40.000
Aus unserem Archiv

Trotz Erwartungsdruck: Bradl will Heimspiel nutzen

Hohenstein-Ernstthal (dpa) – Stefan Bradl ist nicht zu beneiden. Zwar kommt der Bayer erstmals in seiner Karriere als WM-Führender zum Motorrad-Grand-Prix auf den Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal, doch der Druck von außen ist enorm.

WM-Leader
Stefan Bradl will auch beim Rennen auf dem Sachsenring auf dem Podium stehen.
Foto: DPA

Die Medien – nationale wie internationale – wollen den Überflieger in der Moto2-Kategorie sprechen, die Fans einfach nur Autogramme und Fotos. Bradl selbst will es vielen Recht machen, hat aber ein besonderes Anliegen: Auch auf dem Sachsenring ganz weit vorn ankommen.

In den sechs Tagen vor dem Beginn des Sachsenring-Wochenendes erledigte Bradl nur einen Termin für seinen persönlichen Sponsor – eine Motorradausfahrt. Den Rest der Zeit nutzte der 21-Jährige daheim in Zahling, um sich in Ruhe vorzubereiten. Dorthin verfolgen ihn die Fans noch nicht. Dafür beobachten ihn aber immer mehr im Internet. Seit seine «official fansite» auf Facebook vor fünf Wochen geöffnet wurde, haben dort bereits knapp 4000 Anhänger den «Gefällt mir-Button» geklickt – und auf anderen inoffiziellen Stefan-Bradl-Seiten weitere 7000.

Sportlich und technisch muss Stefan Bradl sich wenig Gedanken machen. Die WM-Tabelle führt er derzeit mit beruhigenden 52 Vorsprung vor seinem ärgsten Widersacher Marc Marquez aus Spanien an. Selbst, wenn er sich auf dem Sachsenring erneut einen Sturz erlauben sollte wie vor drei Wochen in Assen, würde er als überlegener WM-Leader in die anstehende Sommerpause gehen.

Sein Kalex-Fahrwerk hat ihn dieses Jahr noch kein einziges Mal enttäuscht. «Wir sind noch auf keiner Rennstrecke gefahren, wo wir feststellen mussten: Hier kommen wir mit dem Kalex-Chassis nicht zurecht. Deshalb sollte es wohl auch auf dem Sachsenring funktionieren», sagt Bradl. Seit er Mitte Juni im britischen Silverstone seinen ersten Grand Prix im Regen gewann, kann ihn nicht einmal mehr schlechtes Wetter aus der Ruhe bringen – aber für das Rennwochenende am Sachsenring ist ohnehin Sonnenschein vorhergesagt.

Sonnig sieht auch seine Zukunft aus. Sein Aufstieg in die «Königsklasse» MotoGP scheint festzustehen. Nach den glänzenden Rennen bislang stehen die Teambesitzer bei ihm Schlange und auch Stefan Kiefer, sein derzeitiger «Boss», möchte gern mit dem besten Deutschen aufsteigen. Bradl selbst kümmert sich kaum um diese Dinge, überlässt das seinem Vater Helmut, selbst einst WM-Zweiter. Eine Entscheidung, bei wem und mit welcher Maschine er im nächsten Jahr unterwegs sein wird, fällt frühestens Mitte August beim Grand Prix im tschechischen Brünn.

Am Sachsenring wird sich Stefan Bradl auch an den hektischen Tagen vor dem Rennen immer wieder gönnen. Wie schon seit Jahren wohnt er nicht im Hotel oder wie viele Kollegen im Motorhome im Fahrerlager, sondern mit seinen Eltern Gisela und Helmut im Wohnmobil auf einem verschwiegenen Campingplatz nahe der Rennstrecke. Dorthin kann er sich auch zwischen zwei Trainingssitzungen schnell mal zum Abschalten zurückziehen und den Erfolg planen.

Motorsport Mix
Meistgelesene Artikel