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    Wachkomafall: Keiner gesteht Fehler ein

    Im Schadenersatzprozess um eine heute 53-jährige Patientin, die seit einem Gesichts-Lifting in der Mainzer Fontana-Klinik vor über einem Jahr im Wachkoma liegt, hat Klinikchef Dr. Klaus G. Niermann vor dem Mainzer Landgericht sein "tiefstes Bedauern" ausgesprochen. Fehler gestand er aber nicht ein.

    Dr. Klaus G. Niermann, Chef der Fontana-Klinik (links).
    Dr. Klaus G. Niermann, Chef der Fontana-Klinik (links).
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Im Schadenersatzprozess um eine heute 53-jährige Patientin, die seit einem Gesichts-Lifting in der Mainzer Fontana-Klinik vor über einem Jahr im Wachkoma liegt, hat Klinikchef Dr. Klaus G. Niermann vor dem Mainzer Landgericht sein "tiefstes Bedauern" über die Geschehnisse vom 20. Juni 2011 ausgesprochen. Der Chefarzt und einzige Operateur der Klinik hatte die Schönheits-OP durchgeführt. Fehler gestand er genauso wenig ein wie der Narkosearzt und die Nachtwache (25).

    Der vom Gericht bestellte Gutachter bescheinigte der Fontana-Klinik grobe Strukturmängel. "Dr. Niermann hat mit der Entscheidung, solche Operationen durchzuführen, eine Gefahrenquelle geschaffen, mit der es früher oder später zur Katastrophe kommen musste", sagte Prof. Dr. Uwe Schulte-Sasse. Die Familie der Frau fordert von der Fontanaklinik 860 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz, auch wegen der immensen Pflegekosten.

    Die Nachtwache, damals Medizinstudentin im zehnten Semester, war am Abend nach der achtstündigen Operation mit der Patientin allein in der Klinik geblieben. Als die Frau über Unwohlsein klagte, hängte die Nachtwache ihr irrtümlich eine Infusion mit dem Narkosemittel Propofol an. Die unbeschriftete Flasche war im OP-Saal zurückgeblieben. Die Patientin erlitt einen Herzstillstand. Erst der Notarzt konnte sie wiederbeleben - ihr Gehirn bleibt dauerhaft geschädigt.

    Anästhesist schiebt Verantwortung auf die Nachtwache

    Der Anästhesist, der fallweise von der Klinik engagiert wird, sieht die Verantwortung bei der Nachtwache. Er habe sie nicht gekannt und für eine examinierte Krankenschwester gehalten. "Es gab keinen Hinweis darauf, dass sie zu einer derartigen Wahnsinnstat im Stande ist."

    Bei einer Übergabebesprechung habe er erklärt, dass nur die bereits laufende Kochsalz-Infusion zu Ende tropfen sollte und keine neue mehr angehängt wird. Zusammen sei man noch zur OP-Tür gegangen, wo er auf den Schrank gedeutet habe, in dem sich für den Bedarfsfall Glukoselösung befindet - die Patientin ist Diabetikerin.

    Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Rüdiger Orf, ob er nicht die Propofol-Infusion hätte entsorgen müssen, sagte der Narkosearzt, er lasse nichts absichtlich liegen. Aber "es kann schon mal vorkommen, dass man abgelenkt ist und was liegen bleibt". Es gebe OP-Schwestern, die den Saal aufräumen.

    Studentin widerspricht den Ärzten

    Diese Aufgabe wurde an jenem Abend teilweise an die Nachtwache delegiert. Sie widersprach dem Anästhesisten: Ein Gespräch über Infusionen habe "nicht stattgefunden", auch kein Gang zum OP. Auf Nachfragen habe der Anästhesist sie auf den Anweisungsbogen verwiesen. Dort stand unter anderem "Infusionsrest i.V. (intravenös)", womit nach ihrer Überzeugung die Infusion im OP-Saal gemeint war. Auch als sie mit der Patientin allein war, habe sie immer nur auf zuvor erhaltene ärztliche Anweisung gehandelt. Als die Patientin über Schmerzen klagte, habe sie das Mittel Dipidolor aus einer dafür vorbereiteten Spritze verabreicht.

    Kläger-Anwältin Michaela Bürgle hielt sich nicht mehr zurück: "Sind sie immer noch der Meinung, dass sie all das dürfen?" Die junge Frau schluckte. "Der Abend, so wie er abgelaufen ist, würde heute nicht mehr so ablaufen."

    Claudia Renner

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