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Mainz

Mainzer Unternehmen machen Jagd auf Azubis

Die Wirtschaft boomt, doch die Nachwuchskräfte gehen aus. Unternehmen machen Jagd auf die besten Azubis. Der Wettbewerb um Auszubildende fürs kommende Jahr läuft längst – fast ein Jahr im Voraus.

Kfz-Mechantroniker, Industriemechaniker oder Elektroniker: Technische Berufe sind bei Jungen heiß begehrt. Mädchen zieht es eher in den Handel oder ins Büro.
Kfz-Mechantroniker, Industriemechaniker oder Elektroniker: Technische Berufe sind bei Jungen heiß begehrt. Mädchen zieht es eher in den Handel oder ins Büro.

Mainz – Die Wirtschaft boomt, doch die Nachwuchskräfte gehen aus. Der von der Politik viel beschworene Fachkräftemangel ist bereits Realität.

Deshalb machen Unternehmen Jagd auf die besten Azubis. Der Wettbewerb um Auszubildende fürs kommende Jahr läuft längst – fast ein Jahr im voraus.

Derzeit haben bei der Agentur für Arbeit die Unternehmen aus Mainz und Rheinhessen insgesamt 1605 Lehrstellen gemeldet, laut Petra Seifert vom Arbeitgeberservice rund 150 mehr als im Oktober 2010.

Auch die Bewerber kümmern sich früher um ihre berufliche Zukunft. Bei der Agentur sind inzwischen 1500 registriert, gegenüber 2010 ebenfalls ein Plus von 150.

Was aber nicht bedeutet, dass es mehr Kandidaten für die angebotenen Jobs gibt. "In absoluten Zahlen gesehen, ist der Bewerbermarkt rückläufig", betont Seifert, "auch wenn es in der Region erst ab 2013 so richtig eng wird.

Der Zeitpunkt der Meldungen hat sich nur nach vorne verschoben. Unter anderem wegen der Aktivitäten der Agentur, wie Daniel Lips meint. Nach den Worten des Bereichsleiters gehen die Berater inzwischen in die Vorabgangsklasse und bieten Hilfen zur Berufsorientierung. Und das trage Früchte.

Auch die Arbeitgeber sichern sich angesichts sinkender Schulabgängerzahlen ihren Nachwuchs so früh wie möglich. So stehen die Chancen noch gut, dass sie ihren Wunschkandidaten aus dem Angebot herausfischen. Großbetriebe, Banken und Versicherungen haben ihre Akquise teils schon abgeschlossen.

"Wer jetzt erst aufwacht, sollte sich beeilen, will er eine Lehrstelle in seinem Traumberuf ergattern", sagt Lips. Denn grundsätzlich gilt: "Je qualifizierter die angestrebte Ausbildung, desto früher müssen sich die Bewerber dem Auswahlverfahren stellen."

Hört sich ja erst mal nicht nach Nachwuchsmangel an. Doch der Schein trügt. Top-Unternehmen wie Schott oder Boehringer Ingelheim brauchen sich nach wie vor keine Sorgen machen.

Seifert zufolge ist aber die Resonanz auf Angebote anderer Branchen gleich null. Besonders die Pflegeberufe haben das Nachsehen. "Viele Bewerber, die in ihrem Traumjob nicht unterkommen, etscheiden sich dann doch für ein Studium oder besuchen weiterführende Schulen", führt Lips aus.

Wieder anderen fehle es an der nötigen Ausbildungsreife, was sich in schlechten Noten oder mangelnder Sozialkompetenz widerspiegele. Doch angesichts der demografischen Entwicklung drückten Arbeitgeber bei einem nicht so guten Zeugnis beide Augen zu, organisierten auf eigene Kosten Nachhilfeunterricht.

"Die Firmen stellen heute Schulabgänger ein, die sie vor zwei Jahren nicht genommen hätten", bestätigt auch Jürgen Czupalla, Chef der Arbeitsagentur. Ein Indikator dafür: "Immer weniger Jugendliche gehen in berufsvorbereitende Maßnahmen", so Lips.

Und: Die Firmen planen vorausschauend. Mit der Folge, dass sie mehr Lehrstellen melden. Was auch für Handwerksbetriebe gilt, die in den vergangenen Jahren recht spät mit ihren Ausbildungsplätzen an den Markt gingen.

"Die Firmenchefs bieten aus der Not heraus Lehrstellen früher an", resümiert Elvira Gemmer, Berufsbildungsreferentin bei der Handwerkskammer Rheinhessen. Zumal wenn sie wissen, dass absehbar ein qualifizierter Mitarbeiter in den Ruhestand geht. Tritt der Nachwuchs früh in die Firma ein, bleibt genügend Zeit, das Know-how weiterzugeben.

Die weniger beliebten Branchen wie Nahrungsmittelgewerbe oder Gastronomie müssen sich erst recht sputen. In den vergangenen Jahren blieben viele ihrer Ausbildungsplätze unbesetzt.

Dass Firmen mit besonderen "Bonbons" um Azubis werben, ist in Rheinhessen eher die Ausnahme. "Es gab mal einen Fall, da wurden Fußballkarten angeboten", erinnert sich Seifert.

Die Unternehmen setzten dagegen eher auf Hausbörsen, bei denen sich Interessierte über potenzielle Arbeitgeber informieren können.

Seifert rechnet damit, dass es nach dem ersten Schwung auf dem Ausbildungsmarkt bis Jahresende ruhiger wird. "Von Januar bis März kalkulieren viele Firmen das neue Jahr.

Dann geht es in die nächste Runde.

Von unserer Redakteurin Sabine Jakob

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