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Koblenz

Technik, Böden, Lüftung: Eine Baustelle names Theater Koblenz

Im Theater Koblenz sind Sanierungen fällig. Die Haustechnik ist teils noch auf einem Stand aus den 80er-Jahren und laut Intendant Markus Dietze sehr anfällig für Störungen. Auch die Bodenbeläge und die Bestuhlung haben die besten Zeiten hinter sich. Aber das ist noch nicht alles.

Foto: Katharina Dielenhein

Ein Knopfdruck, Kontrolllampen leuchten auf. Die meisten zumindest. Vier allerdings bleiben dunkel, sie signalisieren damit: Störung. Irgendwo in der Lüftungsanlage des Theaters Koblenz hakt es, und das an gleich vier Stellen. „Oh, ein guter Tag“, bemerkt Intendant Markus Dietze mit sarkastischem Ton, den Finger noch auf dem Knopf an der Schaltanlage der Lüftung. Vier Defekte sind natürlich nicht gut. Doch schon oft hat er ein anderes Bild gesehen, mehr dunkle Kontrollbirnen als leuchtende, was unten im Großen Haus dicke Luft bedeutet, im extremsten Fall einen Theaterraum ohne Be- und Entlüftung: „Das ist eine Zumutung für Zuschauer und Künstler, besonders im Sommer“, sagt Dietze, nun ganz ohne Spott in der Stimme.

Die Lüftungsanlage ist ein Sorgenkind im Theater Koblenz. Störungsanfällig und reparaturintensiv wie sie ist, bezeichnet Dietze sie als das größte Problem in einem Paket von zehn Sanierungsmaßnahmen, die er bis zum Sommer 2021 im Altbau des Theaters umsetzen möchte. Im Brandschutz muss beispielsweise nachgerüstet werden, in der Ton- und Lichttechnik, bei den sanitären Anlagen und mehr. Zuletzt wurde der Altbau in den 80er-Jahren generalsaniert, die Haus- und Bühnentechnik ist teils noch auf dem Stand von damals. So wie das Lüftungssystem, vor dessen Schaltschrank Markus Dietze hockt.

Foto: Katharina Dielenhein

Nicht so wie in Trier und Köln

Der Sanierungsplan bis 2021 ist dem Intendanten wichtig, weil er die Bausubstanz des Theaters und den Spielbetrieb auf lange Sicht erhalten möchte, wie er sagt. Negativbeispiele wie an den Theatern Trier oder Köln gebe es schließlich genug, meint Dietze. Dort wurden Sanierungen Jahr für Jahr verzögert und aufgeschoben mit der Folge, dass jetzt, da zwingend gehandelt werden muss, immense Kosten auflaufen oder gar – wie in Köln – Spielstätten bis auf Weiteres geschlossen und der Betrieb auf andere Bühnen ausweichen muss. So weit will es der Koblenzer Intendant nicht kommen lassen, sagt er. Deshalb hat er den Maßnahmenkatalog ausgearbeitet.

Unterstützt von Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz und in Abstimmung mit dem Zentralen Gebäudemanagement der Stadt Koblenz sind Sanierungsvorhaben bis zur Spielzeitpause 2021 geplant und in verschiedene Bauabschnitte gegliedert. Die kommunale Politik wird fortlaufend informiert – maximale Transparenz lautet Dietzes Credo in Sachen Theatersanierung. Insbesondere auch bei den Kosten, die sich, über fünf Jahre gestreckt, laut Haushaltsplan 2018 der Stadt Koblenz auf mehr als 2,6 Millionen Euro belaufen und überwiegend von der Stadt Koblenz als Trägerin des Theaters zu stemmen sind.

Die Lüftungsanlage nimmt mit im Haushaltsplan veranschlagten 1,15 Millionen Euro den größten Posten ein. Momentan laufen die genaue Kostenermittlung und eine Machbarkeitsstudie sowie die Beantragung zusätzlicher Fördermittel, die eigentlichen Arbeiten sollen dann in den Spielzeitpausen 2019 und 2020 erfolgen. Theaterbesucher werden davon also so gut wie nichts mitbekommen. Genauso wenig wie von den Arbeiten an der Heizung, die bereits begonnen wurden, auch sie hat es nötig (kalkulierte Kosten: 325 000 Euro). „Sie lässt sich nicht mehr effektiv regulieren. Kurz gesagt: Sie ist an, oder sie ist aus“, erklärt Dietze.

