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    Estoril

    Nach Sieger-Party: Bradl hofft auf Signalwirkung

    Die Party war schon mal weltmeisterlich. Nach Stefan Bradls erstem Sieg eines Moto2-Rennen floss in der teameigenen VIP-Lounge der Schampus in Strömen und verklebte Haare und Klamotten.

    Schampus!
    Stefan Bradl feiert seinen Sieg in Estoril mit Champagner.

    Am Abend wurde es dann luxuriös: Bradl zog mit dem gesamten Team in das noble Fischrestaurant «Monte Mar» an der traumhaften Atlantik-Küste von Estoril ein. Bei Krabben und Barsch in Salzkruste sowie edlem Wein und Cognac feierte man den unerwarteten Erfolg des Zahlingers beim Motorrad-Grand-Prix von Portugal.

    Spitze!
    Stefan Bradl (r) führt das Rennen vor Alex Baldolini an.

    Als am frühen Morgen die Lichter verloschen, zog Nüchternheit in die Gedanken des 20-Jährigen. Nicht nur, weil für 6.00 Uhr bereits der Rückflug gebucht war. Vor allem realisierte er für sich die Tragweite des Sieges. Selbstzweifel verflogen, zudem konnte er dem Team etwas zurückgeben und das Vertrauen des Hauptsponsors (Viessmann), der trotz der monatelangen Flaute für ein weiteres Jahr den Geldhahn öffnete, rechtfertigen.

    Power
    Stefan Bradl legt sich in die Kurve.

    Das Wie des Bradl-Erfolges war imponierend. Von Startplatz zehn kommend, rollte der Suter-Pilot das Feld nach einem mäßigen Start von hinten auf. Und zwar im Schnelldurchgang. Nach Runde elf war er Spitzenreiter und ließ sich die Führung trotz massiver Bedrängnis durch den Italiener Alex Baldolini nicht mehr nehmen. «Es war perfekt», fasste Bradl zusammen.

    Dusche
    Stefan Bradl verspritzt nach seinem Sieg Champagner.

    «Wir wussten alle, welches Potenzial Stefan hat. Dass er es nun endlich auch zeigen konnte und für all die Mühen belohnt wurde, freut mich. Wir sind total happy, dass dieser Sieg in dieser Saison noch geklappt hat», meinte Bradls Teamchef Stefan Kiefer. Er und die gesamte Mannschaft hatten an den Piloten geglaubt, auch wenn sich die Ergebnisse zunächst nicht nach Wunsch gestalteten. Doch die Formkurve zeigte in der zweiten Saisonhälfte permanent nach oben. Der fünfte Platz von Philip Island war bereits ein deutlicher Fingerzeig, wohin Bradls Reise gehen könnte.

    Gratulation!
    Stefan Bradl nach seinem Sieg in Estoril.

    «Es war ein Hammer, die deutsche Hymne zu hören», sagte der überwältigte Bradl, der zwei Jahre auf das Gefühl, ganz oben zu stehen, verzichten musste. Jetzt fehlen ihm noch zwei Siege, um mit seinem Vater Helmut in der internen Familien-Erfolgschronik gleichzuziehen. «Der Sieg war ganz wichtig für den Motorrad-Rennsport in Deutschland», legte der Bayer nach und hofft, dass nun endlich der Knoten auch in Sachen Sponsoring für den Zweirad-Rennsport platzt.

    Schnellster
    Stefan Bradl (M) hat dem Motorrad-GP in Estoril gewonnen.

    Doch das ist zweifelhaft. Solange es keinen deutschen Weltmeister oder wenigstens einen permanenten Siegfahrer wie in der Formel 1 gibt, werden sich die Geldgeber zurückhalten. An jungen, talentierten Piloten fehlt es nicht. Allein die fehlende Konstanz verhindert, dass die breite Öffentlichkeit aufmerksam wird. Der vierte Platz von Jonas Folger (Schwindegg) im 125-Kubikzentimeter-Rennen und die guten, aber eben nicht sehr guten Resultate von Sandro Cortese (Berkheim) im Saisonverlauf sind eine Basis.

    Im kommenden Jahr kommt mit Max Neukirchner (Stollberg) ein weiterer starker Pilot in die Weltmeisterschaft. Auch wenn es die jungen Fahrer derzeit noch überfordert: In der auf Erfolge ausgerichteten Gesellschaft ist Mittelmaß zu wenig. Stefan Bradl könnte dies ändern.

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