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    Herbert Bonewitz gibt Nachhilfe für Määnzer und Zugezogene

    Kabarett- und Fastnachtsurgestein Herbert Bonewitz mal pädagogisch: In seinem neusten Buch "Seehnse, des is Määnzerisch" erklärt er die Mundartbesonderheiten in der Landeshauptstadt. Beste Lektüre für Mainzer, Määnzer und Meenzer.

    Herbert Bonewitz erklärt und illustriert in seinem vergnüglichen Büchlein die Eigenheiten des Mainzer Idioms. Kostproben davon gibt es natürlich in der Mainzer Rhein-Zeitung.
    Herbert Bonewitz erklärt und illustriert in seinem vergnüglichen Büchlein die Eigenheiten des Mainzer Idioms. Kostproben davon gibt es natürlich in der Mainzer Rhein-Zeitung.
    Foto: Harry Braun

    Mainz - In der Sache mit dem "ä" oder dem "e" hat er sich festgelegt. Und damit auch in gewisser Weise ein gesellschaftliches Bekenntnis abgelegt. Denn "Määnz" sagt, so weiß Herbert Bonewitz, das etwas gediegenere Publikum.

    Wo hingegen die rustikaleren Leute, in der Vilzbach zum Beispiel, sich als "Meenzer" begreifen. Doch am Ende zählt nur eins, oder määnzerisch ausgedrückt ääns: "Meenz bleibt Mainz - und Mainz bleibt Määnz", zeigt sich der Urmainzer weltoffen.

    Für den Zugezogenen mag die "ä/e"-Problematik nicht wirklich nachvollziehbar sein. Wird der Messfremde aber mit allzu vielen määnzerischen Redewendungen konfrontiert, so kann er schnell in Verständigungsprobleme geraten. Doch wie so mancher Tourist im Ausland seinen kleinen Langenscheidt auspackt, so können nun auch hochdeutsch sprechende Mainzer mittels eines Nachschlagewerks ihre mundartlichen Defizite beseitigen.

    Määnz-Experte Bonewitz höchstselbst hat sich daran gemacht, die gängigsten Redensarten, Sprüche und Begriffe seiner Muttersprache zu übersetzen und in Versform zu erläutern. Das dies mit viel Humor geschieht, versteht sich bei der Fastnachts- und Kabarettikone von selbst.

    Von A wie Aaabeemick bis Z wie Zwerndobsch hat Bonewitz 60 Mainz-Mundartbesonderheiten in dem Buch "Seehnse, des is Määnzerisch" auf 80 Seiten zusammengefasst. Und damit alles in der Familie bleibt, hat Sohn Michael das Buch herausgegeben. Für 9,90 Euro ist es im Mainzer Buchhandel und im Shop der Mainzer Rhein-Zeitung in der Großen Bleiche 17 bis 23 zu haben.

    Und auch die Leser der Mainzer Rhein-Zeitung profitieren von den Bonewitz'schen Übersetzungsarbeiten: Jede Woche drucken wir eine Folge des Määnzer ABC ab.

    Für den Autor, der am 9. November sein 78. Lebensjahr vollendet hat, ist die Dialektpflege eine Herzensangelegenheit. "Wer Dialekt redet, kommt authentischer rüber", ist der Ur-Mainzer überzeugt, der nicht etwa in Gonsenheim, sondern am Neubrunnenplatz seine Kindheit verbrachte.

    Sein Vater Jupp hatte dort ein Tabakwarengeschäft. Den Versuchungen des väterlichen Sortiments hatte der kleine Herbert damals weitgehend widerstanden. Nur den Kautabak hatte der Bub mal als Lebensmittel benutzt. Nach einem mehrstündigen Klosettaufenthalt blieb es beim einmaligen Versuch dieser Art.

    Gonsenheim hatte für Herbert in seiner Kindheit etwas paradiesisches. Opa Emil betrieb in der Breiten Straße seit 1929 ein Kino. Immer am Wochenende fuhr die Familie mit der "Elektrisch" hinaus - aufs Land sozusagen. War doch Gonsenheim noch ein richtiges Bauerndorf. Dort wo heute die Hochhäuser an der "Elsa" stehen, gab es vor 70 Jahren Natur pur.

