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    Harsewinkel

    Jana Osterheider kämpft sich im Motorsport nach oben

    Motoren dröhnen, es riecht nach Benzin. Rennfahrerin Jana Osterheider tippt nur aufs Gaspedal - schon schießt sie mit ihrem 50-PS-Kart auf der Rennstrecke davon.

    Kämpferin
    Jana Osterheider will sich in der Männerwelt etablieren.
    Foto: Caroline Seidel - DPA

    Eine Runde nach der anderen dreht die 20-Jährige, bis nur noch wenige Tropfen Sprit im Tank sind. An diesem Trainingstag im ostwestfälischen Harsewinkel ist sie die einzige Frau auf der Piste - wie so oft.

    Osterheider ist ein großes Talent. Bei der Nachwuchssichtung des Deutschen Motorsport Bundes vor zwei Jahren überzeugte sie als eine von nur zwei Frauen unter 30 Männern. Am Samstag startet sie zum Saisonauftakt bei der Rundstrecken Challenge am Nürburgring (RCN). Sie ist im einzigen Frauenteam dieser Tourenwagen-Rennserie unterwegs. Dann bleibt das Kart in der Garage, und die Rennfahrerin rast zusammen mit ihrer Teamkollegin in einem Peugeot 206 RC mit Tempo 220 über die Piste.

    «Ich liebe die Geschwindigkeit und den Nervenkitzel», sagt die Rennfahrerin mit den kurzen braunen Haaren. Zurzeit hat sie nur ein Ziel: Bei der RCN will sie mindestens viermal unter die ersten Fünf kommen. Denn dann hat sie die Lizenz, mit der sie unter anderem am Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) teilnehmen könnte.

    Doch nicht Talent allein ist für Erfolge im Rennsport wichtig. Entscheidend sind auch die finanziellen Mittel. «Das Sportgerät kann schnell einige Zehntausend Euro kosten», sagt der Pressesprecher des Deutschen Motor Sport Bundes, Michael Kramp. Das Material sei neben den Sponsoren oft nur durch Mäzene und Förderprogramme der Automobilhersteller finanzierbar.

    Sponsoren zu finden, sei besonders für Frauen schwierig. «Motorsport passt häufig nicht zum Rollenbild einer Frau», meint Ina Fabry. Sie ist die deutsche Delegierte des Internationalen Automobilverbandes FIA in der Kommission für Frauen im Motorsport. «Es ist natürlich immer noch eine Seltenheit, wenn eine Frau im Rennauto sitzt und vorne mitfährt», sagt Fabry. Gegen Frauen werde häufig noch einen Tick härter gefahren, «weil man als Mann einfach nicht gegen eine Frau verlieren kann oder möchte».

    Deshalb versucht die FIA, Mädchen im Kartsport zu unterstützen und ihenn den Sprung in die Formelklasse oder zu den Tourenwagen zu erleichtern. Auch in der Königsklasse Formel 1 wächst der Einfluss der Frauen. So drängt Susie Wolff in die Männerdomäne. Zurzeit ist sie Testfahrerin im Williams-Team. Ihr Ziel: Als erste Frau seit 37 Jahren bei einem WM-Lauf der Formel 1 zu starten.

    Auch Jana Osterheider, die häufig selbst an ihrem Kart schraubt, ist sich der Herausforderung ihres Sports bewusst: «Ich versuche, durch meine Leistung zu überzeugen. Ich bin sehr ehrgeizig.» Bereits mit sieben Jahren sitzt sie in einem Kart. Später wird sie als beste Frau im ADAC-Automobil-Slalom ausgezeichnet und gewinnt mehrmals in der Kart-Rennserie Dreiländerpokal. Bei der Talentsichtung der Deutschen Motorsport Jugend vor zwei Jahren überzeugt sie ein Team aus Stolberg im Rheinland, ihr einen Wagen am Nürburgring zu stellen.

    Wenn Osterheider es nicht wie ihr schwedisches Fahrervorbild, Mattias Ekström, in die DTM schafft, hat sie einen Plan B: Zurzeit macht sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und will anschließend Medizin studieren. Doch der Rennsport bleibt ihr großer Traum. Von Seitenhieben der Männer hat sie sich noch nie aufhalten lassen. Der Vater eines Konkurrenten habe einmal zu ihr gesagt: «Oh, jetzt fahren schon Frauen mit. Naja, einer muss ja die letzten Plätze belegen.» Dann sei Osterheider in jedem Rennen vor seinem Sohn gelandet.

    Seite des Motorsportteams

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