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    Auf Klapprädern: Skurriles Rennen um den "Horst"

    Im pfälzischen Schopp sind die Sieger eines skurrilen Klapprad-Rennens gekürt worden. Die besten Teams strampelten in 24 Stunden mehr als 800 Kilometer.

    Von Martin Welker

    Rasant legt sich Fahrer „Diskoteer“ mit seinem Klapprad in die letzte Kurve. Dann hat er für sein „Capri-Sonne-Klapprad-Power Team“ den Sieg geholt. Insgesamt 1860 Runden hatte die vierköpfige Mannschaft im 24-Stunden-Rennen „World-Klapp“ gedreht. König Céphas Bansah aus Ludwigshafen, gebürtiger Ghanaer und Schirmherr des Wettbewerbs, verlieh am Samstag in der Westpfalz die Siegerstatue „Horst“, eine ironisch gemeinte Geschmacksverirrung in Gold.

    Auch die Kostüme der Fahrerteams glitzerten in auffälligen Farben. Team „Klapp-Sabbath“ erreichte mit 1843 Runden Platz zwei, die „erly4birds“ schafften immerhin noch 1828 Runden je 450 Meter und damit Rang drei. Mehr als 2200 Besucher hatten laut Mitveranstalter Holger Gockel seit Freitag die bunten Zweirad-Athleten auf ihrem Rundkurs bejubelt.

    Ein Fahrer trug Tigerhosen und Pudelmütze, dazu eine Sonnenbrille. Die war eigentlich unnötig, denn zunächst regnete es noch. Die ersten Staffelfahrer wirbelten am Freitagabend um das Velodrom. Im Fahrerlager wurde auch nach Einbruch der Dunkelheit noch an den ganglosen Klapprädern geschraubt. Im Vereinshaus oberhalb der Rennbahn brannte derweil das Kaminfeuer. Einige Fahrer scharten sich um den Ofen, sie hatten sich einen heißen Tee besorgt.

    „World-Klapp“ lässt nur Fahrer mit 30 Jahre alten 20-Zoll-Rädern zu. Die Teams – jeweils vier Radler – müssen laut Reglement „top gestylt“ sein. Dazu gehört das Tragen eines Oberlippenbartes. Ein falscher Bart ist möglich – was auch Frauen die Teilnahme ermöglicht. Suzi aus Darmstadt hatte sich kurzerhand einen Bart gehäkelt. Sie startete als Erste ihres Teams. Ein 39-jähriger Fahrer aus Dessau übernahm derweil die Nachtschicht.

    Die Teams mit Namen wie „klABBA“, „Dalli-Dalli“ oder „Capri-Sonne“ erinnern an die 1970er Jahre, die große Zeit der Klappräder. Die Zuschauer sangen sich warm, unter anderem mit der „World-Klapp“-Hymne „Kennst du Ludwigshafen“. Es geht um Heimweh, um Chemieluft und um die „Perle der Pfalz“.

    Einige Mannschaften hätten vor dem Rennen hart trainiert, bestätigte ein Fahrer aus Wiesbaden. Denn der Wettbewerb habe durchaus einen sportlichen Kern, auch wenn er nach Klamauk aussehe. Im vergangenen Jahr war Berlin der Austragungsort dieses außergewöhnlichen Rennens. Nun in der Westpfalz wurde 24 Stunden lang gefahren, es waren die „24 Heures Le Schopp“.

    Lediglich zwei Leichtverletzte habe das Rennen gefordert, sagte Holger Gockel. Der jüngste Fahrer, 13 Jahre alt, schied nach einer Kollision mit einem Konkurrenten aus, ein anderer Fahrer war nachts ausversehen in das Technikzelt am Rande der Strecke geradelt.