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Mainz

Mainzer OB-Wahl: Wie Günter Beck wie Silvester Stallone bei den Grünen Einzug hält

Mit 100 Prozent Ja-Stimmen wählten die Grünen-Deligierten ihren Frontmann Günter Beck zum OB-Kandidaten. Eindrücke von einem euphorischen Abend.

"Bin ein emotionaler Typ": Günter Beck nach dem 100-Prozent-Ergebnis.
"Bin ein emotionaler Typ": Günter Beck nach dem 100-Prozent-Ergebnis.
Foto: Bernd Eßling

Mainz – Am Abend des 7. Juni 2009 muss Günter Beck erst einmal dem Trubel entfliehen. 21,9 Prozent haben "seine" Grünen in Mainz geholt und damit das Landesergebnis von 8,1 Prozent nahezu verdreifacht.

Erstes Training: Umweltdezernentin Katrin Eder überreicht ihrem Stadtvorstandskollegen grüne Boxhandschuhe. Auf harte Gefechte wird er sich im OB-Wahlkampf einstellen müssen.
Erstes Training: Umweltdezernentin Katrin Eder überreicht ihrem Stadtvorstandskollegen grüne Boxhandschuhe. Auf harte Gefechte wird er sich im OB-Wahlkampf einstellen müssen.
Foto: Bernd Eßling

"Ich hätte auch 12 Prozent für ein gutes Ergebnis gehalten", erinnert sich Beck an den Triumph, der in der Landeshauptstadt eine bemerkenswerte Erfolgsstory der Grünen einleitete.

Mehr als zwei Jahre später erzählt der heute 55-Jährige diese Anekdote ganz bewusst: Beck ist mittlerweile Bürgermeister, also der zweite Mann im Rathaus. Und er will der Erste werden.

Genau wie die 61 Parteimitglieder, die zur Nominierungsversammlung auf die Zitadelle gekommen sind. Vorbei jene Zeiten, in denen sich die Flügel der Ökopartei, wie sie früher gerne genannt wurde, selbst zerfleischten.

Fast schon amerikanisch kommen die Grünen 2011 daher, wenn sie ihren Günter auf den Schild heben: Rhythmischer Applaus, Jubel.

Als das 100-Prozent-Ergebnis verkündet wird, stülpen ihm die Parteisprecherin Katharina Binz und Umweltdezernentin Katrin Eder grüne Boxhandschuhe über. Dazu läuft die Titelmelodie des Boxklassikers "Rocky".

Dass Silvester Stallone bei den Grünen Einzug gehalten hat, ist eigentlich unvorstellbar. Genau wie das sozialistische Wahlergebnis. Wie berichtet, haben 60 der 61 Stimmberechtigten für Beck gestimmt. Nur er selbst hat sich enthalten.

"Früher waren unsere Kandidaten froh, wenn sie 60 Prozent hatten", erinnert sich Neustadt-Ortsvorsteher Nico Klomann an längst vergangene Grabenkämpfe.

Auch der Hoffnungsträger kann es kaum fassen. "Oh Gott", stöhnt Günter Beck auf, als ihn Daniel Köbler als "grünen Helden" bezeichnet.

Doch Beck wäre nicht Beck, würde er die Euphorie nicht selber schüren. "Das ist ein historischer Moment. Wir können es schaffen", beschwört er die Basis und lässt keinen Zweifel daran, dass Michael Ebling sein Hauptgegner ist.

Den SPD-Chef in die Stichwahl zu zwingen, das ist sein erstes Ziel.

Dass der aktuelle Koalitionspartner im Wahlkampf nicht zimperlich sein wird, steht für den Gonsenheimer außer Frage: "Die SPD wird alles dran setzen, die Tradition des roten Rathauses fortzusetzen. Dafür wird es auch eine Materialschlacht geben."

Und wenn auch Beck den CDU-Bewerber Lukas Augustin nicht als den Hauptkonkurrenten ansieht, so warnt er seine Parteifreunde doch davor, den Christdemokraten auf die leichte Schulter zu nehmen: "Für die CDU geht es ums Überleben. Es ist deren letzte Chance."

So geht der OB-Kandidat der Grünen denn auch davon aus, dass er von beiden Seiten Anfeindungen ausgesetzt sein wird. Sein Selbstbewusstsein schmälert das indes nicht.

Denn er ist ja nicht irgendwer: Dass in der Stadt erstmals "ernsthaft um Sparwege gestritten wird", daran gibt sich der städtische Finanzdezernent einen gehörigen Anteil. "Das ist ein Paradigmenwechsel."

Ob allerdings die Kürzungen wirklich bei der Hundesteuer oder den Blumenbeeten anfangen müssen, bezweifelt er: "Ich hätte da andere Ideen gehabt."

Keinen Zweifel hingegen lässt er an einem auch künftigen knallharten Sparkurs zu: "Sonst reden wir nicht mehr über Grünanlagen, sondern über Schulen oder Busse."

Selbst diese Aussagen werden von den Grünen gefeiert. Günter Beck scheint tatsächlich ihr Held.

Von unserem Lokalchef Thomas K. Slotwinski

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