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Brünn

«Hochzeit des Jahres»: Rossi wird «Roter»

dpa

Der Start in die «Traum-Ehe» war alles andere als standesgemäß. Lediglich eine lapidare Pressemitteilung verkündete die Zusammenarbeit des italienischen Herstellers Ducati und Motorrad-Superstar Valentino Rossi.

Fix
Valentino Rossi fährt die letzte Saison führ Yamaha.

Von Januar 2011 an gehen die beiden Erfolgsmarken «Made in Italy» zusammen an den Start. «Sobald er zum ersten Mal eine Ducati fährt, werden wir zusammen an jedem noch so kleinen Detail arbeiten, um ein Motorrad zu entwickeln, welches sein großartiges Talent voll zur Geltung bringen wird», versprach Filippo Preziosi, Generaldirektor von Ducati Corse.

Auf die Nachricht hatte die Grand-Prix-Welt schon so lange und so sehnsüchtig gewartet. Nun ist es soweit, zwei Jahre lang wird der bislang neunmalige Champion versuchen, die als widerspenstig geltende «Rote» aus Bologna zu zähmen und mit ihr neue Gipfel zu erklimmen. Dabei hob Rossi schon als Gegner die Marke Ducati. «Er ist der Größte, was unseren Siegen immer einen besonderen Wert gegeben hat», meinte Preziosi.

Dass es überhaupt zum Wechsel kam, ist der Stärke von Rossis Noch- Teamkollegen Jorge Lorenzo zu verdanken. Dem Spanier ist der Titel in der «Königsklasse» MotoGP kaum noch zu nehmen. Das wurmt den «Doctor». Immerhin war er es, der mit seinem Einstieg 2004 bei Yamaha das bis dahin zweitklassige Motorrad wieder konkurrenzfähig machte und bislang vier Titel für die Japaner einfuhr.

Dass nun andere die Früchte seiner Arbeit ernten, schlug Rossi ebenso auf den Magen wie die kolportierte Uneinigkeit der beiden Seiten beim zukünftigen Gehalt des Piloten. Dies machte sich Ducati, unterstützt von potenten Geldgebern, zunutze. Angeblich 13 Millionen Euro soll Rossi jährlich erhalten.

Das Warum und Wie der neuen Zusammenarbeit ist den Italienern völlig egal. «Das ist die Nachricht des Jahrzehnts. Jetzt gibt es wieder ein rein italienischen Siegerteam. Valentino und Ducati können ein neues Wunder vollbringen und seit 1972 den ersten rein italienischen WM-Sieg in der Königsklasse einfahren», jubelte die «La Gazzetta dello Sport» auf ihrer Homepage. Vor 38 Jahren hatte der legendäre Giacomo Agostini auf einer MV Agusta triumphiert.

Für den «Corriere dello Sport» ist es die «Hochzeit des Jahres» und «Tuttosport» verkündet in großen Lettern: «Rossi wird Rot». Mit dem Wechsel zum italienischen Erfolgshersteller Ducati sollten nun aber die Stimmen endgültig verstimmen, die Rossi in der Formel 1 bei Ferrari sehen wollen.

Rossi hat gerade bei Yamaha gezeigt, dass er schnell auch mit anderen Maschinen umgehen kann. Wenn er das bei Ducati auch schafft, macht er sich in Italien unsterblich. Denn die «Rote» gilt als schwer zu beherrschen. Viele Motorrad-Größen wie Max Biaggi (Italien), Sete Gibernau (Spanien) oder Nicky Hayden (USA) scheiterten. Nur der Australier Casey Stoner, der 2007 die WM nach Bologna holte, und ansatzweise Loris Capirossi (Italien) bändigten die «Wilde».

Rossi,der von vielen nur «Vale» gerufen wird, hat mit seinem technischen Superhirn Jeremy Burgess im Gepäck eine Menge Arbeit vor sich, die frühestens nach dem Saisonende im November in Valencia beginnen kann. Möglich ist auch, dass Yamaha seinem fliehenden Angestellten aber auch erst ab 1. Januar 2011 die Freigabe erteilt. Dann würde die Zeit knapp, um gleich im ersten Jahr nach der Krone greifen zu können.

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