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    Mainz

    Wulff-Revue wiegte Gäste in den Schlaf

    Das Publikum im SWR-Foyer ist gelangweilt. Manch einer zückt sein Smartphone, um ins Internet zu flüchten. Ein Herr in der fünften Reihe schlummert zufrieden, die Hände vor dem Bauch verschränkt. Die Dame vor ihm wehrt sich noch gegen das Einnicken. Ihr Kopf zuckt immer mal wieder hoch. "Langweilisch", urteilt die Frau neben ihr in schwäbischem Akzent.

    Auftakt zum 17. Mainzer Mediendisput im SWR-Foyer: "Die Wulff-Revue".
    Auftakt zum 17. Mainzer Mediendisput im SWR-Foyer: "Die Wulff-Revue".
    Foto: Bernd Eßling

    Viel versprechend beginnt er nicht, dieser 17. Mainzer Mediendisput. Dabei klingt sein Motto durchaus aufregend: "Shitstorm@Sozialpornos - Gelenkte Medienanarchie".

    Ein Mal im Jahr lädt eine unabhängige Projektgruppe zur Diskussion über die Zukunft der Medien im Allgemeinen und der Journalisten im Besonderen. Diesmal sollte es um die Position der Meinungsmacher angesichts immer mächtigerer Unterhaltungsformate und schneller werdender Informationsflüsse via Internet gehen.

    Mix aus Bildern und Spielszenen

    "Die Titel des Mediendisputs klingen immer ein Stück nach Weltuntergangsstimmung", meinte Simone Sanftenberg, SWR-Landessenderdirektorin, bei der Begrüßung zur Auftaktveranstaltung. Sie wolle sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Entscheidend ist, dass die innere Haltung des Journalisten Qualität will und sein Arbeitgeber ihm den Rücken stärkt."

    Mit ",Bild' gehört zu Deutschland: Die Wulff-Revue - Wie es wirklich war ..." boten die Organisatoren vor den Disputen einen Mix aus Bildern und Spielszenen rund um den Sturz des Bundespräsidenten. Armin Hauser machte in der Rolle Christian Wulffs eine recht passable Figur. Schade nur, dass ausgerechnet der piefigste Politskandal der letzten Jahre auf die Bühne kam: Ein Mann scheitert an seiner Mitnehmmentalität. Guttenberg hätte da mehr hergegeben. Ganz schlimm wurde es, als die Autorin Bettina Raddatz in der Revue auftrat, um aus ihrem Krimi "Die Staatskanzlei" zu rezitieren. Sie versprach einen "Insiderblick hinter die Kulissen", präsentierte aber Mittelmaß, konsequent schlecht gelesen. Ihr Protagonist schläft am Schluss gelangweilt ein - wie das Publikum vor der Bühne.

    Publikum erwachte nach und nach

    Immerhin bot der Auftakt des 17. Mediendisputs danach tatsächlich noch einen Disput. Der vollmundige Titel: "Endstation Boulevard - Untergangssehnsucht und Politik-Trauma." Wulff, der Fall Kachelmann, die Rolle der "Bild" und ihr Schulterschluss mit anderen Medien standen zur Debatte.

    Der Autor Wolfgang Storz stellte die These auf: "Die anderen Medien haben sich stärker verändert als ,Bild'. Sie haben sich ,Bild' genähert, und nicht ,Bild' hat sich geläutert." Das Massenblatt bediene sich aller möglichen Strategien, der Journalismus sei nur eine davon, deren Regeln "Bild" aber ständig missachte.

    Das Publikum erwachte nach und nach. Nun wurde es lebhafter im SWR-Foyer. Kritische Töne aber waren weiterhin zu vernehmen. "Der hört sich auch gern schwätze", kommentierte die Schwäbin die ausführlichen Wortbeiträge des Moderators Alexander Kissler.

    Und was war mit dem Motto? Mit dem "Shitstorm", der Empörungswelle im Internet, oder den "Sozialpornos", den pseudorealistischen Doku-Serien im Privatfernsehen? Das sparten sich die Teilnehmer für den nächsten Tag auf. Erst mal hatten sie genug durchlitten zum Auftakt der 17. Mainzer Mediendisputs.

    Gerd Blase

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