40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Harry Potter in Mainz: Suche nach der Tür zur magischen Welt

Ein Zauberlehrling der Mainzer Rhein-Zeitung macht sich in Mainz auf die Suche nach zauberhaften Dingen und begibt sich auf mögliche Spuren von Harry Potter.

Mainz/Hogwarts – Ein Zauberlehrling der Mainzer Rhein-Zeitung macht sich in Mainz auf die Suche nach zauberhaften Dingen und begibt sich auf mögliche Spuren von Harry Potter.

Wäre es nicht wunderbar, wie Harry Potter zu sein? Im Handumdrehen werden die schwersten Arbeiten durch einen einfachen Zauberstabschwung erledigt, das Reisen wird mit dem Nimbus 2000 nicht mehr länger durch störende Wartezeiten am Flughafen zum Ärgernis, und mit der Eule hat man eine ökologisch wertvolle Art, seine Post zu versenden.

Leider bleibt dies nur Wunschdenken – oder doch nicht? Immerhin besitzt Mainz einen gewissen Zauber. Vielleicht finde ich hier sogar einen Zugang in die magische Welt, um mir meinen großen Traum zu erfüllen und Zauberlehrling zu werden. Doch um an einer Schule wie Hogwarts aufgenommen zu werden, braucht man zunächst einige Utensilien.

Auf in die Winkelgasse

Die bevorzugte Shoppingmeile von Harry Potter ist die Winkelgasse, in der es alles gibt, was des Hexers Herz begehrt: Den Zauberstab-Fachhandel Olivanders, das Eulenkaufhaus Eeylops oder auch die Sparkasse für Magie-Begabte, Gringotts. Ist es möglich, dass es so etwas auch in Mainz gibt? Es scheint fast aussichtslos einen solch geheimen Ort auf einem Stadtplan zu finden, aber einen Versuch ist es wert. Und tatsächlich: Ganz klein und leicht übersehbar zeichnet sich in Hechtsheim eine Winkelgasse ab. Aufgeregt mache ich mich auf den Weg, denn bald werde ich einen echten Zauberstab in den Händen halten!

Als ich in die Gasse einbiege, ist die Freude groß, denn die Winkelgasse scheint wirklich ein verwunschener Ort zu sein: Alte Häuschen reihen sich aneinander und eine skurrile Wanddekoration, bestehend aus Quietscheenten und römischen Skulpturen, fällt einem gleich ins Auge. Doch weit und breit ist kein Geschäft in Sicht. Wahrscheinlich ist die wahre Winkelgasse wie in London durch eine magische Mauer geschützt worden, doch ohne zaubern zu können, bleibt mir der Eintritt verwehrt. Wo bekomme ich jetzt nur das magische Equipment her?

Zauberstabsuche

Vielleicht werde ich ja bei einem Stadtbummel fündig. Auf meinem Weg durch die Spritzengasse entdecke ich plötzlich einen Laden und kann meinen Augen kaum trauen: In schwarzen Lettern steht "Merlin" über den Eingang geschrieben. Was für ein Glück, dass die größte Zauberikone der Geschichte gerade in Mainz ein Geschäft betreibt. Ehrfürchtig betrete ich den kleinen Laden und erblicke zwischen den unterschiedlichsten magischen Artefakten tatsächlich einen Zauberstab.

Dieser ist jedoch ohne Phönixfeder-Kern, sondern nur ein klassisches schwarzes Modell mit weißen Enden. Enttäuscht erfahre ich von der Verkäuferin, dass Merlin gar nicht der Besitzer des Ladens sei – das erklärt die geringe Auswahl. In Ermangelung an Alternativen muss es halt dieser Stab sein, immerhin kommt es hauptsächlich auf ein überzeugendes Auftreten an.

Ein Umhang für den Zauberlehrling

Dafür darf natürlich ein ansehnlicher Umhang nicht fehlen, den man in der Fastnachtshochburg Mainz sicherlich ohne Probleme bekommt. "Das ist genau mein Arbeitsbereich", bestätigt Kostümdesignerin Eva Mouret aus Bodenheim, die auch für Zauberer die Kleidung nach Maß anfertigt. Kurzerhand bin ich in ein Gewand gehüllt, das selbst Albus Dumbledore vor Neid erblassen ließe, sofern er noch leben würde.

