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Mainz

Dem Wahnsinn im Netzkleid auf der Spur

Keine leichte Kost: Lisa Danulats Stück "Königreich" hat am Freitag im TiC Premiere gefeiert. Regisseur Johannes Schmit ist eine atmosphrärisch dichte Inszenierung gelungen, die den Wahnsinn in allen Facetten zeigt.

Jünglinge im Netzkleid: Mathias Spaan und Stefan Graf in "Königreich".
Jünglinge im Netzkleid: Mathias Spaan und Stefan Graf in "Königreich".
Foto: Bettina müller

Mainz – Sie kauern ein wenig hilflos auf der Bühne herum: drei entstellte Gestalten mit grell weiß geschminkten Augenlidern in schwarzen Netz-Minikleidern und glänzenden Lackschuhen. Die Beine stecken in weißen, umständlich geschnürten Krankenhausstrümpfen, der Hals ist mit roten Bandagen eng umschnürt – die schwarze TiC-Bühne gleicht einem Gruselkabinett.

Die drei bizarren Figuren, gespielt von Mathias Spaan, Stefan Graf und Tilman Rose, sind die Hauptfiguren in Lisa Danulats Stück "Königreich", das im TiC Premiere gefeiert hat. Eigentlich gibt es im Stück nur das psychisch kranke "Ich" – Regisseur Johannes Schmit hat es aufgespalten in die drei Netzkleider-Jünglinge, die eineinhalb Stunden lang fast wie in Trance durch ihre Albträume wandeln und den Zuschauer mit auf einen psychodelischen Trip ins Innerste einer kranken Seele nehmen.

Auf einer erhöhten schwarzen Plattform, die an manchen Stellen nachgibt wie ein weiches Polster, stolpern, liegen und lauern sie und tragen ihren Seelenmüll zusammen: Es geht um Ängste, unterdrückte Libido, das Irrationale, das Unbewusste und Verborgene, was in sprachlichen, oft unverständlichen Fetzen an die Oberfläche kommt. Begriffe von Raum und Zeit bleiben in "Königreich" verschwommen. Man erahnt, dass "Ich" sich in einer Sitzung mit einem Therapeuten befindet. Der Analytiker, gespielt von Andrea Quirbach, kommt mit angeklebten Vollbart eher wie die schräge Karikatur eines Sigmund Freuds daher und ist immer nur über eine Videoleinwand zu sehen. Im zweiten Teil des Stückes wird aus der schwarzen Bühne ein plüschiges Zimmer mit Couch und 70er-Jahre Vorhängen. Der Therapeut liegt jetzt selbst todkrank da.

Man muss schnell akzeptieren, dass sich Danulat wenig bis gar nicht für rationale Strukturen oder herkömmliche Formen des Erzählens interessiert. Nach logischen oder rationalen Erklärungen zu suchen, ist in "Königreich" müßig. Dafür gelingt es Schmit in seiner Inszenierung eine intensive Atmosphäre zu schaffen, die an die Ästhetik eines David Lynch-Filmes erinnert: Subtiles Grauen wird durch den geschickten Einsatz von Sprache, Bewegung, Licht und akustische Effekte erzeugt. Surreale Elemente wie eine tropfende Glühbirne, Mikrofonkabel aus Lakritz und sich biegende Heizkörper lassen den Grad zwischen Wahnsinn und Normalität zunehmend schmaler werden. Andrea Wagenknecht

Hinweis: Karten und weitere Termine unter Telefon 06131/285 12 22

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