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Mainz

Der Streit um den Kormoran in Rheinland-Pfalz geht weiter

Keine Feuerpause für den Kormoran: Er wird weiterhin gejagt. Die Zahl der zuletzt im Land geschossenen Vögel stieg um 30 Prozent. Gut, sagen Angler, die so ihre Fische schützen wollen. Sinnlos, sagen Tierschützer.

Kormorane in ihrem Nest
Umweltministerium gibt zahlen zur Kormoran-Jagd bekannt.
Foto: DPA

Mainz – Keine Feuerpause für den Kormoran: Der Wasservogel wird weiterhin gejagt. Die Zahl der zuletzt im Land geschossenen Vögel stieg im Vergleich zur Jagdsaison davor um knapp 30 Prozent. Gut, sagen Angler, die so ihre Fische schützen wollen. Sinnlos, sagen Tierschützer.

Einem anderen wäre die kleine Kampfszene vielleicht nicht aufgefallen, aber Peter Gaukler blieb sie lange im Gedächtnis. Ein Kormoran steht in einem Weiher in Mainz-Laubenheim und versucht, einen dicken Karpfen hinunterzuschlingen. Als er es nicht schafft, lässt der schwarze Wasservogel den Fisch tot zurück.

Erst ein Kormoran, dann 50

Was wie der normale Kreislauf der Natur wirkt, ist für Gaukler ein Zeichen der Bedrohung. "Nach dem ersten Kormoran kommen am nächsten Tag 50 neue", sagt der Fischer des Angelsportvereins Laubenheim/Hechtsheim 1936 bei Mainz. "Die fressen dann radikal die Fische weg oder verletzen sie so, dass sie verenden."

Im Streit zwischen Fischern und Tierschützern geht es oft um Gefühle – und um die Frage, welches Tier die bessere Lobby hat. Fakt ist, dass seit dem Jahr 2009 die Verordnung zum Kormoranabschuss in Rheinland Pfalz gilt: Vom 15. August bis zum 15. Februar dürfen die Wasservögel abgeschossen werden, damit sie sich nicht zur Gefahr für Fischbestände und seltene Arten entwickeln.

Simples Abschießen ist keine Lösung

In der ersten Saison wurden so 603 Tiere erlegt. Nach einer Zählung der Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatte die Jagd aber keine Auswirkungen auf den Bestand der Kormorane. Er blieb bei etwa 1500 Tieren, die im Land überwintern. Die Fischer forderten prompt mehr Abschüsse. Tierschützer sahen darin den Beweis, dass simples Abschießen das Problem nicht löst. Die Lücken würden einfach durch neue Tiere aus dem Umland gefüllt.

Neue Abschusszahlen des Umweltministeriums befeuern die Diskussion nun erneut. Demnach wurden in der zweiten Jagdsaison 913 Kormorane erlegt – ein starker Anstieg. "Wir betrachten das mit Sorge", sagt eine Ministeriumssprecherin. "Wir werden abwarten, wie es sich auf die Population auswirkt und gegebenenfalls prüfen, wie es weitergehen kann."

Fischer machen Druck

Tierschützer empfinden diesen Schritt als überfällig. "Die neuen Zahlen überraschen mich nicht", sagt der Geschäftsführer der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (GNOR) Rheinland-Pfalz, Michael Schmolz. "Der Druck der Fischer ist enorm und der Kormoran das schwächste Glied in der Kette." Sollte die Population auf unter 1200 Vögel im Winter sinken, sieht die GNOR den Vogel als ernsthaft gefährdet an.

"Wir nutzen nur die Möglichkeit, uns gezielt zu wehren", sagt hingegen Horst Koßmann, Biologe beim Landesfischereiverband Rheinland-Pfalz. Von Böllerschüssen, mit denen die Kormorane lediglich aufgescheucht werden sollen, hält er nichts, auch wenn Tierschützer das fordern. "Die freuen sich doch nur, dass sie so festlich empfangen werden", meint Koßmann. Im Gegenteil. "Man müsste zu einer europaweiten Regelung kommen und mindestens die Hälfte aller Tiere abschießen." Das wären je nach Schätzung mehr als eine Million Kormorane.

400 Gramm Fisch täglich

Vorerst stehen sich beide Parteien unversöhnlich gegenüber. Aus Sicht der Fischer richtet der Vogel, der knapp 400 Gramm Fisch pro Tag verspeist, zu viel Schaden an. Die Tierschützer argumentieren, dies sei ein rein subjektives Gefühl, und den Fischern könne man Konkurrenz zumuten. Zudem sei die Population in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen als gestiegen.

Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie viele Tiere nun in Rheinland-Pfalz gezählt werden. Peter Gaukler versucht, der Situation das Beste abzugewinnen. "Der Kormoran frisst viele mittelgroße Fische weg", sagt er. Seine Beobachtung: Wenn am Rhein mal wieder ein Fisch am Haken hängt, dann ist er in den vergangenen Jahren oft sehr groß gewesen. dpa

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