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    KoblenzVon der großen Bühne in die freie Szene: Schauspieler Ian McMillan sucht die Abwechselung

    Viele Koblenzer kennen ihn von der Theaterbühne. Als ewig zweifelnder, melancholischer Jungautor Kostja rang er etwa mit sich und dem Leben zuletzt in Anton Tschechows „Die Möwe“: der Schauspieler Ian McMillan. Doch nicht nur mit dem Theaterhaus ist der 29-Jährige verbunden.

    Schauspieler Ian McMillan sucht die Abwechselung.
    Schauspieler Ian McMillan sucht die Abwechselung.
    Foto: A. Merbeth

    Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

    Ian Mc Millans Drang, Schauspiel mit allen Fasern zu leben, reicht weit über die Pforten des Koblenzer Stadttheaters  hinaus. Wer meint, ein festes Engagement allein würde alle Kräfte eines Schauspielers binden, vergisst, wie schwer Leidenschaft wiegen kann. Auch in der jungen Kulturszene der Stadt, die aus einem studentischen Umfeld erwächst, erobert sich McMillan zusätzlich einen kreativen Raum. Und das aus gutem Grund.

    Um seinen Kopf immer wieder in neue Richtungen zu schicken, auch seiner musischen Ader Lauf zu lassen, sucht der Schauspieler, wie er es sagt, den Austausch nicht nur mit anderen Künstlern, sondern auch mit anderen, weniger professionalisierten Initiativen. So improvisiert er etwa an probefreien Abenden mit einer Theatergruppe im Kulturzentrum Freiraum oder tritt wie jetzt selbst als Kulturschaffender in Erscheinung. Beim Kaleidoskop-Festival, organisiert vom Institut für Kulturwissenschaft, gastierte McMillan am Samstag mit seiner Jazzmusiktheatergruppe Spill the Oil Ann! auf dem Florinsmarkt – eine eher spontane Aktion, die so wenig greifbar war, wie sie klingt. Posaune, Fagott, Bratsche, Beatbox-Elemente, Textfragmente aus Fontanes „Effi Briest“ und Tschechows „Die Möwe“ verschmolzen zu Musik, zu Stand-up-Performance, zu irrem Popsound-Geballer, das alles in allem vor allem eins transportierte: Liebe und Leidenschaft zur Musik, zur Bühne, zum Spiel, zur Lust am Experiment.

    Mit berauschtem Dauergrinsen fasst McMillan geschafft, aber glücklich den Kern der Aktion im Nachhinein in Worte: „Wir sind eine Gruppe aus Musikern und Schauspielern. Auf der Bühne haben wir vereinigt, woran jeder von uns gerade arbeitet. Wir wollten etwa Stücktexte mit größtmöglicher Musikalität nehmen.“ Aus dem interdisziplinären Ansatz seiner Gruppe erwächst in McMillans Augen eine gemeinsame Stärke: „Ich liebe es, wenn sich Menschen im manchmal doch beängstigenden Bühnenraum eine persönliche Freiheit erkämpfen. Für den Moment hört man auf, Einzelmensch zu sein, verfolgt das gleiche Ziel mit einer derart großen Intensität, die unbeschreiblich erfüllt.“ Egal, ob im Stadttheater oder Spaßprojekt. Das Ensemble mit Freunden entspannt sich zwischen Koblenz, Hamburg und Berlin; McMillan selbst besuchte die Musikhochschule in Hamburg, spielt Klavier und Fagott, sein ehemaliger Kommilitone Posaune.

    Dass McMillans Weg letztlich doch ins Schauspiel und nicht in die Musik führte, erklärt er selbst mit der Unmittelbarkeit des Theaters: „Als Schauspieler ist man auf der Bühne sehr nackt, kann sich in nichts flüchten oder hinter etwas verstecken, wie als Musiker hinter seinem Instrument. Ich genieße diese Freiheit, nur sich zu haben und immer wieder an der Situation zu wachsen.“

    Als Wandler zwischen zwei gegensätzlichen Kulturwelten, einer institutionalisierten wie der des Stadttheaters und einer wilden, freien Szene, würde er sich dennoch nicht bezeichnen: „Das eine schließt das andere nicht aus, es bedingt sich. Mein Engagement am Theater gibt mir die Sicherheit, vor allem auch die Selbstsicherheit, solche Aktionen überhaupt denken zu können. Den Mechanismen und festen Strukturen, die ein Theaterhaus notwendigerweise mit sich bringt, kann ich auf diese Weise sozusagen eine Sauerstoffkur verpassen, Denkmuster durchbrechen, neue Wege gehen. Außerdem lerne ich Dinge, mit denen ich im Theater nie in Berührung komme, weil es so wunderbar arbeitsteilig funktioniert. Dort kann ich voll und ganz in meinen Rollen aufgehen, als Veranstalter selbst spielt Organisation eine viel entscheidendere Rolle.“

    Ob es eine Wiederholung des Jazzmusiktheaters geben wird, lässt McMillan offen, „die Distanzen sind einfach sehr groß“. Dass man ihn weiterhin abseits der großen Theaterbühne in Aktion erleben wird, ist hingegen sicher.

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