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Doha

Bradl vor MotoGP-Saison zurückhaltend

dpa

Gestern war Stefan Bradl noch umjubelter Moto2-Champion, heute ist er MotoGP-Anfänger mit Potenzial für Großes. Fünf Jahre nach Alexander Hofmann startet mit Bradl wieder ein Deutscher in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft.

Vielversprechend
Stefan Bradl testet seine neue Maschine im Februar auf dem Sepang International Circuit in Malaysia.
Foto: Ahmad Yusni – DPA

Vorschusslorbeeren gab es reichlich, nun muss er zeigen, was er kann. Von seinem Lebenstraum, einmal MotoGP-Weltmeister zu werden, lässt sich der Zahlinger nicht abbringen, auch wenn er vor dem Saisonstart am Sonntag in Katar im Gespräch der Nachrichtenagentur dpa erklärt: «Ich werde noch länger ein Lernender sein. Es braucht seine Zeit, in dieser Klasse Fuß zu fassen.»

Die Karriere des 22-Jährigen geht weiter steil bergauf. Sein WM-Titel im vergangenen Jahr, der erste eines Deutschen nach 17 Jahren Abstinenz, verhalf ihm sofort in die Königsklasse. Der Italiener Lucio Cecchinello gab dem Sohn des ehemaligen Motorrad-Spitzenpiloten Helmut Bradl sogar einen Zweijahresvertrag und damit eine Perspektive. Denn jeder weiß: Die MotoGP ist ein anderes Kaliber als die beiden kleinen Klassen der Straßen-Weltmeisterschaft. «Ich musste meinen Fahrstil komplett ändern, das verlangt die Leistung der Maschine», sagt Bradl.

«Es gab viele neue Herausforderungen. Besonders schwierig war der Umgang mit der Elektronik. Die zu nutzen war hart. Auf schnellen Runden habe ich anfangs viel Zeit verloren, weil ich mit den vielen Knöpfen nicht klar kam. Aber das hat sich mittlerweile gelegt», berichtet Bradl über seine ersten Erfahrungen auf der MotoGP-Honda, die ab dieser Saison über 1000 Kubikzentimeter verfügt.

Geholfen hat Bradl nicht nur seine Aufgeschlossenheit für alles Neue, sondern auch das Team, in dem er sofort freundlich aufgenommen wurde. «LCR ist das Team mit der größten Professionalität, in dem ich bislang gefahren bin. Das ist schon deshalb so, weil hier das Werk dahinter steht. Ich habe jetzt zwei Maschinen, es gibt viel mehr Leute, die sich um alles kümmern. Die Organisation ist nahezu perfekt. Der größte Unterschied ist aber wohl die Struktur generell», beschreibt Bradl.

Sehr zur Freude von Cecchinello spricht Bradl mittlerweile sogar italienisch. «Ich interessiere mich für Sprachen und es fällt mir leicht, sie schnell aufzunehmen, ohne sie explizit lernen zu müssen. Aber im Team wird in erster Linie englisch gesprochen, das war auch vorher schon der Fall», erzählt der bayrische Schwabe, der nach seinem WM-Titel einen «heißen» Winter erlebte.

«Es war viel Trubel, es gab viele Feiern und Ehrungen. Das alles hat mächtig Spaß gemacht. Neu für mich ist, dass ich immer öfter erkannt und auf der Straße angesprochen werde. Aber Stalker bei mir daheim in Zahling, so wie sie eine Magdalena Neuner mal beklagte, gibt's zum Glück nicht», sagt Bradl.

Von den alt eingessenen MotoGP-Fahrern wie Valentino Rossi und Jorge Lorenzo erhielt er vorab viel Lob. «Das ehrt mich zwar, dass sie mich registrieren und meine Leistungen respektieren. Aber kaufen kann ich mir dafür nichts und ich werde dadurch auch keine besseren Ergebnisse erzielen», betont Bradl. Und schon deshalb will er ihnen zeigen, was wirklich in ihm steckt: «So um Platz sieben könnte ich schon landen, zumindest nehme ich mir das vor», sagt Bradl.

«Was in der zweiten Saisonhälfte wird, wenn ich mich richtig eingelebt habe, wird man sehen. Im ersten Jahr gehe ich aber so an die Sache heran, dass ich zufrieden bin, wenn ich vom Motorrad steige und weiß, ich habe mein Bestes gegeben», meint Bradl und fügt hinzu: «Das hat nicht unbedingt etwas mit Platz oder Zeit zu tun, sondern ich muss mich so einschätzen, dass aus dem Vorhandenen nicht mehr zu machen war. So gehe ich auch hier in Katar heran.»

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