Foto: Katharina Dielenhein

Er sitzt inzwischen im Großen Haus in einem der Zuschauersessel und damit inmitten einer anderen künftigen Baustelle. Es geht um die Bestuhlung in dem denkmalgeschützten Raum, um etwa 500 Klappstühle in einem mehr oder minder guten Zustand. „Bei vielen gibt es mechanische Probleme, sie klappen nicht mehr hoch, es sind Achsen gebrochen, die Stühle hängen durch“, zählt Dietze auf. Reparaturen im großen Umfang sind nötig, die umso komplexer werden, da das Lüftungssystem an die Verankerung der Stühle gekoppelt ist: Dort kommt normalerweise die gekühlte Luft an. Zudem ist eine neue Polsterung der Stühle fällig. Die letzte erfolgte in den 80er-Jahren, die ausführende Firma von damals existiert nicht mehr. „Da ist allein die Recherche, wer überhaupt eine solche Arbeit ausführen kann, extrem zeitintensiv“, sagt Dietze, der mit Gesamtkosten von mindestens 430 000 Euro für die gesamte Bestuhlung rechnet.

Auf dem Weg von der Lüftungsanlage unter dem Dach des Theaters bis hierher in den Zuschauerraum hat er an diversen Stellen gestoppt, an denen er deutlich macht, wieso so viele Sanierungen im Theater fällig werden. An den größten Löchern im Teppich beispielsweise, der in den Treppenhäusern und Fluren verlegt ist. „Das sind gefährliche Stellen, wir bekommen deshalb immer wieder Beschwerden. Zu recht: Wenn da mal jemand mit dem Absatz hängen bleibt ...“, sagt er und winkt ab.

Foto: Katharina Dielenhein

Die Erneuerung der Bodenbeläge gehört zu seinem Maßnahmenpaket – sowohl was den Teppich als auch das Parkett im Foyer angeht. Sukzessiv soll hier in den nächsten Monaten und Jahren bis zum Sommer 2021 ertüchtigt werden, inklusive neuer Anstriche für Decken und Wände. Kosten: etwa 475 000 Euro. Bei all dem gilt es zu beachten, erklärt Dietze, dass zwar die Kosten im Rahmen bleiben, das Theater aber dennoch einen Belag bekommt, der sowohl gut aussieht als auch leicht zu reinigen ist, den Trittschall dämmt und der obendrein noch den Vorgaben des Brand- und des Denkmalschutzes gerecht wird.

Denkmalschutz ist Thema

Der Schutzstatus des 1787 eröffneten Hauses spielt generell bei allen Überlegungen zur Sanierung eine wichtige Rolle, sei es, was die Bestuhlung oder die Wahl der Bodenbeläge angeht, sei es an so markanten Stellen wie den sechs doppelflügeligen Türen in den Foyers, die zu den Rängen und in den Zuschauerraum führen. Sie sind neuralgische Stellen für den Brandschutz, müssen mit Brandmeldern gekoppelt sein und sich im Fall der Fälle automatisch, rauchdicht und in einer bestimmten Reihenfolge schließen. Nur: Es ist ein kompliziertes Unterfangen, die Mechanik an den Türen anzubringen und mit dem Brandmeldesystem so über Kabel zu verbinden, dass der Eindruck des denkmalgeschützten Raums nicht beeinträchtigt wird. Die Bauaufsicht hat auch ein Wörtchen mitzureden. „Wir haben drei Jahre an einer Lösung getüftelt“, sagt Dietze. Sie ist gefunden, jetzt können alle Türen technisiert werden. Die Nachrüstung beim Brandschutz kostet weitere 80 000 Euro. Überwiegend finden die Arbeiten in den Spielzeitpausen statt.

Generell sollen die größten Maßnahmen in der spielfreien Zeit umgesetzt werden, es wird sich laut Dietze aber nicht verhindern lassen, dass Abläufe im Theater und der Spielbetrieb wegen der Sanierungen beeinflusst werden. Zu Beginn der Spielzeit 2019/2020 wird das Große Haus beispielsweise geschlossen bleiben, weil unter anderem Arbeiten an der Tontechnik, der Obermaschinerie und der Lüftungsanlage laufen: „Wir nehmen den Betrieb dort erst im Oktober auf.“ Bis dahin soll die Probebühne 4 mehr genutzt werden. „Wir werden nicht weniger spielen, aber dichter“, erklärt der Intendant und hofft, dass sämtliche Gewerke im Zeitplan bleiben, die Logistik funktioniert – schlicht, dass es in den nächsten Jahren möglichst rund auf der Dauerbaustelle namens Theater Koblenz läuft.

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

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