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    WinningenWo künstlerische Freiheit zu Hause ist: Programm der Kunsttage Winningen steht

    Sie haben es geschafft. Zehn zum Teil internationale Künstler haben sich eine kleine Lücke in ihrem Terminkalender freigehalten, um ihre Werke 2018 an einen Ort zu bringen, von dem die meisten noch nie gehört haben: dem Winzerdorf Winningen.

    Bildhauer Martin Hollebecq schafft filigrane Steinskulpturen.
    Bildhauer Martin Hollebecq schafft filigrane Steinskulpturen.
    Foto: Kunsttage Winningen

    Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

    Die Organisatoren der Winninger Kunsttage sind stolz. Im Mai wird die sechste Ausgabe ihrer Ausstellungsreihe erneut eine Bandbreite zeitgenössischer Kunst zu verschiedensten Orten des Dörfchens bringen und, wie es die Wochenzeitung „Die Zeit“ einmal formulierte, ganz Winningen für ein Wochenende in eine große Galerie verwandeln.

    Die Worte Querschnitt und Vielfalt fallen häufig während der Programmvorstellung am Dienstagabend. Frank Hoffbauer, der den Vorsitz des Organisationsteams innehat, erklärt, dass auch 2018 kein Motto über den Kunsttagen schweben wird. „Danach werden wir häufig gefragt. Wir möchten uns und die Künstler jedoch nicht mit einem Motto einschränken. Es ist so, dass unsere Räumlichkeiten den Künstlern viel abverlangen. Jeder muss sich zu der schwierigen Frage verhalten: ,Wie komme ich gegen den Raum an?’, da wollen wir thematisch größtmögliche Freiheit für die Kunst walten lassen.“

    Linien zwischen Werken erkennbar

    Gewisse Verbindungslinien zwischen den Werken, die an zehn Orten jeweils in einer Einzelausstellung präsentiert werden, ergeben sich seiner Ansicht nach dann aber doch: „Es ist zum Beispiel erstaunlich, dass wir zwei Künstler im Programm haben, die mit dem besonderen Material Wellpappe arbeiten.“ Die Rede ist von Martin Spengler und Andreas Theurer. Während ersterer, gebürtiger Kölner und heutiger Wahlmünchner, großformatige Reliefs fertigt, die sich zu dreidimensionalen Skulpturen auswachsen, widmet sich der Bildhauer Theurer, seit 1993 Professor für Grundlagen der Gestaltung an der Hochschule Anhalt in Dessau, Körpern und Skulpturen, die bei erster Betrachtung massive Stahlobjekte assoziieren lassen, tatsächlich aber aus Wellpappe gearbeitet sind.

    Die Kunsttage Winningen finden vom 11. bis 13. Mai zum sechsten Mal statt. Sie werden im zweijährigen Rhythmus seit 2008 unter der Schirmherrschaft von Beate Reifenscheid, Direktorin des Ludwig Museums Koblenz, veranstaltet. Einen umfänglichen Überblick über die beteiligten Künstler und ihre Werke gibt es im Internet unter www.kunsttage-winningen.de

    Eine thematische Parallele ergibt sich zudem zwischen den Malereien Kirsten van den Bogaards und denen Leszek Skurskis. Beide beschäftigen sich in ihren Werken mit Menschen, die für den Moment aus ihrer alltäglichen Situation herausgelöst wurden und die Frage aufwerfen, woher ihr Weg rührt und wohin er noch führt.

    Licht hingegen ist das Medium, das wiederum Edite Grinberga und Aurelia Waßer verbindet. Bildet Grinberga in ihrer Malerei Innenräume und Stillleben je nach Einfall des natürlichen Sonnenlichts ab, lässt Waßer ihre Bilder auch zu Skulpturen reifen – neben ihren „Trägerinnen des Lichts“, Arbeiten auf feinstem lichtdurchlässigen Nepalpapier, fertigt sie auch sogenannte „Lichtgänger“ – Skulpturen aus Acrylglas, denen Waßer Figuren als Hohlreliefs einarbeitet.

    Auch der Franzose Martin Hollebecq wird in Winningen Skulpturen zeigen – allerdings hinsichtlich des Materials solche monumentalerer Natur. Der in Belgien lebende Bildhauer arbeitet bevorzugt mit Granit und Basalt. Seine Werke leben vom Gegensatz der Schwere und Leichtigkeit, tragen viele seiner Arbeiten doch einen zerbrechlich-filigranen Charakter, lässt er doch Stein schweben.

    Mit einer ungewöhnlichen Idee wird hingegen Tobias Sternberg nicht Stein, sondern Gedanken fliegen lassen. Bereits drei Wochen vor Eröffnung der Kunsttage soll sich der Schwede in Winningen niederlassen, um ausrangierte oder ungeliebte Gegenstände und Staubfänger in seinem „Art Repair Shop“ zu bearbeiten. Am Ende sollen die Leihgeber dann Kunstgegenstände zurückerhalten.

    Kunsttage als Ort der Reflexion

    Den Künstlerreigen vervollständigen schließlich Marc Dittrich und Ulrich Haug. Während Haug mit Wachs arbeitet und seinen Objekten Fundstücke aus Holz, Stein oder Metall einverleibt, experimentiert Dittrich mit Fotografien von Hochhausfassaden. Diese löst er zunächst aus ihrem Sinnzusammenhang, indem er sie zerstückelt; per Laserprint werden sie dann neu arrangiert, sodass dreidimensionale Objekte entstehen.

    Unter anderem Dittrichs Werke spiegeln laut Veranstalter Hoffbauer den Willen, dass die Winninger Kunsttage mehr sein wollen als rein dekorative Kunstschau. „Wenn etwa Marc Dittrichs Gebäudeansichten nach unten hin zerfasern, zeigt das, dass etwas im Zerfall begriffen ist. Oder auch Arbeiten wie die von Leszek Skurski, die Menschen in der Stille zeigen, lassen viel Raum für Reflexionen über gegenwärtige gesellschaftliche Problemlagen.“ Dass kritische Kunst in den kommenden Jahren die Winninger Kunstschau intensiver beschäftigen könnte, lässt Hoffbauer anklingen: „Wir werden uns vielleicht stärker als bisher für junge Kunst öffnen, auch für jene Kunst, die Reibung provoziert. Denn schön allein reicht nicht.“

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