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Zornheim

Pietà-Bildhauer hinterließ wichtige Spuren

Der Ärger um die vom Mombacher Bildhauer Frans Vlasdeck einst gestaltete Marienstatue in Zornheim geht weiter. Seine Nachfahren protestieren gegen die Versetzung der Figur vom Altarraum ins Kirchenschiff.

Der Bildhauer Franz Vlasdeck und seine Frau Emilie. 
Foto: privat
Der Bildhauer Franz Vlasdeck und seine Frau Emilie.
Foto: privat – fdsa

Zornheim – Die Angehörigen von Franz Vlasdeck sind sauer. Der Mombacher Bildhauer und Bauunternehmer hat Ende des 19. Jahrhunderts die Marienstatue gestaltet, um die seit einiger Zeit in Zornheim heftig gestritten wird (wir berichteten). Die Figur soll vom Altarraum ins Kirchenschiff versetzt werden, damit der Taufstein künftig zentraler ins Geschehen rücken kann (siehe Kasten.)

Für die Familie seiner Enkelin sind aber nicht die religiösen Gründe ausschlaggebend für deren Protest gegen die geplante Versetzung des Werks an einen anderen Standort in der katholischen Kirche. Im Unterschied zu den Zornheimern (siehe Kasten) führen sie ausschließlich künstlerische und historische Gründe an, die aus ihrer Sicht gegen eine Verlagerung sprechen.

"In Zornheim weiß niemand, wer Franz Vlasdeck war", sagt die Enkelin des Künstlers, die Mombacherin Ingrid Auer, geborene Vlasdeck. Der gelernte Bildhauer und Bauunternehmer Franz Vlasdeck (1859 bis 1933) lebte lange in Mombach und hat im gesamten Rhein-Main-Gebiet deutliche Spuren hinterlassen. Das älteste bekannte Werk ist ein geschnitzter Fassboden aus Eichenholz im Fasskeller der Sektkellerei Kupferberg aus dem Jahr 1894. Das zweitälteste Werk sei die Marienfigur mit Jesus für die 1895 eingeweihte Bartholomäuskirche in Zornheim gewesen.

Eine entsprechend hohe Bedeutung habe die Pieta. "Man hätte sich in Zornheim rechtzeitig über die Hintergründe informieren müssen", bekräftigt Ehemann Rolf Auer. Der gebürtige Dotzheimer ist der Vorsitzende des Dotzheimer Heimatvereins und Leiter des Museums Dotzheim. Auer: "Man sollte die Bedeutung der Madonna und des Künstlers ins rechte Bewusstsein rücken", meinen sie.

Weitere Spuren in Mainz hinterließ Franz Vlasdeck am Frankfurter Hof in der Augustinerstraße und im Rosengarten: Dort kreierte er eine Josefsstatue und vier Putten. In seiner späteren Zeit als Bauunternehmer gestaltete er eine Häuserzeile in der heutigen Straße Am Mahnes im Mainzer Stadtteil Mombach.

Auch am Wiesbadener Hauptbahnhof und am Hessischen Staatstheater hat Franz Vlasdeck seine Spuren hinterlassen und verschiedene Skulpturen kreiert. Im August 1909 erhielt er bei der Einweihung des Königlichen Theaters in Kassel das Prädikat des "Königlichen Hofbildhauers" verliehen.

Auch sozial sei der Bildhauer Franz Vlasdeck sehr engagiert gewesen, lobt seine Enkelin. Für seine Arbeiter habe er regelmäßig Busse gechartert, die diese zur Arbeit fuhren. In Mombach ist man sich der Bedeutung von Franz Vlasdeck übrigens durchaus bewusst: Im Sommer 2008 gab es eine Sonderausstellung des Vereins für Mombacher Ortsgeschichte zu Ehren des Künstlers. Eine Grünanlage im Herzen Mombachs trägt seinen Namen.Oliver Gehrig

Mainzer Rhein-Zeitung
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