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    Katja Gruber lenkt den Blick auf die Besonderheiten

    Die meisten hasten achtlos vorüber. Wer aber innehält und aufmerksam die Fassade des "Roten Ochsen" betrachtet, bemerkt im unteren Drittel drei alte schwarze Eisenringe. Wozu, wird sich mancher fragen, braucht ein Haus wohl Ringe? Die Antwort darauf hat Katja Gruber, Essenheims frisch gebackene Gästeführerin.

    Katja Gruber hat viel gelernt über ihre Wahlheimat, die Winzer, den Wein, die Geschichte. Ihr Schwerpunktthema ist Essenheim - vom Roten Ochsen bis zum alten Zehnthof. 
Foto: Harry Braun
    Katja Gruber hat viel gelernt über ihre Wahlheimat, die Winzer, den Wein, die Geschichte. Ihr Schwerpunktthema ist Essenheim - vom Roten Ochsen bis zum alten Zehnthof.
    Foto: Harry Braun

    Essenheim - Die meisten hasten achtlos vorüber. Wer aber innehält und aufmerksam die Fassade des "Roten Ochsen" betrachtet, bemerkt im unteren Drittel drei alte schwarze Eisenringe. Wozu, wird sich mancher fragen, braucht ein Haus wohl Ringe? Die Antwort darauf hat Katja Gruber, Essenheims frisch gebackene Gästeführerin. Gemeinsam mit sechs weiteren Absolventen hat sie in einem Projekt der Kreisvolkshochschule (KVHS) Mainz-Bingen ihre Qualifizierung zum Gästeführer erfolgreich abgeschlossen und darf nun auch ganz offiziell ihre Leidenschaft für Rheinhessen mit anderen teilen.

    "Den Blick zu schärfen für das Besondere im Kleinen, das ist es, was mich begeistert und antreibt. Wie war das hier früher? Und was hat sich geändert, das sind doch die spannenden Fragen", fasst Gruber ihre Beweggründe, Gästeführerin zu werden, zusammen.

    In der Domherrnstraße zum Beispiel. Dort steht noch immer das Gebäude des ehemaligen Zehnthofs aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wie andernorts auch, lieferten dort die Pächter den fälligen Zehnt ab. "Aber wer weiß schon, dass das auch eine Getreide- und Saatmühle war. Oder das kleine Häuschen, das gegenüber dem Weingut Wagner verlassen herumsteht: Das war einmal ein Wiegehäuschen. In Inneren gibt es noch eine Waage, die vermutlich früher draußen auf der Straße stand. Darauf haben die Bauern ihre Wutzen gewogen."

    Katja Gruber ist von Beruf Personalentwicklerin und wohnt in Essenheim, stammt aber aus einem kleinen hessischen Dorf in der Nähe von Darmstadt. "Ich bin intuitiv nach Rheinhessen gezogen und habe schnell festgestellt, dass ich hier genau richtig bin. Die Menschen sind offen und freundlich und hier tut sich viel: Die vormals verschlossenen Höfe öffnen ihre Tore und Gärten, Direkterzeuger vernetzen sich, und es wird immer mehr Wert auf Diversität und Nachhaltigkeit gelegt."

    Zum Kennenlernen ihrer neuen Heimat ist das hessische Landei kreuz und quer durch Rheinhessen getourt und hat dabei idyllische Weingüter und schnuckelige Hofläden, Ölmühlen, Nudel- und Essigmanufakturen entdeckt, aber auch jede Menge geschichtsträchtige Kulturdenkmäler. Sie sagt: "Ich glaube, wir haben hier eine Trendwende: Man besinnt sich wieder auf das Regionale. Das finde ich gut, darin finde ich mich wieder, und daran wollte ich irgendwie teilhaben. ‚Da muss es doch auch einen Platz für mich geben’, habe ich mir gedacht - ich wusste nur nicht genau, wo."

    Und da fiel ihr eines Tages das Programmheft der KVHS in die Hände. Qualifizierung zum Gästeführer an zehn Samstagen rund um die Themen Tourismuskunde, rheinhessische Geschichte und Gegenwart, Dorfentwicklung, Weinkunde, Mundart, Didaktik und Rhetorik, informierte das Blatt. Genau das Richtige für mich, fand die 42-Jährige und stieg mit ein.

    Zum Abschluss der Ausbildung mussten die Teilnehmer natürlich auch eine Prüfung bestehen "Dazu haben wir ein didaktisches Konzept erstellt und mit allen Kursteilnehmern jeweils eine komplette Führung durch den eigenen Ort gemacht. Mein Schwerpunktthema heißt "Essenheim - Weinbaugemeinde zwischen Tradition und Moderne." Aber auch neue Ideen schwirren schon in ihrem Kopf herum, etwa eine Hofladentour mit dem Planwagen, aber spruchreif ist das noch nicht. Und was ist mit den Metallringen am "Roten Ochsen"? Lachend gibt Gruber Auskunft: "Ganz einfach: Daran wurden früher die Tiere festgebunden, vermutlich sogar dort geschlachtet."

    Infos zu den Gästeführern unter Telefon 06132/787 71 02.

    Antoinette Malkewitz

    Mainzer Rhein-Zeitung
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