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    Laub-Prozess: Mainz 05 fegt Wohnbau vom Platz

    Die Interessen des Imageträgers Fußball waren stärker als aufkommende Bedenken. Früher hatten die Parteifreunde ständig miteinander zu tun. Am Mittwoch sahen sich der wegen Untreue angeklagte Ex-Wohnbau-Geschäftsführer Rainer Laub und der frühere Mainzer Baudezernent Norbert Schüler vor dem Landgericht Koblenz wieder, letzterer als Zeuge.

    Mainz 05 hat vom finanziellen Entgegenkommen der Wohnbau bei der Rückzahlung des 1,5-Millionen-Kredits für die VIP-Tribüne im Bruchwegstadion profitiert. Vereinspräsident Harald Strutz störte es jedenfalls nicht, dass es fünf Jahre lang keinen schriftlichen Rückzahlungsvertrag gab.
    Mainz 05 hat vom finanziellen Entgegenkommen der Wohnbau bei der Rückzahlung des 1,5-Millionen-Kredits für die VIP-Tribüne im Bruchwegstadion profitiert. Vereinspräsident Harald Strutz störte es jedenfalls nicht, dass es fünf Jahre lang keinen schriftlichen Rückzahlungsvertrag gab.
    Foto: Frey

    Mainz/Koblenz - Die Interessen des Imageträgers Fußball waren stärker als aufkommende Bedenken. Früher hatten die Parteifreunde ständig miteinander zu tun. Am Mittwoch sahen sich der wegen Untreue angeklagte Ex-Wohnbau-Geschäftsführer Rainer Laub und der frühere Mainzer Baudezernent Norbert Schüler vor dem Landgericht Koblenz wieder, letzterer als Zeuge.

    Ex-Baudezernent Schüler wirkte als Zeuge entspannt.
    Ex-Baudezernent Schüler wirkte als Zeuge entspannt.
    Foto: Bernd Eßling (Archiv)

    Die Frage: Agierte Laub bei dem von der Staatsanwaltschaft monierten Bau der 1,5 Millionen Euro teuren VIP-Tribüne im Bruchwegstadion als einsamer Entscheider - oder hat ihn der politisch besetzte Aufsichtsrat mehr oder weniger dazu gedrängt ?

    Zu Laubs Angaben, Schüler sei 2002 oder 2003 mit der Bitte um Hilfe für den damals klammen Zweitligisten an ihn herangetreten, sagte Schüler: "Das kann ich so nicht bestätigen." Der äußerst entspannt wirkende 66-jährige Pensionär, seinerzeit beratendes Mitglied im Wohnbau-Aufsichtsrat, bestätigte jedoch: In der entscheidenden Sitzung im Juni 2003 habe es kritische Stimmen zu dem Projekt gegeben. Seine eigene Rolle im Aufsichtsrat habe sich aber stets auf das rein Baufachliche bezogen. Für das Finanzielle "war der Finanzdezernent gefragt", betonte Schüler.

    Den Schwarzen Peter weitergereicht

    Damit schob er den Schwarzen Peter dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden OB Jens Beutel zu, der in der Stadt auch für Finanzen zuständig war. Beutel hat bereits ausgesagt, der Tribünenbau sei Sache des operativen Geschäfts gewesen, sprich: von Laub. Der Zirkelschluss war perfekt. Aber, so Schüler: "Ich habe den Diskussionsstand als zustimmende Kenntnisnahme des Aufsichtsrats empfunden."

    Eine Interpretation, der Rainer Christ (58) nicht widersprach. "Es war ein Risiko in dieser Maßnahme das war allen klar", sagt der Sozialdemokrat, der von 2002 bis 2009 im Aufsichtsrat saß. Er selbst habe sich in der denkwürdigen Sitzung im Sommer 2003 nicht zu Wort gemeldet. Aber hätte er es getan, "ich hätte eher nicht zu den Kritikern gehört", räumte Christ ein.

    CDU-Fraktionschefin Andrea Litzenburger (54) kam 2004 zum Aufsichtsrat. Da stand die VIP-Tribüne schon. Als Aufsichtsrätin habe sie erst in der Sitzung vom Sommer 2006 erfahren, dass Mainz 05 noch 1,6 Millionen Euro schuldig war, betonte sie. Auf Fragen des Vorsitzenden Richters Winfried Hetger nach späteren Aufsichtsratssitzungen bis zu ihrem Ausscheiden im Sommer 2009 bestätigte Litzenburger lediglich den Inhalt der äußerst knapp gehaltenen Protokolle.

    Grundsatzfragen waren Nebensache

    Der für das Verfahren wichtige Punkt, ob eine VIP-Tribüne mit dem Gesellschaftszweck der Wohnbau überhaupt vereinbar war, spielte nach Zeugenangaben in der Praxis kaum eine Rolle. "Wenn die Geschäftsführung, der Finanzdezernent und das Beteiligungsdezernat diese Bedenken nicht äußern, habe ich sie auch nicht", beschied Ex-Baudezernent Schüler das Gericht. Den Verein als Vertragspartner brauchten solche Grundsatzfragen schon gar nicht zu kümmern.

    Harald Strutz (60), der auch im Gerichtssaal mit dem gewohnten Selbstbewusstsein auftretende 05-Präsident, hat auch die über Jahre hinweg fehlende schriftliche Rückzahlungsvereinbarung über die 1,5 Millionen Euro nicht vermisst. "Bloß weil ich Rechtsanwalt bin, muss ich keinen schriftlichen Vertrag haben", erklärte der Jurist und sportpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Stadtrat.

    Der Verein habe sich eben zugetraut, den Kredit bedienen zu können. Außerdem: "Wir haben die Wohnbau, die Stadt Mainz und uns schon so als Einheit gesehen."

    Von unserer Redakteurin Claudia Renner

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