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    Mainz

    Wer Helge nicht mag, kennt nicht alle vier

    Der multiple Helge beisterte am Sonntagabend in der Phönix-Halle seine Mainzer Fangemeinde gleich vierfach.

    Mainz - Vielleicht gibt es nur einen Rudi Völler. Aber den Helge gibt es gleich vierfach.

    Einmal den kaum zu überschätzenden Musiker, dann den pointierten Parodisten, den absurden Wortkomiker und schließlich - den kleinen Diktator. Man muss sie nicht alle gleich mögen, aber wer Helge Schneider nicht mag, kennt nicht alle Vier. Der hat Helge noch nie live erlebt.

    Auf der Bühne der voll besetzten Phönix-Halle strampelt sich das Quartett in der aktuellen "Buxe voll"-Tour abwechselnd nach oben. Meine ganze Sympathie gehört dem Musiker, der scheinbar mühelos mit einer Hand die Pianobegleitung zum eigenen Trompetenspiel gibt. Der am Vibrafon ganz in der Musik von Jazzlegende Duke Ellington aufgeht, auch wenn sein Grimassieren dem Publikum etwas anderes vorspielt.

    In den schönsten Momenten des Abends, unmittelbar vor der Pause, verbeugt sich Helge musikalisch vor Piano-Jazz, Flamenco und Blues - eine parodistische Hommage ohne jeden Spott über die Vorlage - und doch brüllend komisch.

    Helge spricht und singt fließend ein perfektes Nonsens-Spanisch, besingt bluesig-bedeutungsschwanger ("Listen!") seine eigene Geburt ("I was born as a Baby Born") oder jazzt über Schönheitsoperationen ("Ich bin der Schönheitschirurg von Banania").

    Die bessere Hälfte

    Über "Busenverlängerung" und Fettabsaugen hat sich Helge dabei so seine kruden Gedanken gemacht, wenn etwa bei der Operation die halbe Gemahlin ins Glas gesaugt wird und der anwesende Gatte hinterher entscheiden soll, welche Hälfte er mit nach Hause nimmt - die "bessere" eben.

    Ob als Liedermacher mit verletzter Seele oder als Schlagerknödler ("100 000 Rosen schenk ich Dir"): Helge bleibt immer perfekt in seiner Rolle, so absurd sie auch sein mag. Selbst den angeblichen Text eines japanischen Volkslieds kann er glaubhaft vortragen, um dann plötzlich zu eigenen Gitarrenklängen eine Bestellung im "Chinarestaurant Akropolis" aufzugeben: "Zweimal die 64". Inklusive verfaulter Seeigel als Nachtisch - "andere Länder, andere Sitten".

    Die Zwischenmoderationen schwanken zwischen sinnlos ("Mainz ist das Paris Europas.", "Das nächste Lied ist auch wieder mit Musik") und böse-polemisch ("In 5000 Jahren gibt es keine Menschen mehr, nur noch Westerwelles"). Mehrfach kriegt Peter Maffay sein Fett weg, der wie alle Prominenten im Fernsehen größer erscheint, als er tatsächlich ist: "Maffay ist in Wirklichkeit nur 1,12 Meter groß." Vielleicht tröstet den Sänger, dass auch Basketballikone Dirk Nowitzki laut Helge nur 1,31 misst.

    Helges Karriere ist von nunmehr 17 Jahren mit dem Lied "Katzeklo" richtig in Fahrt gekommen, das in der Phönix-Halle sicher kaum einer vermisst - und das wirklich nicht typisch ist für das schneidersche Schaffen. Auf Kinderverslein verzichtet Helge dennoch selten - diesmal muss wieder der "Meisenmann" dran glauben. Liedchen wie diese haben im Programm des Künstlers einen wichtigen Platz, die Verse werden zum Grundthema einer teils virtuosen Wortimprovisation ohne vorhersehbares Ende - was Inhalt, Rhythmus und Melodie angeht. Das kann extrem unterhaltsam sein, aber auch mal unerwartet im Nichts versanden, wie diesmal der "Telefonmann". Das Publikum verzeiht's mit einem Wimpernschlag, der Künstler selbst ist da kritischer.

    Denn Helge Schneider ist bei allem Nonsens ein Perfektionist, der auf offener Bühne schon mal die Mitmusiker zurechtbürstet. Wer das durchhält, hat ein hartes Fell - und muss ein Meister seines Fachs sein. Gitarrist Sandro Giampietro, Schlagzeuger Willi Ketzer und Rudi Contra am Bass genügen an diesem Abend Helges Ansprüchen - das ist mehr, als nur das Publikum zu begeistern. Wobei Senior Contra ("Ich verrate sein Alter nicht, es ist dreistellig") stoisch allerlei blöde Sprüche des Frontmanns wegsteckt. So lange es so harmlos bleibt, wird der Mann denken, denn im Verhältnis zu seinem Personal erweist sich Helge durchaus als kleiner Diktator. Augenscheinlich gegenüber seinem "Teemann" und Handlanger Bodo, etwas subtiler doch genauso energisch gegenüber den Musikern. Zuckerbrot und Peitsche, denn bei den Soli seiner Mitspieler ordnet sich Schneider bereitwillig ins Glied ein und sorgt nicht weniger virtuos für die Begleitung.

    Am Ende sitzt Helge allein am Piano, denn es ist allein sein Abend. Eine Improvisation noch, etwas Nonsens ("Lustig, lustig, lustig war es heut"). Und Schluss. Joachim Knapp

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    Lokal Z-Szene
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