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Mainz

Tannhäuser brennt für die Freiheit

Sandra Leupold bringt Wagner ins Große Haus. Sie sagt sehr entschieden: „Tannhäuser, das ist ein Mensch von heute.“

Sandra Leupold bringt Wagner ins Große Haus

Mainz – Sandra Leupold sagt sehr entschieden: „Tannhäuser, das ist ein Mensch von heute.“ Und zu dieser Aktualität passt die mitunter sehr moderne Wortwahl der Regisseurin: „Die Oper ist ein krass politisches Werk. Richard Wagner ging es nicht darum, erfolgreich mit Opern zu sein. Er setzte sich mit geradezu körperlicher Vehemenz für die Verbesserung der Welt ein.“

Diese körperliche Vehemenz wird auch in der Inszenierung des „Tannhäuser“ fürs Große Haus des Staatstheaters zu spüren sein. „Die Kraft, die davon ausgehen soll, muss ich mit meinem Körper hereinstecken“, erzählt Leupold. Gerade in den Proben wurde das deutlich. Da hält es die Regisseurin nicht auf dem Platz. Sie eilt über die Bühne, korrigiert hier eine Geste, verschiebt dort ein Requisit und strahlt bei alledem eine ungeheure Energie aus.

Vor zwei Jahren brachte Leupold den „Parsifal“ auf die Mainzer Theaterbühne. Nun folgt mit „Tannhäuser“ ein früheres Werk Wagners. Dafür arbeitet die gebürtige Schweizerin wieder mit Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt zusammen.

„Viele Momente im ,Tannhäuser' sind vom Mittelalter angeregt, wir haben also versucht, den mittelalterlichen Klang zu finden“, erzählt Rückwardt. „Zugleich sind die gefühlsgeladenen Passagen der Oper ganz Wagner.“ Diesen Bogen will sie musikalisch hervorheben. „Wir versuchen, dem Fluss durch die Jahrhunderte zu folgen. Das ist der Reiz. Stellenweise wird es sogar in barocke und vorbarocke Richtungen gehen.“

Mehr in die Richtung des Heutigen, der allgegenwärtigen Hast, zieht es Leupold. „Tannhäuser ist der Inbegriff der Beschleunigung, er will immer weg, immer weiter, schneller.“

Mit zwei Sphären gerät der Sänger in Konflikt: mit dem Venusberg und der Gesellschaft auf der Wartburg. „Das eine ist die Welt einer Göttin, das andere eine absolut diesseitige Welt des Mittelalters. Eine größere Differenz kann man erst mal nicht schaffen“, so die Regisseurin. Diese Differenz jedoch hebt Wagner auf mehreren Ebenen auf. Beiden Welten ist gemeinsam, dass sie Tannhäuser in seinem Drang zur Freiheit bremsen. Sie sind begrenzt, unfrei. Das wird auch durch ihre kompositorische Uniformität deutlich.

Immer wieder überarbeitete Wagner den „Tannhäuser“. Leupold bevorzugt die früheste, die Dresdener Fassung. „Ich finde sie richtiger. In seinem permanenten Bestreben nach Verbesserung ist Wagner eher eine Verschlimmbesserung passiert.“

Eine Rolle spielt zudem, dass diese Fassung von der revolutionären Stimmung des Vormärz getragen ist. „Eine brennende Sehnsucht nach Freiheit durchzieht die Oper“, meint Leupold. Besonders hier sieht sie die Verbindung mit der Gegenwart. „Tannhäusers Welt ist wie unsere, defizitär ohne Ende. Wir haben von allem Überflüssigen zu viel und von allem Wesentlichen zu wenig.“ Gerd Blase

Premiere am Freitag, 17. September, 18 Uhr. Weitere Termine: 26. September, 1. Oktober. Kartentelefon: 06131/2851 222.

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