40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Suters Kunst des Weglassens

Im Gegensatz zum Fernsehen, wo es nur so vor Kochsendungen wimmelt, hat der kulinarische Kosmos die Literatur bislang eher selten erobert. Dass dies völlig zu Unrecht der Fall ist, beweist der Schweizer Schriftsteller Martin Suter derzeit mit seinem Buch "Der Koch", aus dem er jetzt beim Koblenzer Literaturfestival "Ganz Ohr" las.

Martin Suter
Der schweizer Autor Martin Suter las aus seinem Buch "Der Koch".
Foto: DPA

Koblenz – Im Gegensatz zum Fernsehen, wo es nur so vor Kochsendungen wimmelt, hat der kulinarische Kosmos die Literatur bislang eher selten erobert. Dass dies völlig zu Unrecht der Fall ist, beweist der Schweizer Schriftsteller Martin Suter derzeit erfolgreich mit seinem jüngsten Buch "Der Koch", aus dem er im Rahmen des Koblenzer Literaturfestivals "Ganz Ohr" jetzt im Koblenzer Restaurant "Palais" las.

Die Sinnlichkeit des Essens verbindet Suter dabei mit der Sinnlichkeit der Erotik. Denn die Gerichte des aus Sri Lanka stammenden Kochs, Titelheld seines Romans, kitzeln nicht nur den Gaumen, sondern wecken als Aphrodisiakum auch die Lust. Klar, dass Martin Suter in der zweiten Etage des Palais vor geschätzten mehr als 200 Besuchern aus der Passage vorlas, in der der Koch zum ersten Mal die Wirkung seines Gerichts austestet. Bedächtig, mit der Erwartung des Publikums spielend, weiß Suter mit leicht schweizerischem Akzent dabei die Spannung des Publikums gekonnt zu steigern. Allerdings kann ihm dies nur gelingen, weil das Buch ähnlich aufgebaut ist. Der 62-jährige Autor versteht sich nämlich auf die Kunst des Weglassens. In einer ohnehin schon reizüberfluteten Welt schickt er sein Pärchen ins Bett, indem er nur kurz andeutet, dass sie merkten, dass noch ein anderer Hunger an ihr nagte.

Der Roman "Der Koch" geht allerdings weit über die kulinarische Welt hinaus. Die globale Finanzkrise und vor allem die Schweizer Gesellschaft werden in dem Werk nämlich ebenso beleuchtet. Und da sich mit einer Liebesdroge viel Geld verdienen lässt, ist es naheliegend, dass Suter auch die Unterwelt in seine Handlung einbaut. Als das Gewissen der Schweiz sieht sich Suter, wie er im Smalltalk mit Ruth Duchstein, Inhaberin der Buchhandlung Reuffel, verdeutlichte, allerdings dennoch nicht. "Ich habe zwar zuletzt vehement im Rahmen einer Volksabstimmung für ein Ausfuhrverbot von Waffen geworben, aber das Gewissen der Schweiz bin ich sicher nicht", so Martin Suter.

Die politische Ebene seines jüngsten Romans möchte er auch nicht auf die Schweiz begrenzt wissen. Das Buch spiele zwar in Zürich, aber die dort erörterten Probleme treffen auf viele Gesellschaften der westlichen Welt zu. "Es geht darum, dass in Krisenzeiten viele Bürger versuchen, ihren Besitzstand zu wahren. Und dieses Phänomen findet man nicht nur in der Schweiz, sondern auch anderswo in Europa", sagt der in Zürich geborene und in Spanien und Guatemala lebende Schriftsteller. Peter Karges

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!