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    Der "nette Kerl" wollte aus Rache ein Wohnhaus anzünden

    Mainz - Was geht im Kopf eines Mannes vor, der im Bus Schüler beleidigt, tätlich angreift und schließlich ein Haus aus Rache anzünden will? Letzten Endes blieb Psychiater Peter Gass dem Amtsgericht eine echte Antwort schuldig.

    pixelio.de
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    Angesichts der Anschuldigungen, die gegen den "angepassten, netten und jovialen Kerl" erhoben würden, bleibe er ein "bisschen ratlos" zurück, gab Gass zu. Immerhin ist der Arzt vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim sicher, dass der 26-jährige Beschuldigte, der im Januar ein Wohnhaus in Hartenberg-Münchfeld mit Benzin anzünden wollte, an keiner "tief greifenden Bewusstseinsstörung" leidet. Demnach sei er voll schuldfähig, stellte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer fest. Drei Jahre und fünf Monate Haft forderte sie deshalb für die Vergehen.

    Dem Anwalt des Beschuldigten war das dann doch ein bisschen zu viel: "Er sagt ja selbst, es war gröbster Blödsinn." Und da glücklicherweise das Benzin nicht entzündet werden konnte, sei auch nichts Schlimmeres passiert, eine zweieinhalbjährige Haftstrafe deshalb angemessen.

    Angesichts der beiden Plädoyers ist das Urteil von drei Jahren fast schon salomonisch zu nennen, auch wenn bei der Verkündung dem Vater des Angeklagten ein Schreckenslaut entfuhr. Richterin Franziska Freitag sah jedenfalls bei dem Angeklagten Ende 2010 "eine sich steigernde Entwicklung", die zu immer kapitaleren Straftaten führte - bis zur versuchten schweren Brandstiftung im Januar.

    Den Aussagen des Angeklagten, er habe die Streichhölzer selbst ausgeblasen, damit die vorher verschütteten anderthalb Liter Benzin nicht entflammen konnten, schenkte Freitag keinen Glauben. Schmauchspuren am Briefkastenschlitz sprächen dagegen. "Er scheiterte zunächst einmal an technischen Problemen", betonte sie. Offensichtlich seien die Hölzer erst im Fallen ausgegangen. Endgültig von seinem Vorhaben abgelassen habe er nur, weil es hell wurde und Passanten auf dem Bürgersteig kamen. Das "Rachemotiv" - der Besitzer des Hauses hatte in einem Prozess wegen Diebstahls gegen ihn ausgesagt - sei noch immer nicht völlig verschwunden. Auch die Zwischenfälle mit den Schülern, die der Angeklagte abstritt, sah Freitag durch die detailreichen Aussagen der Zeuginnen bestätigt. Unter anderem soll der Angeklagte Morddrohungen ausgestoßen haben.

    Nach der Urteilsverkündung, die der Mann unbewegt mit trauriger Miene aufnahm, bat er um eine Verlegung in ein anderes Gefängnis, da er in der U-Haft mehrfach misshandelt worden sei. Dass der Verurteilte, der im Umgang mit Menschen Defizite haben soll, im Gefängnis auf Stärkere trifft, die ihn unterbuttern, das befürchtete schon der psychiatrische Gutachter. Selbst wenn der 26-Jährige schon fünf Monate abgesessen hat und bei guter Führung frühzeitig entlassen wird, dürfte die Haftzeit für ihn eine lange werden. Heiko Beckert

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