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    Mainzer Verlag kündigt Vertrag mit Amazon

    Der Mainzer Verlag André Thiele (VAT) hat seinen Kooperationsvertrag mit dem Versandhändler Amazon gekündigt. Damit folgt Verleger Thiele seinem Verleger-Kollegen Christopher Schroer, der bereits Mitte Februar einen offenen Brief an Jeff Bezos, Gründer und Präsident des amerikanischen Konzerns amazon.com, schrieb.

    Das Logistikcenter von Amazon in Bad Hersfeld. Wegen Leiharbeit ist der Versandhändler in die Kritik geraten. 
Foto: dpa
    Das Logistikcenter von Amazon in Bad Hersfeld. Wegen Leiharbeit ist der Versandhändler in die Kritik geraten.
    Foto: dpa

    Mainz – Der Mainzer Verlag André Thiele (VAT) hat seinen Kooperationsvertrag mit dem Versandhändler Amazon gekündigt. Damit folgt Verleger Thiele seinem Verleger-Kollegen Christopher Schroer, der bereits Mitte Februar einen offenen Brief an Jeff Bezos, Gründer und Präsident des amerikanischen Konzerns amazon.com, schrieb. Darin kündigte er alle Zulieferer- und Kundenkonten bei Amazon.

    Jetzt zieht der Mainzer André Thiele nach. Im Kündigungsschreiben, das auf der Internetseite des Verlags ( www.vat-mainz.de) veröffentlicht ist, macht der Verleger seinem Ärger über das Verhalten des Versandhändlers Luft (siehe Kasten): "Seit 2008 habe ich die katastrophal schlechten Konditionen, die Sie mir als Kleinverleger gewährten ,geschluckt'", hießt es in der Kündigung etwa.

    Die ARD-Dokumentation über die Arbeitsbedingungen bei Amazon sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, erklärt VAT-Mitarbeiterin Kristina Rubel: "Wir hatten schon lange Probleme bei der Abwicklung der Bestellungen." Der Service bei Amazon sei schlecht, es fehle ein Ansprechpartner, Rechnungen müssen nach Großbritannien gesendet werden, das Porto für die Bestellungen tragen man als Verlag selbst außerdem laufe die Kommunikation mit dem Konzern ausschließlich über Hotlines oder E-Mail, so Rubel. "Für einen Minimalbetrag, der etwa in einer Rechnung nicht stimmt, muss unsere Vertriebsmitarbeiterin zig Mal telefonieren oder mehrere Mails schreiben. Es wird sehr viel Arbeitszeit investiert. Unterm Strich hat sich Amazon für uns nicht mehr gelohnt."

    Dass die Bedingungen für kleine Verlage bei Amazon teils katastrophal sind, findet auch Angelika Schulz-Parthu, Leiterin des Leinpfad Verlag in Ingelheim. Dennoch kommt eine Kündigung des Kooperationsvertrags mit Amazon für sie nicht infrage. "Wir machen acht Prozent unsere Gesamtumsatzes über Amazon." Es wäre geschäftlich unklug, da auszusteigen, so Schulz-Parthu. Obwohl sie die Arbeitsbedingungen grauenhaft fände, sei die Listung bei Amazon extrem wichtig. Über Amazon, so die Verlagsleiterin, verkaufe man etwa auch Titel von der Backlist, also Bücher, die bereits vor Jahren erschienen sind. "Zum Teil zähneknirschend machen wir da also weiterhin mit", so Schulz-Parthu.

    Weiterhin dabei bleibt auch der Hermann Schmidt Verlag aus Mainz. Der Umsatz, den man über Amazon generiere, sei nicht wahnsinnig hoch, aber wichtig für den Verlag, erklärt Karin Schmidt-Friderichs vom Hermann Schmidt Verlag. Die Strategie des Verlags sei es nun aber, vermehrt den lokalen Buchhandel zu stärken. "Wir investieren viel Zeit, Aufwand und Geld, um in kleinen Independent-Buchhandlungen unsere Bücher vorzustellen", so Schmidt-Friderichs. "Mir macht es mehr Angst, dass durch die Konzerne und den Online-Versandhandel wichtige Strukturen zerschlagen werden."

    Der Ventil Verlag hat nie einen Kooperationsvertrag mit Amazon abgeschlossen. "Das stand für uns nie zur Debatte, da ja Amazon schon vor der ARD-Reportage nicht gerade als Kurbad bekannt war", sagt der Verlag auf MRZ-Anfrage. Die Bücher des Ventil Verlag sind aber dennoch über Amazon bestellbar. "Wir ,verkaufen' unsere Bücher zu dem geschäftsüblichen Rabatt von 50 Prozent an die beiden großen Sortimenter, die ihrerseits die Ware an Amazon weiterverkaufen", erklärt das Team des Verlags. Die direkte Kommunikation mit Amazon sei den Ventil-Mitarbeitern bisher "zum Glück" erspart geblieben. Andrea Wagenknecht

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