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"Ortsbeiräte haben nicht zu melden"

Finthen – Nach mehr als 33 Jahren leidenschaftlichen und durchaus streitbaren Engagements im Ortsbeirat hat der Finther Sozialdemokrat Dieter Trenner jetzt der Stadt die Brocken hingeworfen und in der von Zorn und Enttäuschung geprägten letzten Ortsbeiratssitzung des Jahres erklärt: "Die Vaterstadt Mainz behandelt mich Finther Bürger wie ein Stiefkind. Ich lege mein Mandat mit dem heutigen Tag nieder."

Sagt im MRZ-Gespräch, was ihn alles störte: Dieter Trenner. 
Foto: Braun
Sagt im MRZ-Gespräch, was ihn alles störte: Dieter Trenner.
Foto: Braun

Der Grund: "Ich kann mich nicht mehr hinstellen und sagen, macht euer Kreuzchen und es wird alles prima." Immer neue Enttäuschungen hat er um den Bau der Sporthalle erlebt. Vor über zwei Jahren fest versprochen und seit Jahrzehnten gefordert, soll die Halle nun erst in ein paar Jahren realisiert werden. Das brachte für den wortgewandten Trenner das Fass zum Überlaufen, denn sogar das glaubt er nicht mehr. Der Vorwurf gehe hier nicht an die ADD, die die Gelder nicht freigibt. Er würde an deren Stelle genauso handeln, sagt Trenner im MRZ-Gespräch. Denn ohne eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung gehe es nicht.

"Das hat der Stadtrat in den vorhergehenden zwei Legislaturperioden nicht zustande gebracht und auch in der jetzigen nicht." Ohne eine Erhöhung der Grundsteuer und/oder der Gewerbesteuer sieht Trenner kein Land. Dieses Statement richtet sich an CDU und FDP. Der Hauptvorwurf aber geht an die Stadt mit allen Fraktionen. "Für mich ist der entscheidende Punkt die auf lange Sicht fehlende Solidarität mit unserem Stadtteil." Als Finther hat er sich vehement für die Finther eingesetzt. "Einen Platz im Stadtrat habe ich nie angestrebt oder andere politische Funktionen." Zermürbt und enttäuscht hat letztlich aber die Art und Weise, wie die Stadt das Gefühl vermittelt hat, Anregungen aus dem Stadtteil nicht ernst zu nehmen: "Hätte das Ganze vor Gericht stattgefunden, hätte man von fehlender Fürsorgepflicht der Stadt gesprochen." Das Fazit: "Der Stadtrat müsste, wie auch immer, Kompetenzen abgeben."

Und er erinnert sich und nennt ein Beispiel für den Frust: Im Bemühen, die Bürgerhausnutzung für die Vereine kostenlos zu halten, erhielt der Ortsbeirat den Hinweis auf das Congress Centrum Mainz (CCM) als Eigentümer. "Die Antworten aus der Stadtverwaltung sind juristisch richtig, aber unsolidarisch." Man hätte mit den Leuten vom CCM reden können, findet er.

Auch die seit vielen Jahren geforderte Autobahnanbindung für das Viertel Römerquelle, "Mitte der 70er vom Stadtrat hingestellt, ohne über Verkehr nachzudenken", gibt es immer noch nicht. Noch einige Punkte nennt er, die fehlende Sporthalle aber ist im Moment das Hauptärgernis, denn die Vereine müssen mittlerweile Aufnahmeanträge ablehnen. Einige Wochen hat Dieter Trenner um seinen Entschluss gerungen: "Am Anfang fiel mir der Gedanke schwer, doch jetzt bin ich mit mir im Reinen." Der Ortsbeirat soll nach seiner Meinung weiter bestehen, aber die Direktwahl der Gremiumsmitglieder solle man wieder abschaffen. "Dann könnte man wenigstens Geld sparen und würde den Bürgern nicht vorgaukeln, dass damit auch mehr Kompetenzen für die namentlich Gewählten verbunden seien." Am Ende wird Trenner milde und schiebt die Gedanken an Verwaltung und Stadtrat beiseite, sagt in Gedanken an all die gemeinsamen Anstrengungen im Stadtteil und auch das Erreichte: "Der Ortsbeirat Finthen ist ein guter." Helene Braun

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