Für den perfekten Harry-Potter-Look fehlt aber dann noch die Brille mit den runden Gläsern. "Das Modell führen wir seit Jahren nicht mehr", erklärt Tanja Steinmüller von der Fielmann-Filiale in der Stadthausstraße. Auszusehen wie Harry Potter, sei im Laufe der Zeit aus der Mode gekommen und wird heutzutage eher mit abschätzigen Sprüchen kommentiert. Dann eben keine Brille, man soll mir ja nicht nachsagen, ich würde mein großes Vorbild nur kopieren wollen.

Als nächstes geht es zum Transportmittelkauf. Da sich Besenfachgeschäfte nicht mehr zu rentieren scheinen, muss die Haushaltsabteilung eines Kaufhauses dafür herhalten. Doch Feuerblitz, Nimbus 2000 und Co. scheinen hier Fremdwörter zu sein, nicht einmal einen anständigen Holzbesen kann man erwerben. Die Wahl zwischen einem Fluggerät aus Plastik oder Metall fällt leicht, denn wer möchte schon als Blitzableiter enden? Putzen lässt sich mit dem Modell wirklich gut, fliegen will er aber noch nicht so recht. Madam Hooch wird mir im Flugunterricht sicherlich den Trick dabei zeigen.

Wo gibt's denn hier wohl Eulen?

Ein Zauberer, der gut informiert sein will, braucht natürlich auch noch eine Eule. Beim Mainzer Tierheim seien leider keine tierischen Postboten vorrätig, erfahre ich von Mitarbeiterin Elena Eichinger, die nächste Eulenauffangstation sei in Köln. Also muss eine Alternative her, doch was? Eine Taubenschar am Schillerplatz bringt mich auf eine zündende Idee und so kontaktiere ich die Brieftauben-Sportvereinigung RV Mainz. "Eine Briefübersendung ist mit einer Taube nicht möglich, die Übermittlung von Nachrichten schon", erfahre ich von Friedhelm Draber, dem ehemaligen Vereinsvorsitzenden. Die Tiere können sogar Hunderte Kilometer zurücklegen, deshalb wurden Brieftauben schon im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, so Draber. Wirklich imposant wirkt eine Taube ja nicht, aber immerhin lassen sich damit kurze Botschaften übermitteln. Und wer weiß, vielleicht setze ich ja auch einen neuen Trend und die Tiere werden zu einer Art SMS für Zauberer.

Gleis 9¾ ist verschwunden

Mehr oder weniger gut ausstaffiert kann es nun zur Ausbildung nach Hogwarts gehen, aber wie? Harry Potter benutzt in der Regel einen Geheimgang am Londoner Bahnhof, der zu dem verborgenen Gleis 9 ¾ führt. Am Hauptbahnhof Mainz findet man auf den ersten Blick jedoch nicht einmal ein Gleis 9, bei Bahnsteig 8 hört die Nummerierung auf, nur um bei 11 weiterzugehen – sehr merkwürdig. Gibt es also wirklich versteckte Gleise, die nur für Zauberkundige sichtbar sind? "Sie wollen bestimmt nach Koblenz, Gleis 9 ist da hinten neben Gleis 1", erklärt mir ein Bahnbeamter hilfsbereit.

Voller Spannung suche ich den beschriebenen Ort auf. Doch neben Bahnsteig 1 ist Gleis 11, aber keine Spur von der 9. Als ich erneut einen Bahn-Mitarbeiter nach dem Weg frage, scheint dieser nichts von einem Gleis 9 zu wissen. Bin ich zuvor einem Zauberer begegnet, der sich nur als Schaffner getarnt hatte? Ich werde es wohl nie herausfinden. Nach stundenlanger Suche nach magischen Portalen am Bahnhof breche ich erschöpft ab.

Der Traum einer Magier-Karriere scheint jetzt erstmal dahin, doch wären die Jobaussichten im Gegensatz zu einem Physikstudium auf Lehramt doch eher gering gewesen. Als Trost muss jetzt der letzte Film um den Zauberschüler herhalten, der unter dem Titel "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" ab 14. Juli in die Kinos kommt. Und wer weiß, vielleicht finde ich dort einen Zauberer, der mir den Weg nach Hogwarts weisen kan. Markus Hauschild

Lokal Z-Szene
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Wetter in Mainz und Region
Sonntag

14°C - 22°C
Montag

14°C - 24°C
Dienstag

16°C - 27°C
Mittwoch

16°C - 28°C
Sporttabellen
Radball

Alle Sportarten, alle Ligen, alle Plätze im Überblick

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach