40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Bürgerinitiative verspricht heißen Herbst

Freundlichen Beifall strichen Oberbürgermeister Michael Ebling, Baudezernentin Marianne Grosse (beide SPD) und Stadtplaner Günther Ingenthron für ihre Lageberichte rund um die Ludwigsstraßen-Planung ein. Deutlich lauter war der Applaus aber für die Kritiker, die sich beim Ludwigsstraßen-Forum in der Rheingoldhalle zu Wort meldeten.

Margot Demmler (am Mikrofon) brachte eine zweite Mainzer Investitionslandschaft am Bahnhofsbereich ins Spiel. Das löse im Wettbewerb einige Probleme mit ECE. BI-Ludwigsstraßen-Sprecher Hartwig Daniels (rechts) fordert von der Stadt einen politischen Konsens und mehr als die vorliegenden unverbindlichen Leitlinien. 
Foto: Seibert
Margot Demmler (am Mikrofon) brachte eine zweite Mainzer Investitionslandschaft am Bahnhofsbereich ins Spiel. Das löse im Wettbewerb einige Probleme mit ECE. BI-Ludwigsstraßen-Sprecher Hartwig Daniels (rechts) fordert von der Stadt einen politischen Konsens und mehr als die vorliegenden unverbindlichen Leitlinien.
Foto: Seibert – Armin Seibert

Mainz – Freundlichen Beifall strichen Oberbürgermeister Michael Ebling, Baudezernentin Marianne Grosse (beide SPD) und Stadtplaner Günther Ingenthron für ihre Lageberichte rund um die Ludwigsstraßen-Planung ein.

Deutlich lauter war der Applaus aber für die Kritiker, die sich beim Ludwigsstraßen-Forum in der Rheingoldhalle zu Wort meldeten. Hartwig Daniels kündigte Verwaltung und Stadtrat einen heißen Herbst an. Wer eine Klotz-Mall befürworte, löse ein politisches Erdbeben aus, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Ludwigsstraße.

Die BI habe schon mehr Mitglieder als die Initiative, die das Kohlekraftwerk verhindert habe. Daniels forderte, alle Fraktionen müssten sich jetzt klar äußern, die ECE-Investoren ebenfalls die Karten auf den Tisch legen. Dass die Hamburger bislang keinen Deut von ihrer Maximalforderung abgewichen seien, weiterhin mit Pax-Bank und Polizeigebäude planen, sei einfach zynisch. Schon jetzt seien die Investoren bei Einzelhändlern auf Werbetour, wollten wohl ein Immobilien-Abschreibemodell durchziehen und dann ein Auslaufmodell in einer verödeten City hinterlassen.

Grosse pro Domblick

Baudezernentin Marianne Grosse sieht diese Gefahr nicht. Pax -Bank und Polizei seien kein Verhandlungsthema, der Blick zum Dom müsse erhalten bleiben, der Blick zum Bischofsplatz wieder geöffnet werden. Fuststraße und Eppichmauergasse würden garantiert nicht überbaut. Mit Wohnbereichen und viel Grün wolle man ein kleinteiliges Quartier aus mehreren einzelnen Gebäuden schaffen. Der Wettbewerb soll’s richten. Darauf verwies auch Stadtplaner Ingenthron, der die bislang ausgearbeiteten Leitlinien im Schnelldurchgang vorstellte und einige der 80 Anregungen auf ihre Realisierbarkeit durchprüfte. Vieles sei in Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen regelbar, wie etwa Verkaufs- oder Gastronomieflächen. Vieles aber auch nicht. So könnten kaum Dumpinglöhne oder großflächige Elektronikmärkte verhindert werden. Jobtickets, Begrenzung von Videoüberwachung, Minimierung von Energieverbrauch, garantierte Zugänglichkeit archäologischer Fundstücke – das alles habe mit Baurecht nichts zu tun. Ingenthron wehrte sich später auch gegen den Vorwurf, die Stadt habe ECE ins Boot geholt. Der Investor habe ohne Zutun der Verwaltung die Liegenschaft erworben, die eben als Handelskerngebiet und nicht als Wohn- und Kulturfläche gelte.

