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Frankfurt

Schlaflos in Frankfurt

Ein Oberbürgermeister im Selbstversuch: Peter Feldmann übernachtete jetzt bei einer fluglärmgeplagten Familie in Sachsenhausen. Er möchte sich für eine Ausweitung des Nachtflugverbots auf 22 bis 6 Uhr einsetzen. Seine erste Fraport-Aufsichtsratssitzung hat er jedoch noch vor sich.

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Flugzeuge am Flughafen Frankfurt am Main.
Foto: Marc Tirl / Archiv – DPA

Frankfurt – Es muss so um 5.15 Uhr gewesen sein. Da ist der Oberbürgermeister aus dem Schlaf "so richtig hochgeholt worden". Und das, obwohl alle Fenster der Villa am Bertha-von-Suttner-Ring geschlossen waren. Peter Feldmann hat dort übernachtet, bei einer vom Fluglärm betroffenen Familie. Zum zweiten Mal. Beim ersten Treffen im Februar war der Sozialdemokrat noch OB-Kandidat gewesen. Jetzt kommt er als Stadtoberhaupt zurück – und die Leute in Sachsenhausen sind bass erstaunt. "Herr Feldmann ist der Einzige gewesen, der uns überhaupt geantwortet hatte – und deshalb haben wir ihn gewählt", sagt der Verleger Klaus Rehnig, Mitglied im Vorstand des Vereins "Stopp Fluglärm".

Früher dürfte das SPD-Wahlergebnis hier oben, in diesen von Villen gesäumten Wohnstraßen, vielleicht bei zehn Prozent gelegen haben, schätzt man in der Entourage des Oberbürgermeisters. Das hat sich geändert.

Gerade hat Feldmann im Wohnzimmer noch ins Frühstücksbrötchen gebissen, jetzt ist es 8.30 Uhr und er ist auf der Straße von Journalisten und Kamerateams umringt, improvisiert eine Pressekonferenz. "Die Flughafengesellschaft Fraport kann auf Dauer nicht im Konflikt mit der eigenen Stadtbevölkerung leben, daran kann der Aufsichtsrat kein Interesse haben", so der OB.

Am Mittag beginnt seine erste Fraport-Aufsichtsratssitzung, doch vorher wollte der Sozialdemokrat noch mal zu den betroffenen Menschen. Und die machen Druck. "Den Worten müssen jetzt Taten folgen", sagt Rehnig energisch. Wer hier im Wohngebiet eine Party feiere, werde von der Polizei gestoppt, wenn der Lärm 55 Dezibel überschreite. "Aber die Flugzeuge dürfen mit 80 Dezibel über uns hinwegdonnern."

Feldmann will dafür kämpfen, dass das Nachtflugverbot auf 22 bis 6 Uhr ausgedehnt wird: "Ich habe meine Meinung nicht geändert." Er kündigt erneut an, eine Kommission von Fachleuten zu berufen, die sich des Themas annehmen soll. Der OB verspricht eine öffentliche Veranstaltung mit Vertretern von Fraport und Lufthansa: "Die Vorstände haben schon zugesagt." In der Fluglärmkommission werde sich die Stadt jetzt entsprechend positionieren, auch im Verein "Zukunft Rhein-Main", in dem sich Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister treffen.

Am 27. September plant Feldmann außerdem ein Treffen mit Vertretern vieler Anti-Fluglärm-Gruppen. "Es braucht den Druck der Bürgerinitiativen, damit ich etwas durchsetzen kann", sagt der OB. Im kommenden Landtagswahlkampf werde er gemeinsam mit dem SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel dafür kämpfen, dass die Belastung der Menschen rund um den Flughafen endlich sinke: "Das ist Konsens in der Partei!" Und dann geht es ab Richtung Fraport-Aufsichtsrat, für Feldmann noch eine fremde Welt. Er will erst einmal zuhören, sich orientieren, verstehen.

Mainzer Rhein-Zeitung
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