    Das beliebte Ausflugslokal "An der Krimm" stand damals am Waldesrand. Noch heute gehen Herbert Bonewitz und seine Frau Bärbel gerne zu den griechischen Brüdern Kostas und Christos, die mittlerweile die Krimm als Spezialitätenrestaurant betreiben.

    Nach der Zerstörung von Mainz am 27. Februar 1945 siedelte die Familie zu den Großeltern nach Gonsenheim. Trotz des dramatischen Anlasses war der Umzug für den seinerzeit Zwölfjährigen keine schlechte Sache.

    Nicht nur, dass er bei den Kinofilmen immer auf der Höhe war. Zudem konnte er seine musikalische Ader ausleben. Kinofilme wurden mit Musik vertont. Und da fast alle in der Familie ein Instrument spielten, kümmerten sie sich selbst darum. Für jede Szene gab es die passende Untermalung: Dramatische Passagen bei Unglücken, trauriges Celloklagen zur unglücklichen Liebesszene.

    Herbert merkte schnell, dass er verschiedene künstlerische Neigungen hatte: Neben dem Klavierspielen zeichnete er seit seiner Kindheit mit wachsender Begeisterung. Na, und die Fastnacht, die lag ihm im Blut: Der Vater war Komiteeter beim MCV, Onkel Willi der erste Chorleiter der Hofsänger.

    Die Musikerkarriere von Herbert Bonewitz startete als Kneipenmusiker. Die Gage waren ein Schnitzel und zwei Halbe. Auch in amerikanischen Bars waren seine Tastenkünste gefragt. Die GI's zahlten die musikalische Abendgestaltung ebenfalls in Naturalien: Wobei der Whiskey-Anteil in der Cola von Glas zu Glas zunahm.

    1950 stieg er beim GCV ein. Mit dem hochtrabenden Titel Hofkapellmeister war er der Kopf eines Trios. Drei Jahre später gründete Bonewitz die Gonsbachlerchen.

    Die begeistern nicht nur mit Musik: Akrobatische Turneinlagen und kabarettistische Dialoge wurden zu einer neuen Form der Saalfastnacht. Jede Darbietung hatte einen roten Handlungsfaden. Ganz klar: Dieser junge Mann hatte mehr als Talent. Schon 1955 war er mit einem Tippelbrüdertrio in der Fernsehsitzung dabei.

    Neben der närrischen Bühne gab es freilich ein Privatleben. 1956 lernte Herbert Bonewitz seine Barbara kennen. Natürlich in der Fastnacht bei einem Maskenball. Zwei Jahre später wurde geheiratet. Wobei der Begriff "Kennen lernen" für die erste Begegnung irre führend ist, wie Bonewitz heute meint. "Denn kennen gelernt haben wir uns erst während unserer Ehe."

    Das dann aber so gut, das ihre Beziehung viel mehr wurde, als eine Ehe im klassischen Sinne. Bärbel wurde zur Trainerin, Regisseurin und Kritikerin ihres Mannes, als der im Alter von 50 Jahren ein völlig neues Berufsleben begann.

    Als legendärer Prinz Bibi hatte er sich Mitte der 70er-Jahre mit dem närrischen Establishment angelegt. Das Publikum war begeistert, die hohen Herren aus den Chefetagen der Vereine überhaupt nicht. "Nestbeschmutzer" wurde er damals beschimpft.

    Also tauschte er die Mainzer Bühnen mit jenen in der ganzen Republik. Bonewitz wurde professioneller Kabarettist und war von Kiel bis Konstanz unterwegs, stets gecoacht von seiner Bärbel.

    Hochdeutsch hat er aber weder an der Waterkant noch am Bodensee gesprochen. Denn wir wissen ja: "Das wäre nicht authentisch gewesen. Und verstanden haben das Määnzerische alle." Na klar!

    Von unserem Lokalchef Thomas K. Slotwinski

    "Sehnse, des is Määnzerisch", 9,90 Euro, im Mainzer Buchhandel und bei der MRZ. Jede Woche erscheint bei uns eine Folge.

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