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Mainz

Kardinal stellt sich hinter den Papst

Ein Pontifikalamt für den neuen Papst Franziskus hat der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, am Sonntag gemeinsam mit Weihbischof Ulrich Neymeyr und dem Domkapitel im Mainzer Dom gefeiert. Dabei ging Lehmann auch detailliert auf das umstrittene Verhalten des Papstes während der Zeit der argentinischen Militärdiktatur 1976 bis 1983 ein. Er verteidigte dabei die Handlungsweise des damaligen Jesuiten-Provinzials Jorge Mario Bergoglio.

Kardinal Lehmann hat am Sonntag im Mainzer Dom ein Pontifikalamt für den neuen Papst gefeiert. 
Foto: Bistum Mainz
Kardinal Lehmann hat am Sonntag im Mainzer Dom ein Pontifikalamt für den neuen Papst gefeiert.
Foto: Bistum Mainz

Während dieser Militärdiktatur waren bis zu 30 000 Menschen verschleppt und ermordet worden. "Es gab viele Geistliche, die sich unter Einsatz ihres Lebens für Regimegegner einsetzten. Manche traten besonders in den Elendsvierteln für die Rechte der Armen ein. 20 Priester fanden dabei den Tod", erinnerte Lehmann. Die Kirche des Landes war damals jedoch gespalten. Viele Würdenträger arbeiteten auch mit dem Regime zusammen.

"Franziskus wurde über die Wahl hinaus vorgeworfen, er habe eine zu große Nähe zu den regierenden Generälen gehabt und habe sich nicht genügend vor seine Glaubensbrüder gestellt", sagte Bischof Lehmann in seiner Predigt. Dabei werde oft nicht genügend beachtet, dass Bergoglio damals ja nicht als Bischof oder gar Kardinal die Kirchenpolitik bestimmt habe, "sondern dass er als Provinzial vor allem die Personen seiner Ordensgemeinschaft und auch andere Menschen schützen musste und wollte".

Lehmann sprach von einer "mittleren Linie", die der heutige Papst damals einzuhalten versucht habe "zwischen der konkreten Rettung einzelner Menschen, besonders auch aus dem Orden, und eines Kontaktes mit den Machthabern".

Franziskus wisse, "dass es mutigere Mitbrüder gab, aber er hat auch nicht wenige gerettet". Lehmann bat um Verständnis: "Im Wissen um diese schwierige Zwie-spältigkeit, in die hier jeder kommt – man denke nur an die NS-Zeit bei uns – , hat er im Oktober 2012 ein Schuldbekenntnis abgelegt und das Schweigen mancher Verantwortlichen und Formen der Kollaboration bedauert. Es bleiben gewiss Fragen, wie sie in solchen Situationen unvermeidlich sind. Wir werden gewiss in der nächsten Zeit hier noch manches über die Geschehnisse von damals und ihre Aufarbeitung erfahren." Jedenfalls wisse der Papst "um die reale Gefahr der Verwicklung in solche Zusammenhänge und kennt die Spirale der Gewalt."

Bischof Lehmann versuchte, den Gläubigen im Dom Papst Franziskus als Mensch näher zu bringen. Bei aller Offenheit und Kommunikationsbereitschaft sei Franziskus "ein stiller Mann". Wenn manche ihn als scheu bezeichneten, "darf man nicht das Interesse und die Sensibilität für andere Menschen übersehen, die ihn still prägen. Er macht kein Aufhebens von sich." Wenn er auch kein Vertreter der Theologie der Befreiung sei, so eine ihn doch eine tiefe Verbundenheit mit dem grundlegenden biblischen und spirituellen Impuls des lateinamerikanischen Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, der "zu einer ganz neuen Zuwendung zu den Armen dieses Kontinentes" geführt habe und bis heute vorbildlich sei.

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