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Wiesbaden

Erfolg für Gewerkschaften: In Wiesbaden ging nichts mehr

Der Warnstreik im Öffentlichen Dienst legte in Wiesbaden am Dienstag den kompletten Busverkehr lahm. Rund 700 Menschen kamen zur Kundgebung.

Wiesbaden: Auf dem Bahnhofsvorplatz demonstrieren die Arbeitnehmer für eine bessere Entlohnung ihrer Arbeit.
Wiesbaden: Auf dem Bahnhofsvorplatz demonstrieren die Arbeitnehmer für eine bessere Entlohnung ihrer Arbeit.
Foto: Bernd Fickert

Ein sonst belebtes Fleckchen vor dem Hauptbahnhof ist am Dienstagmorgen wie ausgestorben: Kein Bus hält am Steig B, von dem aus sonst im Minutentakt dutzende Menschen in die Innenstadt transportiert werden. Gisela Klebsch schaut resigniert auf die leere Abfahrtstafel. Sie ist mit ihrer Freundin mit dem Zug aus Eltville zum Shoppen nach Wiesbaden gekommen. "Dann müssen wir jetzt halt in die Stadt laufen", sagt sie.

Nur 100 Meter von der ausgestorbenen Bushaltestelle entfernt, bietet sich ein ganz anderes Bild. 700 Menschen haben sich auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, pusten in Trillerpfeifen und skandieren immer wieder die eine Parole: "Wir sind es wert!". Der Öffentliche Dienst in Wiesbaden streikt. Wie im Rest von Deutschland fordern die Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn. Um diese Forderung durchzusetzen, blieben die Busse von ESWE und Wibus schon um vier Uhr morgens im Depot, die Kindergärten sind zu, Altenheime arbeiten in Notbesetzungen.

Auch Straßenreinigung und Müllabfuhr sind nicht unterwegs. "Die Stadt merkt heute, dass wir streiken", sagt Robert Lenz von der Müllabfuhr. Auch er hat sein Fahrzeug heute Morgen stehen gelassen. "Es muss endlich was passieren, damit wir mehr Geld zum Leben bekommen", sagt er.

6,5 Prozent mehr Lohn – Margarete Unkhoff, Sozialarbeiterin bei der Stadt, versteht nicht, warum das für die Arbeitgeber eine "unrealistische Forderung" sei. Für den Müllfahrer sind 6,5 Prozent gerade mal 142 Euro brutto mehr im Monat", rechnet sie vor. Der Schulhausmeister komme sogar nur auf 112 Euro brutto. Damit erkläre sich auch die Forderung von 6,5 Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat.

Vom Boom kommt nix an

"Alles wird teurer, alle reden vom Boom, aber bei uns kommt nichts an", klagt eine Altenpflegerin, die in einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt beschäftigt ist. In ihrem Betrieb sei die Hälfte der Stellen abgebaut worden. "Jetzt machen wir die doppelte Arbeit – für den gleichen niedrigen Lohn."

Auch für Busfahrer würde selbst die von der Gewerkschaft Verdi geforderte Gehaltserhöhung nur gut 120 Euro im Monat ausmachen, sagt Wolfgang Janz von der ESWE Verkehr. "Wohlgemerkt: Wir sprechen hier von 120 Euro brutto", sagt er. "Das zeigt, dass wir immer noch um jeden Pfennig kämpfen müssen." Deswegen sei das Zeichen, die Busse stehen zu lassen, das richtige.

Die wenigen Busse, die am Dienstagmorgen dann doch unterwegs waren, kamen aus Mainz oder von Privatunternehmen. Zügig voran ging es für sie aber nicht. Denn die Straßen in der Innenstadt waren lange Zeit dicht. "Heute Morgen haben wir deutlich mehr Autos verzeichnet, die in die Stadt gefahren sind, als an normalen Werktagen", teilte ein Polizeisprecher mit. Wer konnte, stieg auf Fahrrad oder City-Roller um – oder ging zu Fuß.

Wie Gisela Klebsch, die den Weg in die Stadt zu Fuß angetreten ist. Trotz allen Ärgers kann sie die Forderungen der Streikenden aber verstehen: "Die Leute müssen ja auch sehen, dass sie genug Geld in der Tasche haben."

Von Fabian Siegel

Mainzer Rhein-Zeitung
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