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    Koblenz

    Viel Kunst und etwas Klatsch: Jean-Marc Laiks Galerie feiert 40. Geburtstag

    Eigentlich steht an diesem Nachmittag ein Treffen in der Galerie für zeitgenössische Kunst von Jean-Marc Laik an, um über Geschichte zu reden. Genauer: über die Geschichte eben dieser Galerie. Denn die feiert in diesem Jahr – bemerkenswert in einer Zeit des Galeriensterbens – ihren 40. Geburtstag und ist damit nicht nur die älteste Galerie in Koblenz, sondern in Rheinland-Pfalz. Aus der Geschichte wird jedoch rasch eine Plauderei mit vielen Geschichten – und das passt ins Bild.

    Jean-Marc Laik (links) ist mit seiner Galerie seit 40 Jahren am Markt. Zu den ersten Künstlern, die er ausstellte, gehörte Titus Lerner. Dieser ist auch heute noch regelmäßig in der Galerie vertreten.
    Jean-Marc Laik (links) ist mit seiner Galerie seit 40 Jahren am Markt. Zu den ersten Künstlern, die er ausstellte, gehörte Titus Lerner. Dieser ist auch heute noch regelmäßig in der Galerie vertreten.
    Foto: Sauer-Kaulbach

    Denn schließlich ist die Galerie im Altenhof 9 nicht nur ein Ort der Kunst, sondern auch einer der Kommunikation, der Begegnung. Wo es immer einen Espresso gibt und die neuesten Stadtnachrichten, ein bisschen Klatsch, „und manchmal“, so Jean-Marc Laik, „kommen die Leute nur mal, um jemanden zu haben, dem sie ihr Herz ausschütten können. Da bin ich fast so etwas wie ein Beichtvater“. Das ist auch genau das, was er möchte: nicht nur ein Galerist zu sein, der Kunst verkauft, sondern einer, der stets für mögliche Kunden da ist. „Als Galerist kann man nicht nur an ein, zwei Tagen in der Galerie sein und den Rest der Zeit einem Praktikanten überlassen. Dafür ist eine Galerie viel zu sehr mit der Person verbunden, der sie führt.“

    Und natürlich mit den Künstlern, die sie vertritt. Dass Laik dabei auf Kontinuität setzt, dafür gibt es an diesem Nachmittag den besten Beweis, denn auch Titus Lerner ist in der Galerie. Er gehörte zu den ersten Künstlern, die der noch junge, im Burgund geborene, eine Zeit lang in New York lebende Galerist in seinen Anfangsjahren, präzise 1980, ausstellte. „Das habe ich ihm hoch angerechnet“, meint Titus Lerner, „denn damals fing ich gerade erst an. Da war es umso wichtiger, einen Galeristen zu haben, der an einen glaubte, selbst wenn nicht gleich die erste Ausstellung den großen Verkaufserfolg brachte.“ Schon bei der zweiten lief es besser, ansonsten säßen wir jetzt auch kaum hier, umgeben von den mit expressiven Pinselstrichen gemalten Köpfen und Gestalten Lerners sowie seinen Bronzen, in denen der Künstler das Thema von Maskierung und Demaskierung sowie von Häutung umsetzt. Es ist die 19. Lerner-Ausstellung, gerade ist sie in der Galerie geendet.

    Leicht seien, erklärt Jean-Marc Laik rückblickend, die Anfangsjahre nicht immer gewesen, als er mit gerade mal 26 Jahren seine Galerie eröffnete. Futterneid in der Kunstszene, Konkurrenzdenken, das manchmal auch zu Schlägen unter die Gürtellinie, zu allerlei Ränken und Intrigen führte. „Ich erinnere mich an meine erste Ausstellung mit Amos Yaskil, einem israelischen Künstler. Da fand ich ein Bild abgehängt und stattdessen ein Hitlerporträt an der Wand.“ Spricht's und langt in eine Schublade seines Schreibtischs, aus der er das Corpus Delicti herauszieht.

    Yaskil war auch einer der Künstler, von dem Laik Grafikeditionen verlegte, die er nicht nur in der Galerie, sondern auf den renommierten Grafikmessen in Europa anbot. Das, kommentiert er, sei überhaupt vielleicht der wesentlichste Wandel in den 40 Jahren, die Tatsache, dass heute Grafik kaum noch zu verkaufen ist. „Die Kunden, die damals so jung waren wie ich und noch weniger Geld hatten, haben Grafiken gekauft, aber irgendwann waren die Wände voll, und dann sind sie, mittlerweile besser verdienend, zu den Originalen, zu den Bildern gekommen. Heute will keiner mehr Grafik haben, den meisten ist dafür der doch begrenzte Platz an der Wand zu schade.“ Und Lerner, von dem Laik mehrere Serien von Radierungen herausbrachte, stimmt zu. „Das ging so weit, dass wir irgendwann eine Art Happening in der Galerie machten, bei dem wir einen ganzen Stapel von Platten zerstörten. Die ruhen mittlerweile auf dem Grund des Laacher Sees.“

    Pläne für die Zukunft? Jean-Marc Laik lacht. „So weitermachen. Kunst ist wie eine Droge, man kann nicht einfach aufhören.“ Deshalb steht auch die nächste Ausstellung ins Haus: Erdmut Albrecht Langenberg – auch er ist eine Konstante im Galerieprogramm.

    Weitere Informationen unter www.laik.de

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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