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    Koblenzer Musik-Institut: Zum Schluss zündet’s beim Publikum

    Es war ein zwiespältiger, aber interessanter Abend des Koblenzer Musik-Instituts in der fast ausverkauften Rhein-Mosel-Halle. Erst „versoßten" Fortissimo-Passagen in Smetanas „Moldau”, dann jedoch kombinierte Dirigent Perry So ein Schlagwerkinstrument aus Klanghölzern mit dem Synfonieorchester – um schließlich sein Publikum lichterloh zu entflammen.

    Sichtliche Spielfreude: Perry So bei seiner Arbeit am Dirigentenpult.
    Sichtliche Spielfreude: Perry So bei seiner Arbeit am Dirigentenpult.

    Koblenz. Dem Hongkong-Chinesen Perry So, mit Anfang 30 noch ein junger Mann seiner Zunft, macht die Arbeit am Dirigentenpult sichtlich Freude. Nachdem beim zweiten Anrechtskonzert des Koblenzer Musik-Instituts am Wochenende die letzten wilden Takte verklungen sind, hüpft er geradezu vergnügt unter enthusiastischem Beifall durch die Reihen des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie und schüttelt dankbar Musikerhände. „Ende gut, alles gut”, könnte man sagen. Doch verlangt eine ernsthafte Beurteilung des Abends auch die Feststellung: Der Anfang war nicht gut.

    Den Auftakt bildete Bedrich Smetanas „Moldau”. Das ist programmmusikalische Hochromantik, ein Hymnus der Heimatliebe aus klingenden Natur- und Reisebildern. Und ein Evergreen des klassischen Repertoires, multimedial leider schon so vernudelt, dass es heute im Konzertgeschehen besonderen Bemühens bedarf, das schwärmerisch-gefühlige Gänsehautpotenzial richtig wirksam werden zu lassen. Formal macht Perry So alles richtig: Die Impulse stimmen, Lautstärke- und Tempoentwicklungen passen, das Kontinuum der Wellenbewegungen wird beharrlich ausdirigiert. Und doch „zündet” diese „Moldau” in der fast ausverkauften Rhein-Mosel-Halle nicht.

    Das hauptsächliche Warum wäre wohl einmal mehr in jener geheimnisvollen Sphäre der energetischen Spannung eines Klangkörpers zu suchen, die ein Dirigent besser oder weniger gut herzustellen versteht. Der kritische Hörer kann im vorliegenden Fall nur konstatieren: Das Prickeln bleibt aus, kleine Unpässlichkeiten häufen sich, und die Fortissimo-Passagen „versoßen” infolge unzureichenden Registerausgleichs.

    Das gilt für die „Moldau”, schaut indes anders aus beim nachfolgenden Konzert für Marimbafon und Orchester Nr. 2 des 1953 geborenen Marcin Blazewicz. Dieses anno 2005 eigens für die polnische Solistin Marta Klimasara komponierte Werk ist natürlich per se ein spannender Programmpunkt: Ein wenig bekanntes Stück, ein solistisches Schlagwerkinstrument aus Klanghölzern, das man kaum je oder noch nie kombiniert mit Sinfonieorchester erlebt hat. Neugierig und hoch konzentriert folgt das Auditorium den Musikern in diese noch fremde Welt. Das Marimbafon klingt nicht nach, jeder mit Klöppeln angeschlagene Ton ist sofort wieder weg. Weshalb sich unterschiedliche Tonlängen allein via Tremolieren – also durch das schnelle Wiederholen von Tönen – herstellen lassen. Woraus Klimasara in einfühlsamer Virtuosität ihre Musik quasi „ertüpfelt” wie einst die Pointillisten ihre malerischen Werke.

    Blazewicz' Komposition erweist sich als stimmiges, mit kluger Kunstfertigkeit gebautes und gut anzuhörendes Werk. Dessen Anklänge an den Stil Bernsteins und Gershwins werden vom Orchester gern mit Verve aufgegriffen. Gleiches gilt für den Schluss des Abends, der von Arnold Schönberg 1937 geschaffenen Orchesterfassung des beliebten Klavierquartetts Nr. 1 g-Moll von Johannes Brahms. Spätestens mit dem Marsch im dritten Satz ist der anfängliche „Moldau”-Knoten vollends geplatzt – finden Perry Son und Rheinische im abschließenden Rondo alla Zingarese zu ebenso inspiriertem wie fein gearbeitetem Furor, von dem sich das Publikum lichterloh entflammen lässt.

    Von unserem Autor Andreas Pecht

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