-Stadl

Die Niederländerin Sieneke setzt eher auf Spaß denn auf musikalische Klasse – und ist so wohl kaum eine Gefahr für Lena. Das Nachbarland dürfte mit seiner Karnevals-Schunkel-Nummer «Ik Ben Verliefd (Sha-la-lie)» aus der Feder von Schlumpf-Vader Abraham (Pierre Kartner) nach normalen Maßstäben nicht einmal das Halbfinale überstehen. Ähnlich wie die Slowenen, deren Song «Narodno Zabavni Rock» eine wilde Mischung aus «Musikantenstadl» (inklusive Dirndl, Kniebundhose, Quetschkommode) und 80er-Jahre-Lederjackenrock ist.

Doch Vorsicht: Was ist beim Grand-Prix schon normal? Die schräge ukrainische Transvestiten-Kunstfigur Verka Serduchka holte 2007 mit dem Partykracher «Lasha Tumbai» Platz zwei und der österreichische Kabarettist Alf Poier mit dem skurrilen «Weil der Mensch zählt» Rang sechs.

Lena ist «eben anders»

Auf ihre Andersartigkeit baut aber auch die deutsche Kandidatin – oder wie das Talententdecker Stefan Raab in einer seiner zahlreichen Lobeshymnen so schön ausdrückte: «Es gibt viele, die sind so, und es gibt wenige, die sind anders, und du bist eben anders.» Anders ja, aber nicht schräg: Denn ihr Song «Satellite» – geschrieben von der Amerikanerin Julie Frost und dem Dänen John Gordon, der als Gitarrist bereits für Suzanne Vega und Madonna arbeitete – ist kein klassisch- schlechter Eurodance, keine Folklore-Anbiederei und auch kein Rock- Schocker à la Lordi (das waren die Horrormasken-Musiker, die 2006 den Grand Prix gewannen).

Lenas Lied ist ein etwas spezieller Pop-Song, mit viel ironisch- erzählerischem Sprechgesang und erinnert stark an die Garde junger britischer Songschreiberinnen von Kate Nash über Adele bis zu Lily Allen. Sicher kein Ohrwurm, aber ein Lied, das im Finale der 25 besten im Ohr hängen bleiben könnte.

http://eurovision.ndr.de

Musik News
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!