Wohnen und Kultur. Das ist das Stichwort für die Altstadt-Ortsvorsteherin. Ulla Brede-Hoffmann (SPD) forderte unter lautstarkem Beifall, dass hier auch neuer Wohnraum geschaffen werden müsse. Wenn ECE die Bürgerbeteiligung einfach ignoriere nach dem Motto: "Diskutiert ihr nur, wir bauen", dann werde man sich das nicht gefallen lassen.

Das Thema Wohnen wurde mehrfach angesprochen und die Notwendigkeit einer Millioneninvestition hinterfragt. An den Ständen der BI Ludwigsstraße sei mehr davon gesprochen worden, dass das Geld für Wohnen und Einkaufen nicht reicht, aber nie, dass es zu wenig Einkaufsmöglichkeiten gebe. " Mainz mit Herz ist mehr als Kommerz", brachte BI-Mitglied Waltraud Hingst ihre Befürchtung auf den Punkt, dass ECE eine hässliche Bruchbude hinterlassen könne. Das gigantische Kaufhaus stehe noch, "wenn wir alle nicht mehr leben".

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Mainz befürchtet Margot Demmler (Wirth Kinderladen), die vorschlug, die Stadt müsse auch an der großen Bleiche, am Schiller- und Münsterplatz initiativ werden. In der Bahnhofsstraße werde demnächst ein großes Objekt frei – vielleicht die Möglichkeit, einen zweiten Großinvestor zu locken. Ein Mitbewerber für ECE löse das ein oder andere Problem, ist sie sicher.

An der Lu spielt die Musik

Die Frage der tatsächlich nötigen Quadratmeterzahl löse sich allein schon durch die städtebaulichen Anforderungen und die nötigen Verträglichkeitsgutachten, glaubt Gutachter Rolf Junker. Vorne an der Lu müsse die Musik spielen, nach hinten raus sei die Nutzung als Handelszentrum gar nicht interessant. Die im Raum stehenden 28 000 Quadratmeter würden deshalb kaum erreicht. Das befürchteten Thomas Gerster und Einzelhandelsverbands-Geschäftsführer Dr. Hanno Scherer.

25 000 Quadratmeter reichen für Handel, Wohnen und Kultur nicht aus, denkt Baudezernentin Grosse, die bei 28 000 Quadratmeter die Obergrenze sieht. "Die Quadratmeter sind nicht das Entscheidende", sagt sie und verweist auf die 800 Anregungen, die noch bis zur Stadtratsentscheidung im Oktober gründlich eingearbeitet werden sollen. So lange will auch der Investor nicht konkret werden.

Bedauert wurde beim (vorerst?) letzten Forum, dass Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (krank) und Umweltdezernentin Katrin Eder (wegen Fluglärm in Berlin) nicht mitdiskutierten. Für viele der 200 Besucher steht die Bürgerbeteiligung erst am Anfang.

Dass der Karstadt-Klotz weg soll und an der Lu etwas passieren muss, darüber herrscht Einigkeit. Stadtplanerin und Moderatorin Brigitte Holz: "Wir wollen doch alle eine positive Stadtentwicklung, eine starke und schöne Innenstadt!" Im Wettbewerb der Einkaufstädte müsse man vorankommen, hatte auch Oberbürgermeister Ebling betont. Aber der Weg dorthin scheint steinig.

Vor der Stadtratsentscheidung sollen alle Fraktionen die Karten auf den Tisch legen. Hier und öffentlich. Das fordert etwa der Sprecher der Architektenkammer Mainz, Thomas Dang. Der städtebauliche Ideenwettbewerb rund um das 250-Millionen-Projekt werde noch viele neue Aspekte bringen, meint er: "Wir sind noch in einer Zwischenetappe und noch lange nicht auf der Zielgeraden."

Von unserem Redakteur Armin Seibert

Mainz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Wetter in Mainz und Region
Mittwoch

11°C - 23°C
Donnerstag

11°C - 22°C
Freitag

9°C - 20°C
Samstag

0°C - 18°C
Sporttabellen
Radball

Alle Sportarten, alle Ligen, alle Plätze im Überblick

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach