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Kostheim wird Papiertuchzentrum in Europa

Kostheim – Die größte Firmen-Investition in der Geschichte Mainz-Kostheims steht kurz vor der Fertigstellung. Mit einem Richtfest feierte die Kostheimer SCA-Papierfabrik gestern Nachmittag den Hallenrohbau für die neue Papiermaschine "PM 5". 118,4 Millionen Euro investiert der schwedische SCA-Mutterkonzern in den Ausbau seines Standortes Kostheim.

Foto: dpa

Kostheim – Die größte Firmen-Investition in der Geschichte Mainz-Kostheims steht kurz vor der Fertigstellung.

Mit einem Richtfest feierte die Kostheimer SCA-Papierfabrik gestern Nachmittag den Hallenrohbau für die neue Papiermaschine "PM 5". 118,4 Millionen Euro investiert der schwedische SCA-Mutterkonzern in den Ausbau seines Standortes Kostheim.

Die neue Papiermaschine soll im April 2013 in Betrieb gehen. Mit der neuen "PM 5" will das Kostheimer Werk seine 500 Arbeitsplätze sichern und die jährliche Papiererzeugung von 100 000 auf 150 000 Tonnen steigern. Damit wird Kostheim nach Vorgabe von SCA das neue "Papiertuchzentrum in Europa". In Kostheim werden Papiertücher der Marke "Tork" für nahezu alle Bereiche des Haushalts und des täglichen Bedarfs produziert: Falthandtücher, Küchenrollen, Putzrollen, Haushaltstücher, Servietten, Toilettenpapier, Damenbinden, Babywindeln, Verpackungen, Kartonagen und Druckpapiere. "Tork" wird weltweit in 80 Länder verkauft, der Umsatz liegt bei mehr als einer Milliarde Euro jährlich. Der schwedische SCA-Konzern hat seinen Hauptsitz in Stockholm und beschäftigt weltweit mehr als 37 000 Mitarbeiter.

150 Tonnen schwerer Zylinder

Der Schwerpunkt der Neubauarbeiten im Kostheimer Werk am Mainufer ist – im wahrsten Sinne des Wortes – die Anlieferung des 150 Tonnen schweren "Yankeezylinders" der neuen Papiermaschine. Dieses acht Meter lange "Monstrum" hat einen Durchmesser von 5,5 Metern und hat die Funktion eines "überdimensionalen Bügeleisens", welches das Papier glättet und trocknet. Dieses Herz der neuen Papiermaschine wird in der Nacht von 7. auf 8. Oktober um 3 Uhr morgens geliefert. Der Transport läuft zunächst über den Wasserweg auf dem Main und dann vom Mainufer ins nahe gelegene Werk per Laster. "Das wird ein großes Spektakel", verspricht Kostheims SCA-Werkleiter Ulrich Beltz schon jetzt allen Presseleuten, Fotografen und Schaulustigen.

630 Pfähle gebohrt

Der Werkleiter kann mit beeindruckenden Zahlen auftrumpfen: Zunächst mussten für das neue Papierzentrum 630 Pfahlfundamente bis zu 25 Meter tief in den Boden gebohrt werden, um die Bodenplatten zu befestigen. 50 000 Kubikmeter Erde wurden ausgehoben, das entspricht der Gesamtmenge von 3500 Lasterladungen. 15 000 Tonnen Ortbeton, weitere 1500 Tonnen Betonstahl und 2000 Stück Betonfertigteile wurden eingebaut. Bis zu 2,5 Kilometer Grundleitungen wurden verlegt. Dazu waren bis zu 350 Arbeiter von 60 verschiedenen Firmen gleichzeitig auf der Baustelle im Einsatz. Unfälle blieben bisher aus. "Wir drücken die Daumen, dass das auch so bleibt", sagte Beltz.

"Seit dem ersten Spatenstich im Dezember hat sich viel in Kostheim getan", lobte Wiesbadens Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) mit Blick auf die beiden Hallen-Rohbauten im Zentrum der Papierfabrik. Baubeginn war im November 2011, der erste Spatenstich folgte am 9. Dezember. Die finale Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz kam im Februar. "Ob früher Apura oder jetzt SCA, in Kostheim ist man zurecht stolz auf die Papierproduktion", lobte Bendel. "Viele Kostheimer haben Brot und Arbeit beim größten Arbeitgeber des Ortes gefunden." Bendel lobte speziell das Umweltengagement des Konzerns, für das der SCA-Konzern bereits etliche Preise eingeheimst hat.

Als Klimaschutzunternehmen hat sich die Firma anspruchsvolle Klimaschutzziele gesetzt. Die Vorgabe lautet, die schädlichen Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent und den Energieverbrauch pro Tonne um 14 Prozent zu senken. Nachhaltigkeit sei für SCA traditionell ein wesentlicher Bestandteil des Unternehmens und ein Teil der Wachstums- und Wertschöpfungsstrategie. Der Konzern besitzt in Schweden eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar Wald und ist größter privater Waldbesitzer in Europa.

Auch speziell am Kostheimer Werk bemüht man sich um den Klima- und Umweltschutz. So hat sich SCA bereits vor zwei Jahren um die Renaturierung des benachbarten Käsbachs gekümmert – inklusive einer Verlegung des Bachbetts und einer neuen Kanalisation. Gerade fertig gestellt ist die Sanierung der 200 Meter langen Kaimauer am Mainufer. "Damit haben wir einen großen Teil unseres Hochwasserschutzes erledigt", betonte Beltz. Der benachbarte Leinpfad am Mainufer ist ab 7. September wieder für die Bevölkerung zum Spazierengehen geöffnet. Fester Bestandteil eines Vertrages mit der Landeshauptstadt Wiesbaden ist die Wiederherstellung des Grünzuges in Kostheim, der vom Neudörfchen bis hinunter zum Mainufer führt. Auch darum kümmert sich SCA seit etlichen Jahren.

Groß-Aquisation erfolgreich

Eine lange geplante Groß-Aquisation von SCA in Schweden ging übrigens bereits am 19. Juli über die Bühne. SCA übernahm das europäische Tissue-Geschäft des amerikanischen Konkurrenten Georgia Pacific mit Sitz in Atlanta. Das ist der weltweit größte Hersteller von Tissue-Papier. Im Gespräch war eine Kaufsumme von 1,3 Milliarden Euro, teilte Michael Widera, "Vice President Sales and Marketing" bei SCA, mit.

Diese Groß-Aquisation hielt nun auch der Genehmigung durch die Kartellbehörde stand. "Georgia Pacific verfügt über eine gut etablierte Präsenz in Europa, sowohl bei den "Away-from-home-Tissueprodukten als auch bei den Consumer-Tissueprodukten", sagte Kostheims SCA-Pressesprecherin Marita Michel.

Oliver Gehrig

Mainzer Rhein-Zeitung
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