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Mainz

MRZ-Gespräch: Mainz kann junge Filmemacher nicht halten

Keine Filmförderung, kein Filmfestival mehr: Wohin steuert die Medienstadt Mainz? Mit Urs Spörri und Jonas Vomstein aus der Filmz-Festivalleitung haben wir über die Filmszene in Mainz, über das neue Studiensystem und die Zukunft des Filmfestes gesprochen.

Foto: Harry Braun

Mainz – Mit dem vorläufigen Ende von Filmz stirbt ein Stück Filmkultur in Mainz. Warum es junge Filmemacher in Rheinland-Pfalz sowieso schwer haben und wie es mit dem Filmfestival 2013 weitergehen kann, erklären die Festivalmacher Jonas Vomstein und Urs Spörri im MRZ-Gespräch:

Seit einer Woche ist klar, dass Filmz dieses Jahr nicht stattfindet. Was hattet Ihr für Reaktionen darauf?

Jonas Vomstein: Viele waren geschockt und haben uns ermutigt, das Festival nicht sterben zu lassen. Der Zuspruch und die Diskussion, etwa in vielen Facebook-Gruppen, ist enorm. Das ist super und spricht für das große Zuschauerinteresse.

Urs Spörri: Ich komme gerade von der Berlinale und viele junge Filmemacher haben mich dort auf Filmz angesprochen, bedauern die Pause. Darunter waren auch Leute, die gehofft haben in diesem Jahr vielleicht in der Filmauswahl dabei zu sein. Schon irre, welches Renommee Filmz weit über Mainz hinaus hat.

Vomstein: Dazu noch ein Beispiel: Der Film "Raju" von dem Regisseur Max Zähle lief bei Filmz – jetzt ist er für einen Oscar nominiert.

Was bedeutet das vorläufige Ende vom Filmz für die Medienstadt Mainz?

Spörri: Während des Festivals ist Mainz eine Woche lang Kinostadt. Es kommen zig Filmemacher aus Deutschland, das Festival ist Plattform und Kontaktbörse. In eine Medien- und Filmstadt gehört ein Filmfestival. Wir sind das älteste Langfilmfestival des Landes. Das darf man nicht sterben lassen. Hinzu kommt, dass wird neben Saarbrücken das einzige Festival sind, auf dem mittellange Filme laufen, die zwischen 20 und 45 Minuten dauern. Im Unterschied zu den langen Spielfilmen, die in der Produktion sehr teuer sind, sind diese mittellangen Filme echte deutsche Autorenfilme. Und denen bieten wir hier eine Plattform.

Vomstein: Es gibt hier in Mainz viele Leute, die im Bereich Film und Medien an Uni und Fachhochschule ausgebildet werden. Nach dem Studium sind die meisten gezwungen wegzugehen, vor allem auch, weil Rheinland-Pfalz als einziges Bundesland keine Filmförderung hat. Im Grunde kann man hier kaum als Filmschaffender überleben, außer man dreht seine Filme in den Nachbarbundesländern.

Spörri: Übrigens ist das Thema Filmförderung auch von Filmz erneut angestoßen worden. Dank einer Podiumsdiskussion beim Festival 2011 gibt es jetzt im März ein Treffen mit Mainzer Filmschaffenden und Landtagsabgeordneten – dabei wird es um die Filmförderung gehen.

Bei Filmz fehlt Geld, aber auch der Nachwuchs. Wie stark hängt das mit dem neuen Studiensystem zusammen?

Vomstein: Sehr stark. In unserem Kernteam von noch etwa 13 Leuten, gibt es genau zwei Bachelor-Studenten. Die wichtigsten Posten sind von Absolventen oder von Diplom- oder Magisterleuten besetzt.

Spörri: Wir sind, wie viele andere Vereine und Initiativen auch, getrieben von dem neuen Studiensystem. Das kündigt sich seit zwei, drei Jahren an. Deswegen sagen wir jetzt ganz klar: Es geht so nicht mehr weiter. Alternativ hätten wir Filmz schleichend sterben lassen können. Das wollten wir nicht, deswegen machen wird jetzt Pause.

Aus eigener Erfahrung: Wie sinnvoll findet Ihr das Bachelor-Mastersystem für geisteswissenschaftliche Fächer wie etwa Filmwissenschaft?

Spörri: Schwierig. Filmwissenschaft ist kein Schulfach. Man muss im Studium die Zeit haben, seinen Blick weiten zu können. Man bekommt viel mit über die Uni, aber das kann nicht alles sein. Ohne mein Engagement bei Filmz und die daraus resultierenden Kontakte wäre ich beruflich nicht da, wo ich jetzt stehe. Ich bin vom Land etwa auch in die Jury der Deutschen Film- und Medienbewertung berufen worden, als einer der Jüngsten, und das vor allem wegen Filmz. Das Festival genießt hohes Ansehen.

Vomstein: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Leute in Vorstellungsgesprächen sich nur am Rande für mein Studium interessieren. Die meisten wollen wissen, was ich bei dem Festival gemacht habe.

Wie wird es jetzt mit Filmz weiter gehen?

Spörri: Wir werden mit Politikern von Stadt und Land reden. Die Stelle eines Geschäftsführers ist dringend notwendig. Das Festival ist inhaltlich so stark gewachsen und dabei sind die Strukturen nie mitgewachsen.

Vomstein: Alle Ordner, Verträge und Unterlagen lagern in privaten Kellern. Ansonsten haben wir bei der Produktionsfirma Kontrastfilm einen Anrufbeantworter und ein Postfach. Hätten wir das nicht, würde uns kein Verleih einen Film zusenden. Für Besprechungen treffen wir uns in Seminarräumen oder in Kneipen.

Spörri: Das kann so nicht weiter funktionieren. Stadt und Land müssen sich jetzt einfach entscheiden, ob sie Filmz weiterhin wollen.

Das Gespräch führte Andrea Wagenknecht

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