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    Wiesenweihe kann Laurenziberg nicht retten

    Bingen/Gau-Algesheim - Der Streit um das Abbaurecht der Firma Gaul auf dem Laurenziberg geht weiter. Die Firma pocht darauf, die Kommunen fürchten das Verkehrschaos. Der Schutz der Wiesenweihe, ein Zugvogel der sich auf dem Areal wohl fühlt, zeiht aber nicht mehr als Hinderungsgrund: Für ihn wurde schon hinreichend gesorgt.

    Die Wiesenweihe, ein seltener Greifvogel, brütet auf dem rheinhessischen Plateau. Um die Bestände zu erhalten, investierte die Firma Gaul rund um den Laurenziberg in Ausgleichsmaßnahmen. 
Foto: Armin Weigel
    Die Wiesenweihe, ein seltener Greifvogel, brütet auf dem rheinhessischen Plateau. Um die Bestände zu erhalten, investierte die Firma Gaul rund um den Laurenziberg in Ausgleichsmaßnahmen.
    Foto: Armin Weigel - picture alliance / dpa

    Bingen/Gau-Algesheim - Jetzt wird's ernst auf dem Laurenziberg. Die Firma Gaul pocht auf ihre verbrieften Abbaurecht für Sand und Kies und möchte diese von den Genehmigungsbehörden in Bergrecht umwandeln lassen. Das würde bedeuten, dass auf dem seit fünf Jahren weitgehend ruhenden Hochplateau wieder die Bagger zubeißen können.

    Dagegen führen die Schutzgemeinschaft Laurenziberg und die umliegenden Kommunen einen verzweifelten Kampf.

    Flotte von 40-Tonner-Lastwagen erledigt die Materialabfuhr

    Knackpunkt für die Verwaltungen von Bingen sowie Stadt und Verbandsgemeinde Gau-Algesheim: Was im Tagebau auf dem Laurenziberg gefördert wird, muss schließlich auch an den Kunden gebracht werden. Das geht nur mit den 40-Tonnern des Unternehmens. Und dafür ist das bestehende Straßennetz in der Region schlichtweg nicht geeignet, sagen die Bürgermeister Thomas Feser (Bingen) und Dieter Linck (VG Gau-Algesheim). Beide kündigen juristische Schritte an.

    Ein Hebel in der Auseinandersetzung scheint inzwischen nicht mehr als Werkzeug des Widerstands zu taugen: der Natur- und Umweltschutz. Der große Traum von einem "Regionalpark Rheinhessen" scheint nicht sehr realistisch. Auch die Vorstellung, dass nach dem Einzug einer grünen Ministerin in Mainz hier andere Schwerpunkte gesetzt werden, erwies sich als voreilig. Zudem hat das Abbauunternehmen schon einiges für Flora und Fauna getan. Der Kreuzkröte wurden neue Laichgewässer beschert, für die vom Aussterben bedrohte Wiesenweihe - ein Zugvogel der Kategorie I auf der Roten Liste - wurden umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen ergriffen.

    Was bleibt, ist der Mensch: Nach jetzigem Stand müssen die schweren Laster voller Sand und Kies auf dem Weg zum Kunden über Landesstraßen durch Dromersheim, Appenheim, Ockenheim oder Gau-Algesheim fahren. "Absolut unzumutbar. Das nehmen wir so nicht hin", sagt Bürgermeister Thomas Feser stellvertretend für die betroffenen Kommunen. Frühere Gerichtsstreitigkeiten rund um die Abfuhr endeten damit, dass das Oberverwaltungsgericht die Fahrwege regelte. Von den fünf Hektar umfassenden Baggerstellen auf dem Laurenziberg - alle auf Binger Gemarkung - dürfen die Laster über eine alte "Panzerstraße" der Bundeswehr zur Kreisstraße 14 zwischen Dromersheim und Appenheim rumpeln.

    Von dort an wird's kritisch: Die Ortsdurchfahrten sind zwar als Landesstraßen klassifiziert und damit auf dem Papier für Schwerlastverkehr geeignet. Doch die Realität sieht ganz anders aus, sagt Thomas Feser kämpferisch: Es sei zum Beispiel den Menschen in Dromersheim nicht zuzumuten, dass die Lkw-Kolonnen die Rheinhessenstraße benutzen, die Engstellen, scharfe Kurven und lange Abschnitte fast ohne Bürgersteig aufweist. "Die Menschen haben das Recht, dagegen auf die Barrikaden zu gehen!"

    Landesstraße 414 in Dromersheim verdient ihren Namen nicht

    Fesers Fazit: Die Landesstraße 414 verdiene ihren Status nicht. "Das Land muss Alternativen schaffen." Die Kommunen in die Pflicht zu nehmen, greife zu kurz. Die könnten zwar vielleicht Baustraßen schaffen, aber nicht die überregionale Verteilung über geeignete klassifizierte Straßen ermöglichen. In diesem Zusammenhang kann der CDU-Politiker partout nicht verstehen, dass die neue rheinland-pfälzische Landesregierung aus Kostengründen quasi nach dem Rasenmäherprinzip den weiteren Bau oder die Sanierung von Straßen kategorisch ablehnt.

    Allerdings sei das alte Verkehrsproblem des Lkw-Verkehrs in Zusammenhang mit den Kiesabbau auch bereits von früheren Landesregierungen verschleppt worden. Klar ist, dass Bingen und Gau-Algesheim an einem Strang ziehen werden, bestätigt VG-Bürgermeister Linck. Die Stadt Gau-Algesheim habe bereits ihren Widerspruch über ein Koblenzer Anwaltsbüro auf den Weg gebracht. der Stadtrat wollte gestern, der VG-Rat soll Anfang November eine Resolution gegen die Abfuhrwege beschließen. Für Dieter Linck ist auch die Idee eines Flächentausch noch nicht vom Tisch. Dann könnte der Laurenziberg weiter ruhen und woanders gegraben werden. "Sand gibt es wie Sand am Meer", sagt er, "aber keiner will den Verkehr haben."

    Hoffnung auf Gespräch mit dem Landesbetrieb Mobilität

    Thomas Feser könnte sich auch eine Art Baustraße in Richtung Gensingen vorstellen - allerdings fernab des Dromersheimer Neubaugebiets Landgraben. Die Lastwagen könnten dann um die Ortslagen herum auf die B 41 geführt werden, um von dort die Autobahn über das Kutschereck und den neuen Kreisel bei Büdesheim die Autobahn zu erreichen. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen gegen die Firma, sondern um die Interessen der Bürger, betont er.

    Die Binger wollen heute im Stadtrat zwar in ihrer Stellungnahme den Hauptbetriebsplan der Firma Gaul ablehnen, aber dennoch weiter im Gespräch bleiben. Für 7. November ist ein Ortstermin mit dem Landesbetrieb Mobilität in Dromersheim vereinbart.

    Von unserem Redakteur Rainer Gräff

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