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    Alice Cooper: Entertainer des Grauens auf Tour

    Nein, richtig ernst genommen hat Alice Cooper sich und seine Arbeit nie, seit er vor bald 50 Jahren mit ein paar Schulfreunden in seiner Heimatstadt Detroit eine Band ins Leben rief.

    Alice Cooper
    Alice Cooper fühlt sich fit und freut sich auf seine Tour.
    Foto: Justin Lane - DPA

    «Höchstens ganz zu Beginn unserer Karriere», erinnert sich Cooper im dpa-Interview, «da sahen wir uns in der Nachfolge des Dadaisten Marcel Duchamp. Wir hatten den Kopf voll mit irgendwelcher Kunstschule-Scheiße.» Und dann legt er feixend nach: «Aber spätestens nach unserem ersten Top-Ten-Hit Anfang der 1970er war uns klar, dass wir nichts anderes sind als eitle Konsumhuren. Oder drücken wir es freundlicher aus: Entertainer. Wenn auch Entertainer des Grauens. Das macht wenigstens etwas her.»

    Und so ist es dem 63-Jährigen bis heute nicht zu blöd, sich dick Schminke um Mund und Augen zu pinseln, Babypuppen auf der Bühne die Köpfe abzureißen oder sich auf dem elektrischen Stuhl braten zu lassen. «Hey», rechtfertigt sich Alice, der im bürgerlichen Leben Vincent Damon Furnier heißt, «ich habe diese Art der Show erfunden, also habe ich auch ein Recht darauf, sie bis ans Ende aller Tage aufzuführen! Und mal ehrlich, sieh mich an: Ich habe nach wie vor alle Zähne im Mund, mein Haar ist weiterhin ziemlich dicht. Das reicht, um immer noch auf die Bühne steigen zu dürfen, ohne peinlich zu wirken. Ich fühle mich derzeit fit wie nie zuvor.»

    Und das stellen Cooper und seine Band auf ihrer monatelangen «No More Mr. Nice Guy»-Tournee rund um die Welt eindrucksvoll unter Beweis - auch in Deutschland, wo Cooper am 20. Oktober in Chemnitz startet. Die erstaunliche physische Konstitution Coopers rührt sicher auch daher, dass der ehemals notorische «Budweiser»-Vernichter seit etlichen Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr anrührt und stattdessen täglich im Morgengrauen zehn Kilometer joggt.

    «Es war irgendwann», sagt Cooper grübelnd, «einfach an der Zeit, diese alte Gewohnheit, meinen Geist Tag für Tag in Alkohol zu ertränken, über Bord zu werfen. Es gab Phasen in meinem Leben, an denen ich keine Ahnung mehr hatte, wer ich eigentlich war und was ich da machte. Also musste ich zu mir selbst zurückfinden. Das konnte nur funktionieren, indem ich auf diesen Stoff namens Alkohol komplett verzichtete.»

    Schizophren fühlt sich der Pate des Schock-Rock jedoch ganz wie in den frühen Tagen, «schließlich bin ich Künstler, wir sind alle nicht ganz dicht. Also: 22 Stunden am Tag bin ich Vincent, aber die restliche Zeit bin ich Alice Cooper, eine völlig eigenständige Persönlichkeit», sagt er grinsend und fügt hinzu: «Hallo, das meine ich ernst! Der Kerl führt tatsächlich ein Eigenleben. Es gibt Momente, da habe ich ein wenig Angst vor ihm, weil er absolut unberechenbar ist. Dann versuche ich, beruhigend auf ihn einzureden. Ich habe gehörigen Respekt vor diesem Typen.»

    Das aktuelle schillernde Alter Ego von Vincent tobt sich nicht zuletzt auf dem Album «Welcome 2 My Nightmare» aus, das sich nicht nur im Titel, sondern auch thematisch wie inhaltlich auf Coopers «Nightmare»-Klassiker von 1975 beruft. Darauf zu hören sind gruselige Nachtmahren, allesamt mit einem dicken Augenzwinkern versehen, dazu paart sich geradliniger Rock mit Garage Punk, Trash Disco und einer gelegentlichen Ballade, allen voran «Something To Remember Me By», die Cooper als «den schönsten Song, den ich je veröffentlicht habe» bezeichnet, plus theatralischen und glamourösen Effekten. «Alles in allem», meint der selbst ernannte Entertainer des Grauens, «bezahlt man bei einer Alice-Cooper-Show Eintritt für zwei Stunden Fahrt mit der Geisterbahn. Wer das wirklich ernst nimmt - den kann ich selbst nicht wirklich ernst nehmen.»

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